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Minivan-Pioniere
Raumwunder aus Japan
30 Jahre Minivans
30 Jahre Minivans FOTO: Nissan
Köln. Ausgerechnet aus Japan, dem Autoland mit den vielleicht beengtesten Platzverhältnissen, kamen vor 30 Jahren Fahrzeuge, die besonders viel Raum boten. Sie setzten auf Erfahrungen aus dem Wohnungsbau in Nippon.  

Vor 30 Jahren kreuzten die ersten Vans die Vorteile von klassischen Kombis mit den Talenten von Transportern und dem Komfort von Limousinen. Sogar der damals vor allem Geländewagen vorbehaltene Allradantrieb war für die Minivan-Pioniere von Mitsubishi (Space Wagon), Nissan (Prairie) und Toyota (Space Cruiser bzw. Model F) bestellbar.

Das japanische Trio machte seine Modellbezeichnungen zum Programm und präsentierte sich als weltweit erste Großraumlimousinen für Familie und Freizeit – rund zwei Jahre bevor Chrysler Voyager und Renault Espace die Erfindung dieser Klasse für sich reklamierten. Als erster moderner Monospace mit Frontantrieb und drei Sitzreihen stellte sich 1979 der seriennahe Mitsubishi Space Wagon im noch heute populären One-Box-Design vor.

Auto mit Klapptisch

Toyota konterte zeitgleich mit dem Modell Family Wagon, aus dem die Exportversionen Model F beziehungeweise Space Cruiser hervorgingen. Drehbare Einzelsitze im Fond und praktische Klapptische für die Toyota-Passagiere galten als sensationelle, noch nie gesehene Innovationen für Familienautos. Zwei Vorlagen, auf die Nissan 1982 mit dem Prairie antwortete, nachdem das 1977 eingeführte Van-Konzept vom Typ Nissan Homy noch zu sehr einem klassischen Transporter der Nutzfahrzeugklasse ähnelte.

Dafür gelang dem Prairie eine internationale Erfolgsgeschichte dank des Verzichts auf B-Säulen und dem Einsatz serienmäßiger hinterer Schiebetüren. Kein Konkurrent konnte mit einem ähnlich breiten und bequemen Einstieg für die Fondpassagiere aufwarten. werden konnte. Während die Japaner in Deutschland einen verhaltenen Start erlebten – und in der Fachpresse sogar noch nach Einführung von Chrysler Voyager und Renault Espace gerätselt wurde, ob Großraumlimousinen die Antwort auf eine Frage waren, die niemand gestellt hatte – galten Raumkreuzer in anderen Teilen der Welt sofort als geniale Alternative zu Kombis und konventionellen Limousinen.

Jeder Stauraum wird genutzt

Vor allem auf dem japanischen Heimatmarkt feierten sie Triumphe. Kein Wunder, gilt üppig bemessener Raum in dem dicht bevölkerten Inselstaat doch seit jeher als ultimativer Luxus. Genau dies war auch die Triebfeder für die Entwicklungsingenieure bei Mitsubishi, Nissan und Toyota, neue Raumkonzepte zu entwickeln. So wird bei den oft beengten Wohnverhältnissen in japanischen Häusern und Wohnungen bis heute jeglicher Stauraum genutzt. Platzsparende und dennoch besonders weit öffnende Schiebetürenkonstruktionen, Fusuma oder Shoji genannt, erleichtern den Zugang zu Zimmern und Schränken.

Für die Entwicklung des Toyota Model F/Space Cruiser und des Nissan Prairie galten Schiebetüren daher als unverzichtbar. Innovativ waren zudem die Bandbreite der Ablagefächer, darunter die ersten Schubfächer unter den Sitzen. Nippons Autokäufer teilten diese Einschätzung, anders sah es auf westlichen Exportmärkten aus. Dort kämpften Fahrzeuge mit Schiebeportalen vorläufig gegen Vorurteile und tatsächliche Schwächen an.

So erinnerte der familienfreundliche Toyota an den Transporter Hiace aus dem Lieferwagenprogramm, mit dem sich das Model F tatsächlich Komponenten wie Motor und Fahrwerk und den konventionellen Hinterradantrieb teilte. Der Nissan Prairie ließ es dagegen an der notwendigen Verwindungsfestigkeit fehlen, denn anders als beim neuen Ford B-Max mangelte es ihm an Versteifungen, die in die Karosserie bzw. die Schiebetüren integriert waren. Eine Problematik, die den Erfolg des nur 4,09 Meter langen, weltweit ersten Kompaktvans entscheidend begrenzte.

Ganz anders das Konzept des Mitsubishi Space Wagon, der über konventionelle Türen verfügte. Dahinter versteckten sich drei Sitzreihen für sieben bis acht Passagiere, damals fast einzigartig bei Pkw. Eine wirkliche Alleinstellung am Markt errang der nur 4,44 Meter lange Wagon durch sein variables Sitzkonzept mit heraus- und umlegbarem Gestühl. Heute ist die erste Generation japanischer Großraumlimousinen deutlich seltener anzutreffen als Limousinen oder Kombis der 1980er Jahre.

Vielleicht liegt es am kastenförmigen Design der frühen Raumgleiter, jedenfalls sind sie von den Straßen ebenso verschwunden wie optisch ähnliche, nüchterne Nutzfahrzeuge jener Jahre.

Quelle: SP-X/anch/das
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