Erkelenz "Vorzeitiger, planbarer Ausstieg aus dem Braunkohletagebau"

Erkelenz · Evangelische Stimme im Rheinischen Revier: Regionalsynode zur Energie der Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss, Köln-Nord und Krefeld-Viersen.

"Ein vorzeitiger, planbarer Ausstieg aus dem Braunkohletagebau Garzweiler schützt die Menschen aus den Orten Keyenberg, Kuckum, Berverath, Lützerath vor unverantwortlicher Enteignung und Vernichtung ihrer Dörfer und gibt der Region eine reale Perspektive für die Zukunft." Mit der neuesten Entwicklung der Energiepolitik des Landes NRW in Sachen Braunkohlenabbau und Umsiedlung befasste sich am Freitag eine Regionalsynode der evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss, Köln-Nord und Krefeld-Viersen in Erkelenz, an deren Ende ein dreiseitiger Beschluss stand, der sich deutlich gegen den weiteren Einsatz der Braunkohle positionierte.

Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, zu dem auch die evangelischen Christen aus dem Landkreis Heinsberg gehören, begrüßte neben den gut zwei Dutzend Synodalen im Erkelenzer Gemeindezentrum Bürgermeister Peter Jansen, den SPD-Bundestagsabgeordneten Norbert Spinrath, den Grünen-Landtagsabgeordneten Reiner Priggen sowie dessen Erkelenzer CDU-Kollegen Dr. Gerd Hachen. Sannig leitete die Veranstaltung theologisch mit unter anderem dem Postulat ein, dass die Ausbeutung und Vernichtung von Ressourcen "kein Umgang mit Gottes Schätzen" sei, dass eine Habgier an Gütern der Erde dominiere. Mensch und Natur seien erschöpft.

Optimismus für die rheinische Region als Wirtschaftsraum ohne die industrielle Kohleverwertung und ihren 11.250 direkten und 25.000 indirekt Beschäftigten zeigte mit Professor Dr. Markus Baumann der Rektor der Fachhochschule Aachen auf, der den weiteren Ausbau der linksrheinischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu einer Wissensregion forderte, die heute schon einen hervorragenden Ruf in der Welt genieße.

Der Grünen-Politiker Reiner Priggen legte dar, dass bei RWE Power als Bergbaubetrieb der Braunkohle ganz aktuell nur noch 10.100 Menschen beschäftigt seien, schon wichtige 1000 weniger als Professor Baumann sie genannt habe. Die Belegschaft der RWE Power habe darüber hinaus einen hohen Altersdurchschnitt, so dass beim anvisierten Ausstieg aus der Förderung zahlreiche Mitarbeiter in die Pension gingen. Priggen erklärte: "Den Rest schaffen wir auch verträglich, wie beim Steinkohlenbergbau wird niemand ins 'Bergfreie' fallen."

Peter Jansen, der Erkelenzer Bürgermeister, beleuchtete den Begriff "Heimat" aus Sicht der Menschen, die noch zur Umsiedlung anstehen: "Das Thema 'Heimat' ist so vielschichtig, wie die Menschen es sind. Aber die Unsicherheit, ob man noch umgesiedelt werde oder nicht, ist der schlimmste Zustand." Problematisch sei die Situation vor allem für die Menschen in Holzweiler, die sich seit Jahren auf die Umsiedlung eingestellt hatten und nun vor zahlreichen Fragen für ihre Zukunft im Dorf am Tagebaurand stehen.

Begleitet wurde die Synode von zwei Ausstellungen zur Energiewende und über die sterbenden Dörfer.

(isp)
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