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Stadt Kempen
Rat beschließt Flüchtlingsunterkunft

Stadt Kempen: Rat beschließt Flüchtlingsunterkunft
In das ehemalige Bankgebäude an der Peter-Jakob-Busch-Straße ziehen in den kommenden zwei Wochen etwa 150 Flüchtlinge ein. Bis September soll weitere Unterkünfte mit bis zu 250 Plätzen am Schmeddersweg gebaut werden. FOTO: HUeskes
Stadt Kempen. In der kommenden Woche kommen die ersten von mehreren Hundert Asylbewerbern, die die Stadt Kempen unterbringen muss. Sie ziehen in ein ehemaliges Bankgebäude ein. Am Schmeddersweg sollen 250 Plätze entstehen. Von Andreas Reiners

Seit Mitte Juni arbeiten die Mitarbeiter von Sozial- und Hochbauamt mit Hochdruck an Lösungsmöglichkeiten für die Unterbringung von weiteren Flüchtlingen, die der Stadt Kempen bis zum Jahresende zur Unterbringung zugewiesen werden. Wie berichtet, muss die Stadtverwaltung möglicherweise bis zu 550 Asylbewerber unterbringen. In einem ersten Schritt wird das ehemalige Logistikzentrum der Volksbank Krefeld im Gewerbegebiet an der Peter-Jakob-Busch-Straße, das die Stadt von dem Geldinstitut erworben hatte, in der kommenden Woche mit rund 110 Flüchtlingen belegt. In der zweiten Juli-Woche sollen weitere 110 Asyl suchende Menschen nach Kempen kommen. Sie werden ebenfalls in der zum Flüchtlingsheim umgebauten Zweckbau untergebracht beziehungsweise auf freie Plätze in den anderen Unterkünfte in Kempen, St. Hubert oder Tönisberg verteilt.

Weil nach den Sommerferien bis zum Jahresende möglicherweise weitere 300 Menschen aus Syrien, dem Iran und dem Irak oder aus Eritrea nach Kempen kommen werden, muss die Stadt weitere Unterkünfte errichten. Am Dienstagabend hat der Stadtrat in seiner Sitzung im St. Huberter Forum mit großer Mehrheit bei zwei Gegenstimmen beschlossen, ein Flüchtlingsdorf mit maximal 250 Plätzen auf dem Festplatz am Schmeddersweg zwischen Köhler- und Reithalle zu errichten. Aus Sicht der Stadt bietet sich das Gelände nicht nur deshalb an, weil es der Stadt bereits gehört, sondern weil die Anbindung ans benachbarte Sportzentrum, an die weiterführenden Schulen und die Nähe zur Innenstadt für den Standort sprechen.

Sozialdezernent Michael Klee macht in seiner Vorlage für die Ratssitzung allerdings schon deutlich, dass für weitere Flüchtlinge, die der Stadt noch in diesem, aber sicherlich auch im kommenden Jahr zugewiesen werden, zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte benötigt. Die Stadt nennt als mögliche Standorte ein eigenes Grundstück im Gewerbegebiet am Krefelder Weg (neben dem Regenrückhaltebecken), die Erweiterung des Standorts Neuenweg in Tönisberg oder eine Fläche neben dem F riedhof an der Mülhauser Straße. Das städtische Gelände am Schmeddersweg, das nun in den kommenden Wochen mit Wohnmodulen - ähnlich den Unterkünften am Hütterweg - bebaut werden soll, ist insgesamt 20.000 Quadratmeter groß. Die Hälfte davon soll für das Flüchtlingsdorf genutzt werden. Wie teuer die Errichtung der Unterkünfte wird, steht noch nicht fest. Derzeit holt das Hochbauamt entsprechende Angebote ein. Fest steht, dass zunächst für 40.000 Euro Leitungen verlegt und Erdarbeiten vorgenommen werden müssen. Die Kosten könnten über eine Pauschalzuweisung, die die Stadt Kempen aus Landesmitteln erhält, abgedeckt werden, hatten Bürgermeister Volker Rübo und Sozialdezernent Klee bei einem Pressegespräch Mitte Juni erklärt. Damals wurde für das laufende Jahr eine Summe von 3,9 Millionen Euro genannt. Demnächst wird die Förderung umgestellt, dann soll es pro Flüchtling einen fest gelegten Betrag geben.

Die Kempener Politik sieht die Notwendigkeit ein, dass die Stadt handeln muss. Unterschiedlich fiel allerdings die Bewertung aus, ob die Stadtverwaltung die nun zu erwartenden Flüchtlingszahlen hätte voraussehen können. Aus Sicht der Grünen sei das voraussehbar gewesen, der jetzige zeitliche "Druck haugemacht", so Fraktionschef Joachim Straeten. Bürgermeister Rübo wies die Kritik zurück. Im Übrigen habe man mit dem Ankauf des ehemaligen Bankgebäude - das steht derzeit noch leer - Vorsorge getroffen, meinte Rübo. CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Bogedain betonte, dass eine Unterbringung in Turnhallen nicht infrage komme. SPD-Sprecher Andreas Gareißen schloss sich dem an. Die Hallen müssten dem Sport zur Verfügung stehen. Die angestrebte Lösung am Schmeddersweg sei gut. FDP-Ratsherr Jörg Boves lehnte den Standort ab, weil die Flüchtlinge dort nicht zur Ruhe kommen könnten. Auch die Linken-Stadtverordnete Heidi Karlivans lehnte ihn ab.

Quelle: RP
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