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Augsburg/Düsseldorf
Chinesen kaufen Roboterbauer Kuka

Augsburg/Düsseldorf. Das Geschäft könnte 4,6 Milliarden Euro verschlingen. Der Firmenkauf bestätigt, wie stark die Unternehmen aus China nach Deutschland drängen. Auch NRW entwickelt sich zum Zentrum der Aktivitäten aus Ostasien. Von Reinhard Kowalewsky

Chinesische Unternehmen drängen nach Deutschland: Nun will der Hausgerätehersteller Midea den Augsburger Roboterbauer Kuka übernehmen. Die Chinesen, die bereits 13 Prozent an dem Traditionsunternehmen halten, bieten den übrigen Aktionären 115 Euro je Kuka-Anteil. Damit wird Kuka mit 4,6 Milliarden Euro bewertet, ein Drittel mehr als vor dem Übernahmeangebot. Die komplette Kontrolle wolle man aber nicht übernehmen, betont Midea. Die deutsche Voith-Gruppe hält noch gut 25 Prozent der Kuka-Anteile und kann damit Entscheidungen auf der Hauptversammlung blockieren. Folglich müssen sich künftig beide Großaktionäre über die Zukunft des Unternehmens mit 12.000 Mitarbeitern verständigen.

Auch in NRW spielen chinesische Investoren eine immer größere Rolle. Dies bestätigte sich gestern bei einer Rundreise von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) mit dem chinesischen Generalkonsul Haiyang Feng zu Unternehmen in der Region. Beim Duisburger Ableger des Getriebeherstellers NGC konnten sie sehen, wie das Unternehmen eine Ingenieurtruppe aufbaut, um in China gebaute Getriebe für Windkrafträder zu vertreiben und künftig auch zu reparieren.

Der Baumaschinenhersteller XCMG geht noch einen Schritt weiter: Ein Team von 45 Ingenieuren testet in einem Labor, wie Bagger und Kräne besser mit Sensoren und Steuerungstechnik ausgestattet werden. "Jedes Jahre fahre ich zwei oder dreimal zu den Kollegen in China, um den Fortschritt der Projekte zu besprechen", sagt Forschungschef Christian Stammen.

In der Europazentrale von Huawei in Düsseldorf ist zu sehen, wie sich ein Unternehmen aus dem früheren Entwicklungsland China zu einem führenden Technologie-Anbieter entwickelt hat: Huawei ist mit dem Jahresumsatz von 60 Milliarden Dollar einer der weltweit fünf wichtigsten Hersteller von Smartphones und Tablet-PC geworden. Begeistert spielten Duin und Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel bei einer Präsentation mit einigen Geräten. Huawei ist wichtiger Lieferant der Netztechnik von Telekom, Telefonica und Vodafone. Techniker in Düsseldorf leisten die Anpassungsarbeiten. Zugleich werden aus Düsseldorf, wo mehr als 1000 Mitarbeiter tätig sind, immer komplexere Projekte gesteuert: Gelsenkirchen soll mit Digital-Technik von Huawei zur "Safe-and- Smart-City" umgebaut werden. So könnten Kameras erfassen, wenn es Überfälle oder Unruhen gibt, Falschparker könnten automatisch registriert werden, Rettungswagen sollen schneller an ihren Einsatzort gelangen. "Wir glauben an die vernetzte Stadt und wollen das auch in Gelsenkirchen erproben", sagt Huawei-Manager Torsten Küpper.

Die Vorzeigeprojekte sind nur ein Teil der NRW-China-Connection. Fast jeden Tag kommt ein Zug mit Waren aus China in Duisburg an, berichtet Markus Teuber, Generalbevollmächtigter der Duisburger Hafen AG. So werden viele in China gebaute Computer wie von Acer auf der Schiene nach Europa gebracht - Duisburg ist das Verteilzentrum für ganz Europa, was weitere Firmen aus der Volksrepublik anlockt.

Insgesamt haben sich 900 Unternehmen aus China in NRW angesiedelt, mehr als in jedem anderen Bundesland. Generalkonsul Haiyang Feng führt dies auf die zentrale Lage, die gute Ausbildung und die Industriestruktur zurück. Ganz Deutschland hat einen guten Ruf in China, Düsseldorf und Umgebung gelten als attraktiv für Familien.

Quelle: RP
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