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Stadt Kempen
Arabisch lernen vom Flüchtling

Stadt Kempen: Arabisch lernen vom Flüchtling
FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Mohammad Nasser floh aus dem Libanon über Syrien und die Türkei nach Deutschland. Als Dank für die gute Aufnahme in Tönisberg bietet er einer Gruppe von Deutschen Unterricht in seiner Heimatsprache an. Von Margret Vieregge

Mohammad Nasser ist 30 Jahre alt, aus dem Libanon, Flüchtling, Asylbewerber und ehrenamtlicher Arabisch-Lehrer. Seit einigen Wochen findet mittwochs der Unterricht im katholischen Pfarrheim an der Bergstraße in Tönisberg statt. Und dieses Mal sind es 14 Frauen und zwei Männer, die aufmerksam ihrem Lehrer zuhören und zuschauen, wenn dieser das arabische Alphabet erklärt und schon einige Worte auf dem Flipchart aufschreibt.

Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 30 und 75 Jahre alt, kommen aus verschiedenen Berufen und den unterschiedlichen Gründen zum Unterricht. Mit dabei ist unter anderem eine Mitarbeiterin eines Jobcenters, eine Erzieherin, zwei pensionierte Lehrerinnen, die in Tönisberg Deutschunterricht geben, ein Beamter im Ruhestand und ein ehemaliger IT-Manager.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Die Gründe, Arabisch zu lernen, sind ebenso vielfältig. Für Claudia Wiese-Kreie bedeutet es auch ein Stück Begrüßungskultur ebenso wie für Alfons Rasche. Beide möchten die Flüchtlinge in deren Muttersprache willkommen heißen, so weit es denn nach einem solchen Sprachkursus geht. Das trage zur Integration ebenso bei, wie umgekehrt die Forderung an die Flüchtlinge, möglichst schnell Deutsch zu lernen. Arabisch-Lehrer Mohammad Nasser will seinerseits mit dem Unterricht seinen Dank dafür ausdrücken, dass er hier sein darf und Deutsch lernen kann. Er lebt mit seiner Frau Svetlana Kudelina-Nasser seit Januar in Tönisberg, nachdem die Beiden im Dezember vergangenen Jahres nach ihrer Flucht aus dem vom Bürgerkrieg arg gebeutelten Libanon über Syrien und die Türkei zunächst in Bremen gestrandet waren. Der 31 Jahre alte gelernte Koch, der zuletzt als Restaurant-Manager im Libanon gearbeitet hat, und seine aus dem Osten der Ukraine - ebenfalls ein Land, in dem Bürgerkrieg herrscht, - stammende Frau sprechen gut Englisch und Russisch. Sie werden bereits als Dolmetscher eingesetzt, wenn es darum geht, den Kontakt zu anderen Flüchtlingen herzustellen. Zurück zum Sprachkursus: Geschrieben wird im Arabischen von rechts nach links, was einige Übung erfordert. Aber bemühen sich, die zierlichen Arabesken und Punkte genau zu Papier zu bringen. Verständlich wird arabische Lebensweise, wenn Nasser erklärt, dass beispielsweise das Wort für Kamel - "djamal" - gleichzeitig auch "Schönheit" heißt. Für uns ist "Kamel" eher ein Schimpfwort, der Araber, der dieses Tier liebt und braucht, setzt es mit Schönheit gleich. Nasser, der auch einen Universitätsabschluss besitzt, geriet im Libanon in die Wirren des Bürgerkrieges, der besonders durch dschihadistische Milizen verursacht wurde. "Sie verstehen den Islam falsch", sagt er dazu. Für ihn als Moslem, der mit einer christlichen Frau verheiratet ist, war die Situation besonders schwierig, so dass er sich zusammen mit seiner Frau entschloss, das Land zu verlassen. Über Syrien, die Türkei und weiter per Schiff - in einen Container eingepfercht - ging die Flucht, bis er in Bremen Deutschland erreichte. In Tönisberg bringt er sich nicht nur mit seinem Arabisch-Kursus ein, sondern kocht auch gern, wenn sich die Tönisberger zum Suppenessen sonntags im Pfarrheim einfinden.

Quelle: RP
 
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