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Analyse
Laschet mit hauchdünnem Umfrage-Vorsprung

Fotos: Die Spitzenkandidaten bei der NRW-Landtagswahl
Fotos: Die Spitzenkandidaten bei der NRW-Landtagswahl FOTO: dpa, wok mhe soe
Berlin. Kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat die CDU die SPD einer Umfrage zufolge knapp überholt. Was ist davon zu halten? Eine Analyse. Von Thomas Reisener

Es sah lange nicht so aus, als hätte CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet wirklich gute Chancen gegen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). In Umfragen lag er zeitweise so deutlich hinter der Titelverteidigerin, dass selbst viele  aus seinen eigenen Reihen die Wahl hinter vorgehaltener Hand schon verloren sahen. Aber Anfang des Monats hat sich das Blatt gewendet. Gleich vier Umfragen sehen Laschet seither auf Augenhöhe mit Kraft, in zwei aktuellen Umfragen vom Donnerstag hatte Laschet sogar hauchdünn die Nase vorne.

Laschet hat gute Chancen

In der Erhebung für den Sender Sat.1 NRW würden 31 Prozent für die CDU stimmen und 30 Prozent für die SPD. Die FDP und die AfD landen demnach beide bei neun Prozent, die Linkspartei bei acht und die Grünen bei sieben Prozent. Auch das ZDF-Politbarometer sieht die CDU knapp vorn (siehe Infokasten).

Im direkten Vergleich bei Sat.1 liegt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zwar immer noch deutlich vor CDU-Herausforderer Armin Laschet. Aber weil Ministerpräsidenten nicht direkt gewählt werden, sondern die Wähler am Sonntag ein Parlament wählen, ändert das nichts am Befund: Laschet hat gute Chancen, neuer Ministerpräsident von NRW zu werden. Das konnte man nicht über jeden Spitzenkandidaten sagen, den die NRW-CDU ins Rennen geschickt hat. 

Überbewerten darf man solche Umfrageergebnisse allerdings nicht: Der Vorsprung von Laschet liegt noch unterhalb der Fehlertoleranz, die das Institut Yougov selbst angibt. Dennoch sind Umfragen das präziseste Instrument zum Messen von Stimmungen vor Wahlen. Einen Trend belegen sie allemal.

In den eigenen Reihen wurde Laschet lange und hart dafür kritisert, zu spät in den Landtagswahlkampf eingestiegen zu sein. Tatsächlich eröffnete er die heiße Phase des Ringens um Wähler erst am 22. April – damit war die CDU unter den relevanten Parteien in NRW das terminliche Schlusslicht. Aber offenbar hat sich die Konzentration der Kräfte auf die letzten Wochen vor der Wahl für Laschet bezahlt gemacht.

Es kann noch viel passieren

Seine Strategen haben konsequent umgesetzt, was Wissenschaftler inzwischen recht genau wissen: Wahlentscheidungen werden immer kurzfristiger getroffen – immer mehr Wähler entscheiden sich erst wenige Tage vor der Wahl, einige sogar erst in der Wahlkabine. Mit der Konzentration seiner Kampagne auf die letzten Wochen vor der Wahl ist Laschet auch zwei Risiken umgangen. Erstens: Dass ihm bis zur Wahl das Pulver  ausgeht. So konnte die NRW-CDU ein paar Wochen lang in kurzer Folge Personalien und Ideen präsentieren. Die wenigsten davon hatten zwar das Zeug zur Sensation – aber immerhin blieb die CDU damit kontinuierlich im Gespräch. Das zweite Risiko, das Laschet mit seiner Last-Minute-Strategie umgangen ist: Seine Ideen und Vorschläge wurden vor der Wahl nicht allzu sehr zerredet. Aus der Perspektive eines Wahlstrategen betrachtet kann einem Oppositionsführer nämlich nichts schlimmeres passieren, als Monate vor der Wahl  Alternativen zu formulieren, die sich dann bis zur Wahl als ebenso untauglich wie die Regierungskonzepte erweisen.

Trotzdem: Bis zur Wahl kann noch viel passieren. "Es ist noch viel Dynamik drin, schon ein kleiner Vorfall im letzten Moment kann alles drehen", sagt der  Düsseldorfer Politikwissenschaftler Stefan Marschall. Eine Konstante der Umfragen der letzten Wochen hat die jüngste Befragung jedoch erneut unterstrichen: Die nächste Regierung, die in NRW gebildet wird, ist wahrscheinlich eine große Koalition von CDU und SPD. Oder von SPD und CDU – so genau legen die Umfrageinstitute sich da nicht fest. Der Unterschied klingt marginal, er ist es aber nicht. Die größere Partei wird den Ministerpräsidenten stellen. Und damit ihrer Partei erfahrungsgemäß einen erheblichen Startvorteil auch bei der Bundestagswahl im Herbst verschaffen. 

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Quelle: RP
 
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