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Herzogenrath/Berlin
Berlin stoppt Aixtron-Verkauf nach China

Herzogenrath/Berlin. Eigentlich hatte Berlin die Übernahme der Technologiefirma Aixtron abgenickt - nun wird erneut geprüft. Die Aktie bricht ein, der Vorstand ist überrascht. Ausgerechnet jetzt reist NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin nach China. Von Reinhard Kowalewsky

Für plötzliche Kehrtwenden ist Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel bekannt, jetzt trifft es ein für die NRW-Wirtschaft wichtiges Geschäft. Der Verkauf der Technologiefirma Aixtron aus Herzogenrath bei Aachen an einen chinesischen Investor wird nun doch intensiv geprüft. Dabei hatte das Bundeswirtschaftsministerium den 670 Millionen Euro teuren Deal am 8. September noch als unbedenklich bezeichnet. Die Aktie von Aixtron brach gestern um elf Prozent ein, der Vorstand des Anlagenbauers für Halbleiter (Computerchips) gibt sich überrascht - nun will das Unternehmen mögliche Bedenken gegen den Verkauf ausräumen.

"Die Bundesregierung hat bis dahin nicht bekannte sicherheitsrelevante Informationen erhalten", erläuterte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) die neue Situation. Zusammen mit anderen Ressorts seien die Informationen geprüft worden, das habe zur Rücknahme der Unbedenklichkeitsbescheinigung geführt.

Im Umfeld von Aixtron wird dagegen befürchtet, die neue Prüfung habe eher den Hintergrund, dass Berlin grundsätzlich skeptischer gegenüber chinesischen Investoren bei Technologieunternehmen eingestellt sei - dies solle wenige Tage vor einer Reise von Sigmar Gabriel nach China demonstriert werden. "Dieses Vorgehen kann die eigentlich gewollten Investoren schon verunsichern", sagt Walter Schuhen, Leiter des Düsseldorfer China Centers, "dabei geben sich chinesische Firmen in der Regel große Mühe, als seriöse und langfristig orientierte Partner dazustehen."

Tatsächlich erarbeitet das Bundeswirtschaftsministerium aktuell ein Eckpunktepapier, um einen denkbaren Ausverkauf strategisch wichtiger Spezialfirmen speziell nach China zu verhindern. Anlass ist der Verkauf von Aixtron oder auch des Roboterbauers Kuka an chinesische Unternehmen - auch die Siemens-Abspaltung Osram könnte bald geschluckt werden. Staatssekretär Machnig erklärt dazu, Investitionen in Deutschland blieben willkommen, müssten aber mit einer "klaren Marktperspektive auf dem europäischen Markt" verbunden sein. Bei Aixtron hatte allerdings der chinesische Investor Grand Chip Investment garantiert, dass die Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben sollen - der Betriebsrat von Aixtron unterstützt darum den Verkauf.

Auch Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), hält wenig von einer Abschottung gegenüber chinesischen Investoren: "Ich glaube, das ist nicht der richtige Weg", sagt er. Deutsche Unternehmen hätten bisher für mehr als 60 Milliarden Euro in China investiert, chinesische Unternehmen kämen hierzulande nur auf Investitionen von zwei bis drei Milliarden Euro in Deutschland. Nun sei es besser, man käme auf Dauer zu einem starken Gleichgewicht, als Barrieren aufzubauen - das würde Deutschland als Exportweltmeister am meisten nutzen.

Besonders schwierig ist der Streit um Aixtron für den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Garrelt Duin (auch SPD). Er beginnt heute in Shanghai eine viertägige Delegationsreise durch die Volksrepublik, bei der er um weitere Investoren aus dem bevölkerungsreichsten Land der Welt werben will. Den Streit um das Aachener Unternehmen will er zwar nicht kommentieren, spricht aber insgesamt von einer "Erfolgsgeschichte" der Zusammenarbeit zwischen NRW und China. "Mehr als 900 chinesische Unternehmen haben sich in NRW angesiedelt, 470 Unternehmen aus NRW haben sich allein in der Region Shanghai und der Provinz Jiangsu angesiedelt", sagt Duin. "Diese Erfolgsgeschichte möchten wir fortsetzen."

Quelle: RP
 
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