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NRW-Standort gesucht
Flughäfen Düsseldorf und Köln kämpfen um Lufthansa-Tochter

Das ist der Düsseldorfer Flughafen bei Nacht
Das ist der Düsseldorfer Flughafen bei Nacht FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Die Airports Köln und Düsseldorf streiten sich darum, wo der NRW-Standort der neuen Langstreckenairline Worldwings hinkommt. Von Thorsten Breitkopf

Die Lufthansa plant, eine neue Billigtochter zu gründen. Sie soll touristische Langstreckenziele anfliegen wie Las Vegas oder die Malediven. Das Angebot soll im Winter 2015/16 neben München auch in NRW an den Start gehen. "Lufthansa ist dazu mit den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf im Gespräch - eine Entscheidung zum wird vor Weihnachten erwartet", sagt ein Sprecher der Airline.

Das spricht für Köln: Der Flughafen Köln/Bonn bewirbt sich aktiv um den Standort für die neue Fluggesellschaft. Der ehemalige Regierungsairport hat in den vergangenen Jahren viele Flüge und damit auch Passagiere verloren und braucht diese dringender als Düsseldorf.

Für Düsseldorf sprechen die Größe, die Drehkreuzfunktion, die heutigen Langstreckenflieger der Lufthansa und vor allem das nahe Ruhrgebiet. FOTO: Wiese/DUS

So sank die Zahl der Flugbewegungen in den vergangenen neun Jahren von 141 000 auf 107 000 im Jahr 2013. Dadurch hat Köln sehr viele freie Slots, also Zeitfenster zum Landen und Starten. In Düsseldorf sind freie Slots zu begehrten Zeiten knapp. Zwar versucht der Airport, eine neue Betriebsgenehmigung zu beantragen und die Zahl der Starts und Landungen in den Spitzenzeiten von 47 auf 60 zu heben. Doch ob das in diesem Umfang gelingt, ist angesichts massiver Proteste der Anrainer noch unklar.

Seit Jahren versucht der Kölner Flughafenchef Michael Garvens Langstreckenflüge im Billig-Bereich an den Airport zu holen. Gestern erst startete der erste Jet der Condor von Köln-Wahn aus nach Kuba. Als größter Vorteil Kölns gilt, dass die Gebühren für Starts und Landungen günstiger sind, das gilt auch für die Parkplätze. Bereits heute hat die zweite Billigtochter von Lufthansa, Germanwings, ihre Heimatbasis in Köln.

Dadurch könnten die Germanwingsflieger in Köln Passagiere für die künftigen Langstrecken bündeln, denn aus dem Kölner Umland allein dürften nicht genug Fluggäste für die Langstrecken kommen. Direkt unter dem Flughafen Köln/Bonn befindet sich neben einem Nahverkehrsterminal ein ICE-Bahnhof. Außerdem gibt es in Köln, anders als in Düsseldorf, kein Nachtflugverbot. Dadurch können Flieger auch mit Verspätungen am Abend abheben. Solche Verspätungen am Boden führen in Frankfurt oder Düsseldorf immer mal wieder dazu, dass Flieger nicht starten und Passagiere bis morgens warten müssen.

Taufe vom A380 "Düsseldorf" am Flughafen FOTO: Bretz, Andreas

Das spricht für Düsseldorf: Mit dem Ruhrgebiet in der unmittelbaren Nachbarschaft hat Düsseldorf ein ungleich größeres Einzugsgebiet als Köln. Für die Ruhrgebietsbewohner ist Köln weit weg. Außerdem hat Düsseldorf viel größere Kapazitäten als der südliche Nachbar, denn Düsseldorf ist ein Drehkreuz mit mehr als 20 Millionen Passagieren pro Jahr. Köln hatte 2013 neun Millionen Fluggäste. Experten zufolge hat DUS eine erprobte Infrastruktur für Umsteiger, inklusive der Sicherheitskontrollen. Köln müsste diese Infrastruktur für Langstrecken-Passagiere erst aufbauen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Langstreckenverbindungen ab Köln nicht wirtschaftlich zu halten waren. So gab es Linien in die USA und nach Brasilien, die alle wieder eingestellt wurden. Die Drehkreuzfunktion Düsseldorfs bringt außerdem viele weitere Passagiere zu der neuen Billigairline. Düsseldorf ist via S-Bahn, ICE und mehreren Autobahnen noch besser angebunden als Köln.

Heute hat die Lufthansa zwei Langstreckenflieger in der NRW-Landeshauptstadt stationiert, inklusive der kompletten Wartung mit vielen Hundert Mitarbeitern. Weitere Flüge wären also aus Lufthansasicht kostengünstig anzubieten, ein Umzug wäre teuer. Zusätzlich hat die Lufthansa-Tochter Eurowings ihren Sitz in Düsseldorf, inklusive Technik. Gegen Köln spricht auch die Lage. Für Menschen im Großraum ist es eine gute Alternative, in weniger als 90 Minuten mit dem Zug nach Frankfurt zu fahren, wo es ein riesiges Flugangebot gibt.

Quelle: RP
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