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Pro & Contra
Darf heute ein Feuerwerk auf der Kirmes starten?

Feuerwerk zur Eröffnung der Rheinkirmes
Feuerwerk zur Eröffnung der Rheinkirmes FOTO: Anne Orthen
Meinung | Düsseldorf . Nach den Ereignissen in Frankreich wollte Oberbürgermeister Thomas Geisel das Feuerwerk zur Eröffnung der Rheinkirmes absagen - die veranstaltenden Schützen haben sich dagegen entschieden. War das richtig? Unsere Autoren haben dazu unterschiedliche Meinungen. Von Christian Herrendorf und Uwe-Jens Ruhnau

Darf ein Feuerwerk am Tag nach Nizza auf der Kirmes stattfinden?

NEIN.

Am Tag nach Nizza hätte das Feuerwerk abgesagt werden müssen, findet Christian Herrendorf, stellvertretender Redaktionsleiter der Düsseldorfer Lokalredaktion: 

"Viel stärker als mit einem Feuerwerk kann man Lebensfreude nicht ausdrücken. Es ist bunt, es ist laut, es ist fröhlich. Das passt, wenn am Tag zuvor mehr als 80 Menschen in einem eng befreundeten Nachbarland auf grauenvolle und hinterhältige Weise ums Leben gebracht wurden - zumal der Attentäter in Nizza unmittelbar nach einem Feuerwerk zuschlug - nicht. Natürlich wäre eine Absage schade: für die Schausteller, die das Feuerwerk den Schützen zum Jubiläum geschenkt haben. Für die Schützen, die so den Auftakt der Kirmes feiern wollten. Für alle Besucher, die sich auf einen schönen Abend gefreut haben. Aber das alles ändert nichts daran, dass man an einem solchen Tag kein Feuerwerk zünden sollte. Ein vorsichtiger Vergleich: Wenn man eine große Party zu seinem 30., 40. oder 50. Geburtstag organisiert hat und am Tag der Feier ein lieber Freund oder ein enger Verwandter stirbt, wird keiner mehr die Musik aufdrehen und sich größere Mengen Alkohol zuführen.

Das einzige Argument, dass es noch abzuwägen gilt, ist folgendes: Haben die Attentäter schon gewonnen, wenn man ein solches Feuerwerk absagt? Zwei Gründen sprechen auch hier für das Nein: 1. Die Feuerwerke werden nicht für immer abgesagt, sondern für die Zeit der unmittelbaren und intensiven Trauer. 2. Es gibt andere Möglichkeiten, seinen Trotz und seine Haltung auszudrücken: mit Freunden zusammenkommen, gemeinsam trauern und sich klar zu machen, was wirklich zählt."

JA.

Am Tag nach Nizza darf es ein Feuerwerk auf der Kirmes geben, muss es sogar, meint Uwe-Jens Ruhnau, Lokalchef der Düsseldorfer Redaktion.

"So schrecklich es ist: Der Terror ist unser Begleiter geworden. Das ist schon lange so, bewusster nehmen wir dies aber erst seit dem Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris wahr. Weil Frankreich unser Nachbar ist, ein Land, das wir Deutschen lieben, ein Land, mit dem uns eine so schicksalsschwere Geschichte verbindet. Die Aufrichtigkeit unseres Mitgefühls hängt jedoch nicht davon ab, ob wir als Symbol der Trauer ein Feuerwerk absagen, weil die Schreckenstat von Nizza bei einem Feuerwerk geschah. Wir leben unser Leben trotz des Schreckens. Dieses "Trotzdem" ist die Antwort unserer Kultur auf den Terror, das hat Frankreich vorgemacht. Die Stimmung ist bei allen Menschen, die nicht fühllos geworden sind, ohnehin getrübt – ob man nun auf die Kirmes geht oder nicht."

(hdf/ujr)
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