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Düsseldorf
Schauspielhaus bleibt bis 2017 geschlossen

Düsseldorf. Intendant Wilfried Schulz muss seine komplette erste Saison in Ersatzspielstätten einrichten. Von Dorothee Krings und Arne Lieb

In einem Zirkuszelt wird der neue Intendant des Schauspielhauses seine erste Spielzeit im Herbst 2016 eröffnen müssen - unter anderem, denn Wilfried Schulz muss alle Premieren seiner Auftaktsaison in Ersatzspielstätten verlegen. So wird auch über die nächste Spielzeit hinaus weiter in den Probebühnen im Central am Hauptbahnhof gespielt, das Kinderstück im nächsten Advent wird im Capitol gastieren, die als "Botschaft" bekannte Off-Spielstätte am Worringer Platz soll vielleicht sogar längerfristig ein Außenposten des Theaters werden, ferner wird Schulz in seiner Antrittsspielzeit in der Kunstsammlung NRW zu Gast sein. Das Zelt wird aus Hamburg geliehen, es gehört dem Thalia Theater und soll auf den Rheinwiesen einen Platz finden.

Nötig wird das alles, weil die Bauarbeiten des Abschnitts "Kö-Bogen II", die unter anderem den Abriss der Tiefgarage am Gründgens-Platz umfassen, nicht zulassen, dass nebenan geprobt oder gespielt wird. Eigentlich hatte Schulz, der aus Dresden nach Düsseldorf wechselt, die Zusage für seine Intendanz an die Bedingung geknüpft, dass er am ersten Novemberwochenende 2016 am Gründgens-Platz eröffnen kann. Das Schauspielhaus wird zum Jahresende für Sanierungen geschlossen, sollte aber im kommenden Herbst wieder zur Verfügung stehen. Vor sechs Wochen stellte sich jedoch endgültig heraus, dass unter anderem die Lärmbelastungen durch die Bauarbeiten von "Kö-Bogen II" zu massiv sein würden. "Wir mussten dem Ungeheuer ins Auge blicken und haben uns entschieden, neu zu planen", sagt Schulz, "mir ist das Schauspielhaus als Identitätsraum sehr wichtig, aber da es nun nicht zur Verfügung steht, wollen wir die Stadt erkunden - das Theater kommt zu Euch!"

Fünf Produktionen wird Schulz in Zusatzspielstätten verlegen und auch soziale Projekte im Stadtraum angehen, etwa ein Flüchtlingscafé einrichten. Alle anderen neuen Produktionen sollen im Central laufen. Die Kosten für die zusätzliche Infrastruktur trägt die Stadt, wollte sie aber noch nicht beziffern. Experten schätzen sie allerdings auf etwa vier Millionen Euro. Außerdem haben sich die Träger des Schauspielhauses, die Stadt und das Land NRW, darauf geeinigt, die eineinhalbjährige Schließung des Theaters für eine gründliche Sanierung des Hauses zu nutzen.

"Wir wollen notwendige Außensanierungen vornehmen und rund um den Hofgarten, das Schauspielhaus und den Gustaf-Gründgens-Platz ein attraktives Ensemble schaffen", sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) gestern nach einer Sitzung des Aufsichtsrates. Auch für diese Kosten wird die Stadt aufkommen müssen. Außerdem soll die längere Schließzeit genutzt werden, um auch den Innenraum des Theaters attraktiver zu machen, etwa den Kassenbereich, die Garderoben und Sanitäranlagen. Die Kosten dafür werden Stadt und Land sich teilen. Dass dabei der Denkmalschutz und die Urheberrechte des Architekten zu beachten sind, ist Schulz bewusst. "Das Schauspielhaus ist eine Architekturikone der Republik, ich mag es sehr", so Schulz, "darum würden wir es gerne pflegen und behutsam auf moderne Nutzungsansprüche einstellen."

Wie hoch der Sanierungsbedarf des Hauses insgesamt ist, soll ein Architekturbüro innerhalb von drei Monaten erfassen. Dieser Auftrag wird nun ausgeschrieben. Erst danach können Stadt und Land die Kosten dafür beziffern. Allerdings muss Geisel die politische Zustimmung für die Investition erst einholen, was aufgrund der Haushaltslage schwierig werden dürfte. Manfred Neuenhaus (FDP), stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses, kommentierte die Pläne mit den Worten: "Eine gute Wunschliste, aber wir müssen im Kulturausschuss und Stadtrat sehen, was wir uns davon leisten können." Bei Intendant Schulz stehen die Gesellschafter des Theaters aber im Wort. "Wir verknüpfen große Hoffnungen mit der Intendanz von Wilfried Schulz", sagte Bernd Neuendorf, Staatssekretär im NRW-Kulturministerium, "darum freuen wir uns, dass er seinen Spielzeitplan umgebaut hat, wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist."

Auf die Frage, ob es denn sicher sei, dass die nun viel umfassenderen Sanierungsarbeiten am Schauspielhaus bis 2017 abgeschlossen sein werden, sagte Oberbürgermeister Geisel, er sei "sehr zuversichtlich". Welche Arbeiten genau ins Auge gefasst werden, wollte er mit Hinweis auf die ausstehende Bestandsaufnahme der Architekten noch nicht sagen. Schulz jedenfalls will seine erste Spielzeit nun nicht erst im November 2016 beginnen, sondern bereits am Wochenende um den 17. September. "Wir spielen in der Stadt, sammeln unser Publikum ein, und dann geht's in der nächsten Spielzeit ins Theater", sagt Schulz.

Quelle: RP
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