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Hassels
Bewohner in Hassels-Nord sind nach Mieterhöhung verzweifelt

Hassels. Anna G. ist verzweifelt. Sie ist eine von wenigen Mietern in der Hochhaussiedlung in Hassels-Nord, die keine staatliche Hilfe bekommt. 46 Jahre lang hat die 67-Jährige gearbeitet, an Rente bekommt sie 1100 Euro. Nach der Mieterhöhung, die sie unter Vorbehalt akzeptiert hat, hat sie künftig noch knapp 120 Euro zum Leben. Hätte sie das nicht getan, hätte sie sogar mit einer Mieterhöhung von 1091 rechnen müssen. "Ich habe gedacht, wenn ich in Rente bin, kann ich mir endlich was etwas leisten", erzählte sie gestern frustriert der SPD-Landtagsabgeordneten Walburga Benninghaus am Stand der "Initiative Mieterhilfe Hassels-Nord". Der gehören die Diakonie, die Familienhilfe, der Mieterverein und das Wohnungsamt der Stadt an. Ziel ist es, den Menschen zu helfen, die nach den abgeschlossen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen deftige Mieterhöhungen - zwischen 60 und 80 Prozent - erhalten haben. Zum Infostand kamen gestern deshalb auch mehrere Dutzend Betroffene. Anna G. hat derzeit noch das Glück, dass ihre 40-jährige Tochter mit in der Wohnung lebt und was zum Lebensunterhalt dabei tut.

Uwe Warnecke vom Verein Familienhilfe versuchte den Menschen Mut zu machen: "In allen Fällen, in denen im Vorfeld der Arbeiten schriftlich ein finanzieller Härtfall angezeigt wurde, werden wir die Mieterhöhungen abweisen können." Das beträfe über 600 Mietparteien, sagte er. Und in diesen Fällen scheuen weder die Familienhilfe noch der Mieterverein den Gang vor die Gerichte.

Auch im Ausschuss für Wohnungswesen und Modernisierung, der am 2. Mai tagt, sind die Mieterhöhungen auf Antrag von SPD und Grünen Thema. In einer Presseerklärung fordert die SPD, dass die "begrüßenswerten Sanierungen weder auf Kosten der Mieter, noch auf Kosten der Allgemeinheit umgelegt werden dürfen. Wir unterstützen die klare Haltung der Stadt."

Pikantes Detail am Rande: Nach einer Razzia des Zolls auf der Großbaustelle am Donnerstag hieß es gestern in einer Pressemitteilung, dass der Verdacht bestehe, dass es sich bei den Arbeitnehmern - 50 seien angetroffen worden - um Scheinselbstständige handele, die in einem arbeitnehmerähnlichen Beschäftigungsverhältnis stünden. Zudem geht der Zoll mehreren Verdachtsfällen wegen Verstößen gegen den Mindestlohn nach. Die Behörde will nun prüfen, ob die rund 200 Arbeitnehmer alle nach einem ähnlichen Muster beschäftigt seien. Diese Ermittlungen würden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, heißt es. Auf jeden Fall zeigte die Razzia gestern Auswirkungen: "Es waren viel weniger Bauarbeiter als sonst da", sagte Anna G.

(rö)
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