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Gamescom 2016 in Köln
Virtual Reality und Fortsetzungen stehen im Mittelpunkt

Gamescom 2016 - die besten Spiele auf einen Blick
Gamescom 2016 - die besten Spiele auf einen Blick FOTO: SIE
Köln. Mehr als 800 Aussteller aus rund 60 Ländern, über 500.000 Besucher und mehr Videospiele, als ein Gamer in seinem Leben spielen kann: Die Eckdaten der Gamescom versprechen erneut ein großes Spektakel. Doch die Branche präsentiert sich ungewöhnlich unspektakulär. Von Daniel Hecht

Die Gamescom wächst und wächst, aber 2016 dämpfen einige Fakten die Euphorie. Erstmals werden weder Marktführer Sony, noch Microsoft, noch Nintendo eine Pressekonferenz geben. Bereits auf der Electronic Entertainment Expo (E3) im Juni in Los Angeles verkündeten die Unternehmen ihre Neuigkeiten. Abseits von neuen Trailern dürfte es in Köln dementsprechend nur wenige große Überraschungen geben.

Auch das neue Sicherheitskonzept dürfte die Besucher nicht freuen: Cosplayer müssen sämtliche Waffennachbildungen daheim lassen, außerdem werden Taschen genau kontrolliert – was zu noch längeren Wartezeiten führen wird. Der Rat des Veranstalters: Rucksäcke und große Taschen am besten gleich daheim lassen. Bei den horrenden Messepreisen für Trinken und Verpflegung keine allzu ansprechende Alternative für viele Gamescom-Fans.

Fotos: Ein Rundgang über die Computerspielmesse FOTO: Ludwig Jovanovic

>>> Alle Infos zur Gamescom 2016 (Hallenplan & Highlights) finden sie hinter diesem Link.
>>> Alle neuen Spiele geordnet nach Herstellern finden sie hinter diesem Link.
>>> 20 Survival-Tipps für die Gamescom 2016 (Parken, Toiletten, Verpflegung, etc.) finden sie hinter diesem Link.
>>> Alle Infos zum Gamescom City Festival (u.a. mit Joris und Max Giesinger) finden sie hinter diesem Link.

Fortsetzungen dominieren den Markt

Viele der neuen Spiele sind auf technisch extrem hohem Niveau, doch es mangelt an Innovation: Fortsetzungen am Fließband dominieren den Markt und verkaufen sich weiterhin millionenfach. Ob FIFA 17, Call of Duty: Infinite Warfare, Battlefield 1, Watch Dogs 2, Mafia III, Dishonored 2, Gran Turismo Sport oder Forza Horizon 3, die Fans stehen auf der Gamescom Schlange, um selbst Hand an die großen Franchises legen zu dürfen.

Große Titel abseits der gewohnten Daddelkost sucht man mit der Lupe: "Horizon: Zero Dawn" für die PlayStation 4 beispielsweise ist ein modernes und audiovisuell höchst imposantes Sci-Fi-Märchen, in dem die rothaarige Heldin "Aloy" Wälder durchstreift und auf die Jagd geht. Der Clou: Der Großteil der Tierwelt besteht aus riesigen Roboter-Dinosauriern.

"Detroit: Become Human" ist ein aufsehenerregendes und dezent an den Kultfilm "Blade Runner" erinnerndes Cyberpunk-Abenteuer in der fernen Zukunft. Erscheinen soll der vom französischen Entwickler Quantic Dream entwickelte Titel exklusiv für die PlayStation 4. Mit Spielen wie "Beyond: Two Souls" und "Heavy Rain" haben die Franzosen bereits bewiesen, wie eindrucksvoll die Verschmelzung von Videospiel und Film funktionieren kann.

Auch das bereits Mitte August veröffentlichte Weltraum-Abenteuer "No Man's Sky" dürfte für Aufsehen sorgen. 18 Trillionen komplett erforschbare Planeten, keine Handlung, sowie Ehrfurcht als Spielziel machen den Titel der Indie-Schmiede "Hello Games" zu einem der populärsten Spiele des Jahres.

Ist 2016 das Jahr der Virtual Reality?

Als die Kickstarter-Kampagne zur VR-Brille "Oculus Rift" anno 2012 stolze 2,5 Millionen Dollar Einnahmen in die Kassen der Entwickler spülte, war der Grundstein für die erste VR-Generation gelegt. Nur zwei Jahre später, im März 2014, ließ sich Facebook die Oculus Rift bereits stolze zwei Milliarden Dollar kosten.

Seitdem lautet die Frage innerhalb der Gaming-Community immer wieder: "Ist dies das Jahr der VR?" 2016 lässt sich die Frage zumindest in Sachen vorhandener Hardware positiv beantworten: Die VR-Brillen "Oculus Rift", sowie das Konkurrenz-Produkt "HTC Vive" und das Einsteigermodell "Samsung Gear VR" sind nicht nur im Handel angekommen und bereits an die ersten Kunden ausgeliefert, sondern werden auch auf der Gamescom öffentlich ausgestellt.

Viele Cosplayer werden auf der Gamescom unterwegs sein - in diesem Jahr jedoch ohne Waffen. FOTO: 1920

Das Problem bleibt der Preis: Bei Einstiegspreisen von 599 Dollar für die Oculus Rift und 899 Euro für die HTC Vive schlackern selbst gestandenen Gamern die Ohren. Beide Brillen benötigen zudem ein gut bestücktes PC-Setup mit Hardware-Power.

