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Air Berlin und Tuifly
Streit um Airline-Fusion trifft Urlauber in Düsseldorf

Air Berlin und Tuifly: Streit um Airline-Fusion trifft Urlauber in Düsseldorf
Passagiere müssen bei Air Berlin mit ausfällen rechnen. FOTO: dpa
Düsseldorf/Hannover. Die geplante Fusion der Touristik von Air Berlin und Tuifly hat zu massiven Krankmeldungen geführt. Mehr als 50 Flüge fielen aus. Am Freitag wird es in Düsseldorf eng, wenn die meisten Passagiere in diesem Jahr starten. Von Reinhard Kowalewsky

Der Touristik-Gigant Tui und die Fluglinie Air Berlin wollen das Geschäft mit Ferienflügen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenführen. Das haben die beiden Unternehmen am Mittwoch bestätigt. Als Reaktion auf die sich schon länger abzeichnende Entwicklung meldeten sich am Mittwoch mehrere Mitarbeiter beim Ferienflieger Tuifly krank, darunter 190 der 540 Piloten - mehr als 50 Flüge fielen bundesweit aus.

Die Mitarbeiter fürchten schlechtere Tarifverträge. Von den Ausfällen betroffen waren 20 Flüge der Tui-Tochter. Aber auch 32 der 696 Verbindungen von Air Berlin entfielen, weil Tuifly 14 Maschinen mit Crews an Air Berlin ausgeliehen hat und derzeit betreibt.

In Düsseldorf strich Tuifly am Mittwoch vier von acht Flügen und verlegte eine Rhodos-Verbindung nach Köln. Air Berlin musste einen Flug von der Domstadt nach Berlin annullieren. Am Donnerstag teilte Tuifly mit, von 110 Flügen deutschlandweit 47 ersatzlos streichen zu müssen. Fluggäste sollten sich frühzeitig über den Status ihres Fluges zu informieren.

Letzter Tag vor den Herbstferien

Am Freitag könnte die Situation eskalieren: Der Flughafen Düsseldorf erwartet für den letzten Tag vor den Herbstferien mit 89.500 Passagieren einen so hohen Ansturm wie noch nie in diesem Jahr. Die meisten der rund 360 Abflüge werden ausgebucht sein. Falls erneut plötzliche Krankmeldungen des Flugpersonals hereinkommen, könnte es Tuifly oder Air Berlin schwerfallen, Reisende oder Jets umzubuchen.

Wegen der massiven Flugplanprobleme haben die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi eine Krisenvereinbarung mit Air Berlin getroffen. Gemeinsam rufen sie Piloten, Flugbegleiter und Bodenbeschäftigte zu freiwilligen Einsätzen bis einschließlich Sonntag auf. Ziel sei es, den Flugbetrieb zu stabilisieren und die Einschränkungen für die Fluggäste so gering wie möglich zu halten. Nach dpa-Informationen aus Branchenkreisen rechnet Air Berlin mit weiteren Ausfällen infolge kurzfristiger Krankmeldungen von Crews von Tuifly.

"Wir wissen nicht, was passiert", erklärte ein Tui-Sprecher: "Wir versuchen, für Passagiere immer eine möglichst gute Lösung zu finden." Nicoley Baublies, Vorstand der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, warnte: "Auch die Crews in NRW sind wegen der Fusion beunruhigt. Da kann man in Düsseldorf nichts ausschließen." Die Gewerkschaft Verdi forderte mehr Information.

Der Zusammenschluss der beiden Sparten soll indes vorrangig höhere Preise herbeiführen oder wenigstens die Tarife stabilisieren. Derzeit kontrolliert Air Berlin etwas mehr als die Hälfte der monatlich 487 Flüge aus der NRW-Landeshauptstadt nach Mallorca. Mit den 34 Strecken von Tuifly liegt der Anteil bei 59 Prozent. "Etwas weniger Discounttickets könnte die Fusion als Ergebnis schon haben", sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

"Preiserhöhungen sind schwer durchsetzbar"

Langfristig bleibt der Wettbewerb aber hart. Easyjet will mehr Strecken zwischen Großstädten aufbauen. Der zweitgrößte Billigflieger Europas fliegt ab Dortmund. Ryanair als größter Billigflieger Europas erklärte gestern, das Unternehmen wolle in Deutschland weitere Strecken eröffnen, wenn sich Air Berlin wie angekündigt aus einer Reihe von Städten zurückzieht. "Deutschland bietet ein riesiges Potenzial", sagte in Nürnberg der operative Ryanair-Chef David O'Brien.

In Köln haben die Iren bereits eine Basis aufgebaut. Zudem gibt es Kontakte zum Flughafen Düsseldorf. Angesichts dessen erwartet Peter Gerster, Airline-Experte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, auch in Zukunft erträgliche Ticketpreise: "Preiserhöhungen sind schwer durchsetzbar, weil der Wettbewerb auf vielen touristischen Strecken weiter sehr groß ist. Germania, Condor und auch die klassischen Billigflieger wie Ryanair haben ein großes Angebot etwa ans Mittelmeer."

Bei Air Berlin und Tuifly stehen derweil die Zeichen weiter auf Sturm. Denn die Fusion wird ungewöhnlich organisiert. So soll eine Stiftung in Österreich, die der Air-Berlin-Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi kontrollieren wird, die neue Ferienfliegerflotte steuern. Teil der Firma wird auch der Air-Berlin-Ableger Niki in Österreich. Die Belegschaft von Tuifly fürchtet nun, auf Dauer die schlechteren Tarif-Verträge von Niki übernehmen zu müssen.

Keine Entschädigung für Kunden

Bei den Verspätungen und Ausfällen der Tuifly durch Crew-Engpässe beruft sich der Tui-Konzern auf höhere Gewalt. "Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht", teilte die Tui Deutschland mit. Die Sprecherin betonte: "Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt." Aus diesem Grund hätten auch die betroffenen Reise- und Luftbeförderungsverträge gekündigt werden müssen.

Die von den Verspätungen und Flugausfällen betroffenen Passagiere haben nach Ansicht eines Fluggastrechtlers jedoch Anspruch auf finanzielle Entschädigung. "Wenn die Airlines sich bei krankheitsbedingten Personalausfällen auf höhere Gewalt berufen, ist das aus rechtlicher Perspektive schlichtweg falsch und ein Versuch, Entschädigungszahlungen nicht leisten zu müssen", sagte Philipp Kadelbach, Mitgründer und Geschäftsführer des Flugrechtsportals Flightright.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes war davon die Rede, dieser Donnerstag sei verkehrsreichste Tag am Flughafen. Gemeint war natürlich der Freitag (7. Oktober). Wir haben den Fehler korrigiert.

Quelle: RP
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