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Mönchengladbach
Heynckes verneigt sich vor der Heimat

Mönchengladbach: Heynckes verneigt sich vor der Heimat
Jupp Heynckes, OB Hans Wilhelm Reiners und Laudator Uli Hoeneß (von links) im Fokus. Das öffentliche Interesse war immens. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. In einer stimmungsvollen Feierstunde mit vielen Freunden und Weggefährten erhält Jupp Heynckes den Ehrenring der Stadt. Er gibt eine Liebeserklärung an Geburtsstadt ab. Und Laudator Uli Hoeneß will jetzt Borussia-Mitglied werden. Von Andreas Gruhn und Karsten Kellermann

Er ging als Letzter. Die Band "Trio Grande" packte schon die Instrumente ein, da schüttelte Jupp Heynckes immer noch viele Hände im Kaisersaal des Haus Erholung. Er umarmte Freunde, verdrückte zwischendurch immer wieder eine Träne. Heynckes, die Gladbacher Fußball-Ikone, wurde von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners mit dem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet. Und er verneigte sich zum Schluss seiner Rede vor seinen Gästen, Freunden, Verwandten, vor den Menschen, die für ihn Heimat bedeuten, und er bedankte sich und sagte: "Bitte bleiben Sie gesund." Da konnten Borussias Bosse Rolf Königs und Rainer Bonhof bereits den Mitgliedsantrag für einen sehr prominenten Neu-Borussen vorbereiten: Uli Hoeneß.

Borussia und Bayern, Mönchengladbach und München, Heynckes und Hoeneß - was früher im Duell um Meisterschaften polarisierte, verbindet nicht erst seit gestern. Die Zeremonie zur Verleihung des Ehrenrings an Heynckes mit vielen Ehrengästen und unter großem öffentlichen Interesse zeigte, was sie alle trotz unterschiedlicher Vereinsfarben eint: "Freundschaft ist mehr als irgendetwas anderes auf der Welt", sagte Uli Hoeneß in seiner sehr persönlichen Laudatio auf seinen "größten Freund". "Jupp ist ein Vorbild, wie es der Fußball selten hervorgebracht hat. Es gibt keinen besseren Protagonisten, keinen besseren Menschen auf der Welt, der seine Heimatstadt so gut verkörpert."

Der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt mit der Unterschrift Jupp Heynckes' darüber. FOTO: angr

Und Hoeneß deutete an, Borussia-Mitglied werden zu wollen. Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte frühere Bayern-Präsident berichtete, welche Unterstützung er während seiner Haftzeit aus Mönchengladbach erhalten habe, obwohl er der Borussia als junger Manager die besten Spieler weggekauft habe. "Alle haben mir unglaublich beigestanden, Rainer Bonhof hat mir handschriftlich Briefe geschrieben, die ich mit Tränen in den Augen auf meinem Bett gelesen und darüber nachgedacht habe", bekannte Hoeneß. "Dabei bin ich ja gar kein Mitglied - müsste man vielleicht mal ändern." Borussias Präsident Rolf Königs nahm den Gedanken gerne auf: "Wir nehmen noch Mitglieder auf, und das gilt für alle", sagte er unserer Redaktion. Und Vize-Präsident Bonhof hielt fest: "Da müssen wir jetzt gerne noch mal drüber reden."

Einen Fürsprecher hat er sicherlich in Heynckes. Der 33. Träger des Ehrenrings verkörpert wie auch Borussia die Werte der Stadt, die Hoeneß so schätzen gelernt hat. "Ich bin in Mönchengladbach geboren, aufgewachsen und durfte hier meine Karriere als Spieler und Trainer beginnen, was ich als großes Geschenk empfinde", sagte Heynckes. "Heimat ist ein zentraler Wert in meinem Leben, diese Region, in der ich verwurzelt bin, in der ich lebe und die ich liebe." Zur Heimat gehören für ihn die vertrauten Menschen, die Familie, Freunde, in deren Nähe er sich wohlfühlt. Deshalb ist er mit seiner Frau Iris (der er für ihre große Unterstützung dankte) trotz 18 beruflicher Umzüge immer wieder zurückgekehrt. "Heimat ist für mich ein Lebensgefühl, das mich nie verlassen hat." Ex-Borusse Ewald Lienen, einst Heynckes' Co-Trainer, sprach später von Wahrhaftigkeit und Wahrheiten, die "mich sehr berührt haben".

Der Kaisersaal im Haus Erholung war voll besetzt mit 300 Gästen. FOTO: HPR

Der Vielgelobte drehte den Spieß um: Zu fast jedem Wegbegleiter seiner Karriere, die sich an diesem Tag eigentlich vor ihm verneigen wollten, fand Heynckes lobende Worte. Sie kamen von Herzen, und das ist auch ein Grund, warum OB Reiners ihm um 13.52 Uhr den Ehrenring über den Finger schob mit den Worten: "Sie berühren und bewegen die Menschen in dieser Stadt. Der Beschluss, Ihnen den Ehrenring zu verleihen, ist keine rein politische, sondern diese Entscheidung wird von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen."

Quelle: RP
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