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Studie im Auftrag der Grünen
Gaskunden zahlen 1,3 Milliarden Euro zu viel

Studie im Auftrag der Grünen: Gaskunden zahlen 1,3 Milliarden Euro zu viel
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Berlin. Wegen des Frackings in den USA sind die Börsenpreise stark gefallen. Davon kommt bei vielen Kunden nichts an, weil Lieferanten wie Eon und RWE auf teuren Altverträgen mit Russen sitzen. Jeder NRW-Haushalt könnte 117 Euro sparen. Von Antje Höning und Eva Quadbeck

Gasversorger geben nur in geringem Umfang die gesunkenen Einkaufspreise an ihre Endkunden weiter. Wie aus einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht, hat nur etwa jeder achte Gasversorger seine Preise gesenkt. In absoluten Zahlen: Von 780 Gasversorgern senkten nur 97 ihre Preise. Dadurch hätten die Gaskunden im ausklingenden Jahr insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro zu viel bezahlt. Pro Haushalt seien es 108 Euro gewesen, heißt es in der Studie von EnergyComment. Regional variiert die entgangene Ersparnis stark. Mit 117 Euro, die Haushalte in NRW 2014 zu viel für ihr Gas zahlten, liegt das Land an vierter Stelle der Regionen mit überteuerten Preisen.

Erdgas ist in deutschen Haushalten die wichtigste Wärmequelle. Nahezu jede zweite der 20 Millionen Wohnungen in Deutschland wird durch eine Erdgas-Zentralheizung gewärmt. Zum Vergleich: Knapp 29 Prozent der Haushalte heizen mit Öl, fünf Prozent mit Strom, und knapp 13 Prozent beziehen Fernwärme. Insbesondere in Nordwestdeutschland und in Großstädten dominiert Gas als Heizmittel.

Warum fallen die Gaspreise? Der Gasmarkt ist weltweit seit einigen Jahren im Umbruch. Der Abbau von Schiefergas durch Fracking in den USA hat das globale Gas-Angebot kräftig steigen lassen. Entsprechend sind die Gaspreise an den Börsen gepurzelt. Zuletzt kamen die maue Weltkonjunktur und die gute Witterung hinzu. Seit Anfang 2014 sank aufgrund des ungewöhnlich milden Winters der Gaspreis im europäischen Großhandel deutlich von ursprünglich 2,71 Cent pro Kilowattstunde auf zunächst 2,29 Cent im ersten Halbjahr 2014 und 2,14 Cent im zweiten Halbjahr.

Warum kommen die Preissenkungen nicht bei den Kunden an? Der Endverbraucher zahlt im Bundesdurchschnitt 6,52 Cent, sollte der Studie zufolge aber eigentlich nur 5,98 zahlen müssen. Die Gründe: Konzerne wie Eon und RWE, die Millionen Endkunden haben und als Lieferanten für Stadtwerke agieren, haben sich durch langfristige Verträge an den russischen Riesen Gazprom gebunden. In diesen Verträgen war der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt, der erst zuletzt selbst auf Talfahrt ging. Da half es auch nicht, dass Eon und RWE in Verhandlungen mit den Russen immer mal wieder Abschlagszahlungen erreichten. Unterm Strich kauften sie Gas überteuert ein und verkauften es überteuert an ihre Kunden weiter. Das ging oft gut, weil viele Kunden einen Wechsel scheuten. Denn während Verbraucher beim Strom sehr preisbewusst sind und mittlerweile jeder Dritte schon mal seinen Anbieter gewechselt hat, ist es beim Gas nur jeder Vierte. "Weil eher wenig Gaskunden wechseln, geben viele Versorger die gesunkenen Einkaufspreise nicht weiter", sagt Oliver Krischer, Fraktionsvize und Energieexperte der Grünen.

Gibt es günstigere Anbieter? Ja. Viele Versorger decken sich zum großen Teil kurzfristig und viel günstiger über die Spot-Märkte mit Gas ein. "Wenn nicht im Laufe der nächsten Monate eine Preissenkung angekündigt ist, sollte man einen Wechsel seines Versorgers in Betracht ziehen", meint Oliver Krischer. Bei der Analyse bezog Studienautor Steffen Bukold die bis Februar 2015 angekündigten Preissenkungen ein. Das heißt, auch verspätete Effekte des 2014 gesunkenen Erdgaspreises sind einbezogen.

Ist der Wechsel riskant? Nein. "Ein Gasanbieterwechsel ist einfach und sicher. Sie müssen nur den Wechselauftrag an Ihren neuen Gasanbieter schicken. Dieser kümmert sich um die Kündigung beim bisherigen Anbieter", erläutern Experten des Vergleichsportals Verivox. Bei laufenden Verträgen muss man die Kündigungsfrist beachten. Bei Gaspreis-Erhöhungen (selbst diese gibt es 2015) haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Verivox oder Check 24 helfen, den für Wohnort und Verbrauch günstigsten Anbieter zu finden. Aber Vorsicht: Nie einen Anbieter mit Vorkasse wählen. Bei einer Pleite ist das Geld weg.

Quelle: RP
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