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Lokalsport
Der eisigste Marathon der Welt

Lokalsport: Der eisigste Marathon der Welt
FOTO: Roderik van Nispen
Krefeld. Der Krefelder Extremsportler Jörg Giesen hat ein Laufabenteuer in eisiger Kälte erlebt: Der 54-Jährige nahm an der Polar Bear Challenge ein, einem Marathon und einem Halbmarathon in Grönland. Insgesamt 63,6 Kilometer ging es durch das ewige Eis der größten Insel der Welt.

Laufen kann man immer und überall, so lautet das Motto des Krefelder Laufexperten Jörg Giesen. Damit es nicht nur ein Slogan bleibt, bemüht er sich seit Jahren, dies auch entsprechend in die Tat umzusetzen. Dabei legt der 54-Jährige im Gegensatz zu früher nicht mehr so viel Wert auf möglichst schnelle Zeiten, sondern auf besondere Lauferlebnisse und Strecken. Nachdem er beispielsweisr schon mehrere Tage durch die Sahara und einen Marathon auf 5400 Metern Höhe am Mount Everest gelaufen ist, sollte es in diesem Jahr die Polar Bear Challenge auf Grönland sein. Diese teilt sich auf in einen Marathon am Samstag und einen Halbmarathon am Sonntag. Insgesamt kommt so eine Strecke von 63,3 Kilometer durch das ewige Eis der größten Insel der Welt hinaus.

Die Veranstaltung ist in jedem Jahr in Kangerlussuaq, ein 513 Einwohner umfassendes Örtchen am Polarkreis auf Grönland, das aus einer ehemaligen US-Luftwaffenbasis hervorgegangen ist. Kangerlussuaq verfügt über einen Seehafen, der nur während der Sommermonate benutzbar, ein Hotel, einen Supermarkt, ein Tagungszentrum, eine Schule, einen Sportclub - und den wohl nördlichsten Golfplatz der Welt. Eine Straßenverbindung zu anderen grönländischen Orten existiert nicht. In den Wintermonaten kann das 170 Kilometer entfernte Sisimiut immerhin per Hundeschlitten/Motorschlitten erreicht werden. Ganz in der Nähe testet der Automobilkonzern Volkswagen neue Entwicklungen.

Die Vorbereitung auf diese Herausforderung begann für Giesen im Januar mit einem Halbmarathon im niederländischen Egmond. Dabei stellte sich heraus, dass es noch viele Trainingskilometer werden würden, um in die richtige Form zu kommen. Jörg Giesen, der selbst für Laufsport Bunert seit 15 Jahren Marathonvorbereitungskurse anbietet, musste seinen Trainingsaufwand jedoch auch mit Familie und Beruf in Einklang bringen. Deshalb legte er seinen Trainingsschwerpunkt nicht auf große Umfänge, sondern vorrangig auf Trainingsqualität und Intensität. Das Pensum in den letzten Wochen vor der Abreise ging nicht über 80 Kilometern pro Woche hinaus, und die längste Strecke betrug 22 Kilometer.

Mit Air Greenland ging es dann von Kopenhagen nach Kangerlussuaq. Das winziges Dörfchen empfing die 150 Läufer aus aller Welt mit grauem Himmel und Temperaturen von zehn Grad unter dem Gefrierpunkt. Eigentlich hatte Jörg Giesen mit Schnee gerechnet, lernte jedoch vor Ort, dass dort beinahe ein wüstenartiges Klima herrscht und Niederschläge eher eine Seltenheit sind.

Freitags ging es mit geländegängigen Bussen zur Streckenbesichtigung - eine Sicherheitsmaßnahme, denn dabei galt es vor allem, das Laufen über die ewige Eiskappe von Grönland zu testen. "Dort auf 1350 Metern Höhe hat man unter sich mehr als 1000 Meter Eis. Das ist schon sehr beeindruckend ist", schildert Jörg Giesen. Er entschied sich für spezielle Spike-Laufschuhe seines Ausrüsters sowie mehrlagige Laufkleidung mit einer wind- und wasserdichten Außenschicht.

Um 7 Uhr morgens wurden dann alle Teilnehmer in eineinhalb Stunden zum Start gefahren. Wegen der Kälte startete das Rennen direkt nach der Ankunft. Jörg Giesen wurde jedoch schnell warm, da es auf den ersten vier Kilometern 350 Meter bergauf ging. Am Rande der Eiskappe wechselte er seine Schuhe, und die Rutschpartie begann. Trotz Spikes versuchte er, ruhig und sicher zu laufen, um Stürze zu vermeiden. Den eigentlichen Wettkampf wollte Giesen erst ab dem achten Kilometer starten, wenn das Eis geschafft war. Dies gelang ganz gut, so dass er als 14. nach 4:13 Stunden das Ziel erreichte. "Beim Laufen waren die Teilnehmer die meiste Zeit ganz allein, da das Feld weit auseinandergezogen war und es natürlich auch keine Zuschauer am Streckenrand gab", erzählt Giesen. "Im Ziel haben dann alle versucht, sich für die zweite Etappe zu erholen. Oh, und heiß geduscht", ergänzt er schmunzelnd.

Tags darauf ging es erneut um 7 Uhr zum Start. Die Stecke des Halbmarathons war die gleiche, die die Läufer bereits beim Marathon absolviert hatten. Bereits nach wenigen Metern zeigte sich, dass er gut erholt ins Rennen ging. Obwohl sich das Eis am zweiten Tag als rutschiger erwies, konnte Jörg Giesen diesmal bereits dort Boden gutmachen. Er hatte andere Schuhe mit untergeschnallten Nägeln gewählt, was sich als die bessere Alternative erwies.

Wie so oft in seiner Läuferkarriere, packte ihn nun doch das Wettkampffieber. Wenn er es nun schon einmal so weit geschafft hatte, wollte er sich möglichst auch verbessern. Bis zum 18. Kilometer klappte das auch sehr gut, dann allerdings wollten die Beine nicht mehr richtig mitmachen. So waren die letzten drei Kilometer und vor allem der Schlussanstieg eine Sache des Willens.

Er beendete das Rennen wiederum auf dem 14, Platz in 2:07 Stunden. In der Addition beider Läufe und der Polar Bear Challenge erreichte Jörg Giesen den zwölften Rang und war damit bester Deutscher. "Mein Laufabenteuer endete dann mit einer stimmungsvollen Siegerehrung und Abschlussparty, Renntier vom Grill - und ganz großem Muskelkater", sagt Giesen und lacht.

(oli)
 
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