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Rees
Der Traum vom Fußballprofi lebt weiter

Rees: Der Traum vom Fußballprofi lebt weiter
Im WDR-Beitrag Sport Inside war Elidan Bilali beim Training mit der U 23 von Arminia Bielefeld zu sehen. Gedreht wurde auch bei einem Spiel der Flüchtlingsmannschaft FC Horizont gegen den SV Rees. FOTO: Screenshot WDR
Rees. Der junge Albaner Elidan Bilali war im Reeser Flüchtlingsteam entdeckt worden. Betreuer Chris Terhart stellte den Kontakt zu Arminia Bielefeld her. Dort klappte es aber nicht mit einem Vertrag. Auch im TV war der Fall jetzt Thema. Von Sebastian Latzel

/ BIELEFELD / RHEINE Der ganz große Traum ist erst einmal geplatzt. Arminia Bielefeld hat sich nach mehreren Trainingseinheiten dazu entschlossen, Elidan Bilali nicht in das U-23-Team des Zweitligisten aufzunehmen. Die Enttäuschung bei dem 18-Jährigen hält sich allerdings in Grenzen. "Wichtig ist für ihn, dass er weiter Fußball spielen kann, denn das ist sein Leben", sagt Chris Terhart, der sich um den Flüchtling und seinen Bruder kümmert, die er in der Reeser Aylbewerberunterkunft betreut hatte. Terhart hatte auch den Kontakt zu Arminia Bielefeld hergestellt. Jetzt soll der Fußballer beim FC Eintracht Rheine mittrainieren. Dieses Team spielt in der Oberliga Westfalen. Vielleicht hat Bilali später die Chance, bei der Mannschaft einzusteigen.

"Für ihn und seinen Bruder ist die aktuelle Lösung die beste", sagt Terhart. Es wäre auf Dauer für den 18-Jährigen schwierig gewesen, immer von Rheine aus nach Bielefeld zum Training zu fahren. Zudem können die Brüder in Rheine zu Schule gehen. Es gibt auch erste Kontakte, dass Elidan einen kleinen Job bekommt. Auf jeden Fall zeige das Beispiel, welche Chancen zur Integration es über den Fußball gebe, sagt Terhart. Das Schicksal der Fußballer aus dem Heim in Rees hatte nach dem Bericht in der Rheinischen Post überregional für viel Aufsehen gesorgt. Verschiedene Zeitungen hatten über den Fall berichtet, der WDR hatte die Brüder sogar länger mit der Kamera begleitet und einen Beitrag für die Sendung Sport Inside produziert. Der Film lief am Montagabend im Fernsehen und zeichnete auch noch einmal den langen Fluchtweg der beiden Albanern über Griechenland nach Deutschland nach. Die Mutter der beiden ist tot, zum Vater haben sie keinen Kontakt mehr. So machten sich die beiden alleine auf den Weg in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Bei ihrer Ankunft in Düsseldorf sagten sie das Stichwort "Asyl" und kamen so in die Aufnahmeeinrichtung nach Rees in der früheren Drogenklinik Horizont.

Terhart hatte das Talent der Kicker erkannt, die am Donnerstag noch einmal in Rees waren, um mit der Flüchtlingsmannschaft FC Horizont beim Spiel gegen den SV Rees aufzulaufen. Auch hier filmte das WDR. 7:4 gewann der SV Rees, der engen Kontakt zu der Flüchtlingsmannschaft hält. Geplant ist, in der kommenden Saison eine gemischte Mannschaft unter dem Dach des SV Rees zu melden. Asylsuchende und Einheimische sollen dort gemeinsam trainieren.

Der Beitrag des WDR zeigte auch noch einmal, welche Bedeutung der Fußball für den Alltag der jungen Flüchtlinge hat. "Langeweile ist der größte Gegner", heißt es dort. Eben deshalb ist der Fußball ein wichtiges Element.

Das mediale Interesse am Schicksal der Fußballer hat allerdings auch ganz unerwartete Folgen für die Reeser Einrichtung. Viele Flüchtlinge wollen jetzt gezielt nach Rees, weil ihnen erzählt wird, dort könnte man Fußballprofi werden. "Pro Tag gibt es da sicher bis zu 20 Anfragen", berichtet Chris Terhart. Wichtig sei dann, diesen jungen Männern klar und deutlich zu sagen, dass die Realität ganz anders aussieht und es eben keinen Profivertrag gibt nur weil jemand beim FC Horizont spielt.

Auch für Arminia Bielefeld war es am Ende eine rein sportliche Entscheidung, den jungen Spieler nicht zu verpflichten. "Er hat gute Anlagen, einen guten linken Fuß, aber wir wollten ihm auch keine falschen Hoffnungen machen", sagt Tim Santen, Pressesprecher von Arminia Bielefeld. Aktuell gebe es kein Perspektive in dem U-23- Team, da der Kader sehr groß sei. Gleichwohl hat Bielefelds U-23-Trainer mitgeholfen, den Kontakt zum Verein in Rheine herzustellen. Hier wollen die beiden Flüchtlinge jetzt eine sportliche Heimat finden.

Quelle: RP
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