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Krefeld
Wikinger aus Krefeld mag's nordisch

Krefeld: Wikinger aus Krefeld mag's nordisch
Flügelhelme im Widerschein der Flammen des Nordischen Begräbnisses in Lerwick auf den schottischen Shetland-Inseln geben einen Eindruck von der urwüchsigen Tradition des Up Helly Aa Festes, das immer am letzten Dienstag im Januar gefeiert wird und an dem mehr als 1000 Bewohner als Wikinger verkleidet teilnehmen. FOTO: Gereon Römer (7)
Krefeld. Statur und Aussehen nach könnte der Krefelder Gereon Römer einer der Akteure beim Fest Up Helly Aa auf den Shetland Inseln sein. Dann verkleiden sich tausend Einheimische als Wikinger, ziehen mit einem nachgebauten Langschiff und Pechfackeln durch den dunklen Ort und feiern als Höhepunkt ein Nordisches Begräbnis. Der 46-jährige Krefelder nimmt mit seinem Fotoapparat lieber die Beobachterrolle ein, dokumentiert das mystische Spektakel, um es später vor großem Publikum in seinen "Live-Multivisionsshows" lebhaft zu präsentieren. Von Norbert Stirken

Die Landschaften Norwegens und Schottlands lassen den Krefelder Gereon Römer nicht los. Selbst nach vier Monaten Aufenthalt in Alaska und Neuseeland wollte der Funke bei dem 46-jährigen Lehrer und Fotograf für diese Regionen nicht überspringen. "Ich mag die nordischen Landschaften, die Wetterwechsel und die Wolken", sagt er. Römer hält fantastische Augenblicke auf seinen Fotos fest. Er setzt Motive so unberührt von Zivilisation ins Bild, dass sie fast unwirklich erscheinen. Römers Landschaften verleiten zum Träumen, entfachen Sehnsucht und wecken Reiselust. Römer wäre ein Zuarbeiter über den sich jede Tourismus-Agentur nur freuen könnte.

Für das Up Helly Aa Fest auf den schottischen Shetland Inseln, das stets am letzten Dienstag im Januar stattfindet, flog der Diplom-Ingenieur nach seinen Unterrichtsstunden in einem Moerser Berufskolleg für technische Berufe auf die Inseln und am Tag danach wieder zurück. Ansonsten nutzt der Lehrer die Ferien, um zu seinen Foto-Reisen aufzubrechen.

Römers Arbeit kann getrost als professionell bezeichnet werden. In Freiburg beim Festival Mundologia unterhielt er 1700 Besucher im Konzerthaus mit seiner Multivisions Show über Norwegen, mit der er seit dem Jahr 2008 auf Tour geht. "Diese Leidenschaft ist aus meinem Hobby heraus gewachsen, ganz ohne Businessplan", berichtet er. Und zum Broterwerb wolle er seine Fotografier- und Vortragspassion auch nicht machen. "Dafür bin ich viel zu gerne Lehrer", sagt Römer und wundert sich: In beiden Fällen muss er oft viel Geduld aufbringen, nicht unbedingt seine Stärke, räumt er ein.

Im Alter von zehn Jahren bekam Römer zur ersten Heiligen Kommunion eine Kamera geschenkt. Die ließ ihn nicht los. Der gebürtige Düsseldorfer nahm an der Foto-AG in der Schule teil, besuchte die Jugendsternwarte, um druchs Teleskop die Himmelskörper zu beobachten. Mit 13 hatte Römer, wie er sagt, sein Schlüsselerlebnis: ein Lichtbilder-Vortrag über Norwegen im Robert-Schumann-Saal in seiner Geburtsstadt. "Da dachte ich mir, das willst du auch einmal machen." Der Gedanke hat ihn nicht mehr losgelassen.

Nach Norwegen hat er sich fünf Jahre lang in Schottland umgesehen, hat die Länder mit dem mit Ausrüstung vollgestopften Auto und die Leute mit seiner Offenheit kennengelernt und beharrlich auf den richtigen Moment gewartet, um eine Natur- oder Kulturlandschaft abzulichten. "Ich mache nicht einfach nur das nach, was andere bereits vor mir ausgesucht oder entdeckt haben", sagt er.

Im Moment arbeitet Römer an seiner Multivisionsshow über Mallorca. Auf die Insel ist er geflogen, im Frachtraum drei Fototaschen mit Objektiven, Stativen und Kameras der Marken Nikon und Canon. In zwei Jahren will er so weit sein, mit dem Ergebnis seiner Motivsuche öffentlich aufzutreten. "Geld verdienen lässt sich mit meiner Passion nicht", erklärt der Krefelder. Für Online-Fotos, Kalender und Bücher gebe es keinen Markt. Für seine Auftritte müsse er mit allem in Vorleistung gehen - mit der Veranstaltungstechnik, den Kameras, den Hallenmieten und der investierten Zeit. "Wirtschaftlich ist das Ganze eine Katastrophe", beschreibt er die finanzielle Seite seines Hobbys.

Gleichwohl lässt ihn die Sache nicht los. In der Krefelder Kulturfabrik unterstützt er als Moderator und Mitglied die Angebote von Grenzgang aus Köln. Um Neugier für fremde Kulturen zu wecken, haben Ramin Houchmand und Hartmut Fiebig im Jahr 2003 Grenzgang ins Leben gerufen. Globetrotter, Weltumsegler, Reisejournalisten, Forscher und Fotografen berichten auf Großleinwand von ihren Abenteuern. Mit beeindruckender Fotografie, mitreißender Musik und live erzählten Geschichten begleiten sie die Besucher bei deren Kopf-Kino.

Um die wahren Gesichter anderer Länder zu zeigen, ist jeder Erlebnisbericht eingebettet in ein spezielles Rahmenprogramm. Grenzgang regt an, mit den Sinnen unterwegs zu sein: Kulinarische Köstlichkeiten, kulturelle Acts wie Livemusik, Malerei, Schauspiel oder Fotografie, landestypische Dekorationen sowie eine Reisebibliothek lassen die Besucher für einige Stunden in fremde Welten eintauchen. Mittlerweile sind es knapp 200.000 Besucher, die sich auf dieses "Reisen im Kopf" eingelassen haben.

Römers Lieblingsbild zeigt einen Frühlingstag am Aurlandsfjörd in Norwegen. Die Landschaft ist mit Schnee in einen weißen Mantel gehüllt. Ein Baum mit knorrigem Astwerk ragt in den Himmel, hat die weißen Flocken bereits abgeschüttelt. "Das Foto erzeugt für mich den Inbegriff von Atmosphäre", begründet der 46-Jährige seine Begeisterung für das Motiv.

Römer ist mit "Norwegen - Die Entdeckung der Landschaft" am Freitag, 4. November, ab 20 Uhr im Ludwig im Museum am Heinrich-Böll-Platz in Köln zu erleben. "Schottland - Ruf der Freiheit" heißt es am Sonntag, 6. November, ab 11.30 im Cinedom, Im Mediapark 1 in Köln.

www.gereonroemer.de

Quelle: RP
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