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Interview Charles Aránguiz
"Bis heute bereue ich den Wechsel nicht"

Langenfeld. Nach langer Pause stand der Chilene beim 3:0 gegen Frankfurt erstmals 90 Minuten für Bayer 04 auf dem Feld. Womöglich läuft er am Samstag auf Schalke neben Lars Bender im Mittelfeld auf, mit dem er viel Zeit in der Reha verbrachte. Der 27-Jährige spricht über seine Leidenszeit, Landsmann Arturo Vidal und räumt mit dem Gerücht auf, Leicester City habe sich ernsthaft um seine Dienste bemüht.

Herr Aránguiz, Sie haben gegen Frankfurt nach vielen Monaten zum ersten Mal über 90 Minuten gespielt. Wie fühlte sich das an?

Aránguiz Das war toll, ich bin sehr glücklich. Nach so einer langen Zeit war es sehr wichtig für mich, zurückzukehren. Ich habe lange darauf gewartet - und nicht gedacht, dass ich direkt in der Startelf stehen und gleich so viel Vertrauen von der Mannschaft und dem Trainer bekommen würde.

Sie haben sich im Sommer mit dem Sprung aus der brasilianischen Liga nach Europa einen Traum erfüllt. Kurz danach riss Ihre Achillessehne beim Fußballtennis. Können Sie einen Einblick geben, wie Sie das erlebt haben?

Aránguiz Ich erinnere mich nicht an den Moment, und ich möchte auch nicht mehr darüber reden. Ich schaue nur nach vorne und werde deshalb auch nicht auf Fußball-Tennis verzichten. Es gibt Dinge, die passieren. Die kann man nicht lenken. Bis zur Verletzung habe ich vier, fünf Jahre durchgespielt.

Wie kann man sich während dieser harten Zeit immer wieder motivieren?

Aránguiz Meine Frau, meine Kinder und meine Mutter, die extra aus Chile gekommen ist, haben mir besonders dabei geholfen. Aber auch meine Teamkollegen sowie der gesamte Trainer- und Betreuerstab bis hin zum Zeugwart - alle haben sich große Mühe gegeben.

Wie sehr nervt Sie diese Verletzung und immer die gleichen Fragen beantworten zu müssen?

Aránguiz (lacht) Bis jetzt war es sehr nervig, aber ich hoffe, wenn jetzt für mich diese neue Etappe beginnt, dass dann auch wieder über andere Dinge gesprochen wird.

Sie wollten im August ausschließlich zu Bayer 04 wechseln. Hat sich Ihr Eindruck bestätigt?

Aránguiz Bis heute bereue ich den Wechsel nicht. Ich habe mich für Bayer 04 entschieden und bin mir sehr sicher, dass es die richtige Entscheidung ist. Obwohl ich mich so schwer verletzte, habe ich mich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt.

Sie wurden nach der Copa América auch mit Leicester City, dem vielleicht nächsten englischen Meister, in Verbindung gebracht. Haben Sie mal darüber nachgedacht, ob alles anders gelaufen wäre, wenn Sie nach England gewechselt wären?

Aránguiz Es gab nie ein schriftliches Angebot von Leicester, das waren alles nur Gerüchte. Bayer 04 war der einzige Verein, der nach der Copa América mit einem seriösen Vertrag in Brasilien aufgetaucht ist.

Mussten Sie überzeugt werden?

Aránguiz Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Der Wechsel von Brasilien nach Europa war plötzlich greifbar nah. Ich habe mich gefreut.

Welche Rolle hat der Ex-Leverkusener Arturo Vidal bei diesem Wechsel gespielt, und haben Sie Kontakt?

Aránguiz Natürlich haben wir ab und zu Kontakt. Er hat mir über Bayer nur Positives berichtet, auch über die Menschen, die hier arbeiten.

Was sagen Sie zu seiner Schwalbe?

Aránguiz Ich kenne Arturo so nicht. Ich denke, er hat instinktiv gehandelt. Lässt er den Fuß stehen, riskiert er vielleicht eine Verletzung.

Sie tragen den Spitznamen "El Principe" (der Prinz), Vidal "der Krieger". Haben Sie ein Problem, wenn man Sie aufgrund Ihrer Spielweise auch so nennen würde?

Aránguiz Wie ihr mich nennt, ist mir nicht so wichtig. Ich will nur Bayer 04 helfen. In Chile wird Arturo auch eher "König" genannt, Krieger nur wegen der Art und Weise, wie er spielt. Meinen Spitznamen habe ich vor vielen Jahren während meiner Zeit bei CD Cobreloa erhalten.

Was sind Ihre Ziele mit Bayer 04?

Aránguiz Ich will mich mit dem Team für die Champions League qualifizieren und dann auch endlich spielen. Das wäre ein Traum.

Kehren Sie nach dieser Saison in die Nationalmannschaft zurück?

Aránguiz Wenn ich in den nächsten Spielen weitere Einsatzzeit bekomme, könnte es klappen. Ich kenne den neuen Trainer noch nicht und muss um einen Platz kämpfen.

Wie sind Ihre fußballerischen Eindrücke von der Bundesliga?

Aránguiz Das Spiel ist sehr körperbetont, sehr taktisch geprägt. Es gibt viele schnelle Spieler.

Auf die Frage nach Ihrem Fitnesszustand sagten Sie kürzlich, dass Sie bei 80 Prozent sind. Wie sieht's jetzt aus?

Aránguiz Bei 81 (lacht). Ich bin erst seit kurzem wieder im Mannschaftstraining. Da fehlt natürlich noch etwas bis zu meinem Top-Niveau. Ich werde weiter hart trainieren und hoffe, schnell wieder bei 100 Prozent zu sein.

ZUSAMMENGEFASST VON STEFANIE SANDMEIER

Quelle: RP
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