Für den Massenmarkt wesentlich interessanter ist die für Oktober angekündigte PlayStation VR Brille (ehemals unter dem Projektnamen "Morpheus" bekannt): Für 399 Euro soll das gute Stück die ersten VR-Games in Kombination mit einer PlayStation 4 und einer separat erhältlichen PlayStation Kamera ermöglichen. Knapp 150 Spiele werden bereits entwickelt, einen großen Teil davon werden Interessenten auch auf der Gamescom in Köln ausprobieren können.

Bei aller Liebe zur Virtual Reality und den verlockenden, teils faszinierenden, teils erschreckenden Zukunftsaussichten – es fehlen große Titel und Publikumsmagnete. Die meisten Spiele liegen irgendwo zwischen Konzeptstudie und lustiger Spielerei mit Jahrmarkt-Flair, ernsthafte Produkte mit hohen Entwicklungskosten im Stil eines "Call of Duty" gibt es nicht. Jede Revolution benötigt ihre Zeit.

Retro-Gaming weiterhin beliebt

Auch die Klassiker der Spielewelt kommen nicht zu kurz: In Halle 10.2 feiern rund 50 Sammler, Retro-Entwickler, Musiker und Vereine die Geschichte der Computerspiele auf 1600 Quadratmetern. Wer keine Lust hat sich an den langen Schlangen anzustellen, findet bei weit über 100 einsatzbereiten Spielkonsolen, Heimcomputern, Handhelds und Automaten meist eine Gelegenheit, die Geschichte der Videospiele selbst zu erleben.

Dieses Jahr im Fokus: Das Nintendo 64 und Pokémon feiern ihr 20-jähriges Bestehen und die alte Amiga-Garde rund um das deutsche Kultentwickler-Team Factor 5 ("Turrican") sowie Musiker Chris Hülsbeck blicken auf 30 Jahre zurück. Apple wird 40.

Virtual Reality ist ein großes Thema in Köln. FOTO: dpa, av

Eine Stadt feiert Videospiele

Wenn schon die Spiele auf der Gamescom 2016 eher für ein müdes Lächeln als pure Aufregung sorgen, zeigen wenigstens die Spieler, welche Faszination noch immer hinter dem Medium steckt: Unzählige Cosplayer dürften auch dieses Jahr die Flure der Gamescom sowie ganz Köln bunt färben.

Bunt wird es auch im Kölner Dom: Passend zur Gamescom verwandeln die DJs Blank & Jones den Dom mit einer Lasershow im Kirchenschiff, untermalt von der CD "Dom". Das Lichtspektakel und die klassisch-moderne Musik von Blank & Jones sollen allen Besuchern den Dom auf ganz besondere Weise näher bringen – wild gefeiert wird hier nicht. Das Event findet am 18., 19. und 20. August statt und startet jeweils um 22 Uhr. Der Eintritt in den Dom bleibt kostenlos.

Musik gibt es auch in der Kölner Innenstadt beim Gamescom City Festival. Auf vier Bühnen sollen Stars wie Wanda, Kasalla, Joris, Max Giesinger und Wirtz für Stimmung sorgen.

Ein Blick in die Zukunft

Fotos: Diese Klassiker gibt's auch für Smartphones FOTO: dpa, av

Die E3 hat es bereits gezeigt: Die aktuelle Hardware-Generation steht auf der Kippe. Sowohl Sony als auch Microsoft planen ein Hardware-Update auf den Markt zu bringen, welches die TV-Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln (alias "4K" oder "Ultra HD") unterstützen soll. Sony nennt es die "PlayStation 4 Neo", Microsoft "Project Scorpio".

Beide Konsolen sollen weiter zu alten Spielen kompatibel und lediglich eine hochgerüstete Alternative für Tech-Enthusiasten sein. Wir gehen jedoch stark davon aus, dass bereits zum Jahreswechsel die ersten Spiele erscheinen werden, welche nicht mehr ohne erhebliche technische Nachteile auf der heutigen PlayStation 4 und Xbox One laufen werden.

Nintendo dagegen lässt sich noch immer nicht in die Karten blicken und hält sich auch auf der Gamescom bedeckt: Die "NX" betitelte Konsole ist genauso ominös wie am ersten Tag ihrer Ankündigung. Im Internet finden sich bereits ganze Romane von Theorien und Gerüchten über die Konsole, mal von Fans erdacht, mal aus "sicherer" Quelle. Ist es ein Vogel? Ein Flugzeug? Eine Mischung aus Handheld und stationärer TV-Konsole? Ein Handy?

Bislang steht nur eines fest: Obwohl Nintendo keine allzu große Rolle mehr auf dem Weltmarkt spielt, bieten sie auf der Gamescom mit "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" und den durch den Pokémon-Go-Hype erstarkten Pokémon-Fortsetzungen für den Nintendo 3DS (Sonne und Mond) gleich zwei Franchises mit Hit-Garantie an. Ausgerechnet das neue "Zelda" bleibt dabei nur einer ausgesuchten Truppe von Spielern vorbehalten und ist nicht offiziell anspielbar.

Gamescom 2016 - das erwartet die Zocker in Köln FOTO: dpa, obe sab dak tmk

Die Gamescom 2016 startet am Mittwoch, 17. August, für Fachbesucher. Vom 18. bis zum 21. August hat die Messe für alle geöffnet. Die Tickets sind  ausverkauft – nur Nachmittagstickets sind für 7 Euro vor Ort erhältlich.

Öffnungszeiten:

  • Donnerstag, 18. August 2016: 10 bis 20 Uhr
  • Freitag, 19. August 2016: 10 bis 20 Uhr
  • Samstag, 20. August 2016: 9 bis 20 Uhr
  • Sonntag, 21. August 2016: 9 bis 18 Uhr
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