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Mönchengladbach
Zeuge spricht über Laus Radikalisierung

Sven Lau vor Gericht: Zeuge spricht über Laus Radikalisierung
Der Aussteiger Dominic Schmitz hat ein Buch geschrieben. FOTO: Hans Scherhaufer
Mönchengladbach. Ein einst enger Weggefährte Sven Laus hat vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht darüber berichtet, wie der Angeklagte sich mit militanten Kräften verbündete. Auch die Bürgerinitiative gegen die Moschee kam zu Wort. Von Franziska Hein

Am Ende eines langen Prozesstages gibt es dann doch noch eine Überraschung: Der Angeklagte Sven Lau möchte seinen ehemaligen Weggefährten Dominic Schmitz befragen.

Lau ist derzeit vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf angeklagt, weil er eine IS-nahe Terrororganisation in Syrien unterstützt haben soll. Dominik Schmitz, gebürtiger Gladbacher und ehemaliger Salafist, ist kein unwichtiger Zeuge. Er hat ein Buch über seine Erfahrungen in der Gladbacher Salafisten-Szene geschrieben.

Porträt: Das ist Sven Lau FOTO: Raupold

Deswegen ist er für den Senat interessant. Schmitz kann Einblick geben in das Leben des Salafistenpredigers. 2005 konvertierte er zum Islam, ab 2007 wurde er Laus Kameramann und half diesem, Videos auf Youtube zu veröffentlichen. Die beiden freundeten sich an, Sven Lau war für Schmitz ein Vorbild, ein Bruder im Glauben. Zuletzt hätten sie sich vor etwa vier Jahren in der Moschee getroffen, gibt Schmitz vor Gericht an.

Lau möchte von ihm wissen, ob er sich an ein Treffen in der Nähe des Gladbacher Hauptbahnhofes 2013 erinnere. Schmitz habe sich gerade Chicken Nuggets bei "Kentucky Fried Chicken" geholt, man habe sich unterhalten, sogar gescherzt. Schmitz muss nachdenken, aber schließlich erinnert er sich. Lau möchte vor allem eins: seinen ehemaligen Weggefährten als unglaubwürdig darstellen.

Zuvor hatte Dominic Schmitz geschildert, wie sich die Moscheegemeinde in Eicken immer stärker radikalisierte. Lau habe sich von einem Gewalt ablehnenden Muslim zu einem radikalen Fundamentalisten entwickelt, der die Welt streng in Gut und Böse, Schwarz und Weiß eingeteilt habe.

Nach Schmitz' Aussage seien zwei Ereignisse für die Radikalisierung der Gladbacher Salafistenszene um Sven Lau ausschlaggebend gewesen: der gewaltsame Tod der Muslima Marwa Ali El-Sherbibi 2009 während einer Verhandlung vor dem Landgericht Dresden, und die Auseinandersetzungen mit der Bürgerinitiative in Eicken. Damals habe die Szene aus einem Gefühl der Ablehnung heraus die Haltung entwickelt: "Jetzt erst recht." Auch ihn hätten die zunehmenden Anfeindungen aggressiv gemacht - etwa als Osama bin Laden bezeichnet zu werden, nur weil er einen Bart und ein Gewand getragen habe. "Ich habe gedacht, ich bin doch Deutscher, was wollen die eigentlich von mir?"

Im August 2010 lernten die Anwohner in Eicken ihre Nachbarn in der Moschee erst richtig kennen: Der Verein "Einladung zum Paradies", dessen stellvertretender Vorsitzender Sven Lau war, wurde vom Verfassungsschutz beobachtet.

Innerhalb weniger Tage formierten sich erste Demonstrationen im Stadtteil. Mehrfach kam es zu Zusammenstößen und Auseinandersetzungen. Der Chef der Eickener Bürgerinitiative, Wilfried Schultz, wurde mehrmals Zielscheibe von Attacken, deren Verantwortliche zumeist unklar blieben, aber aus dem salafistischen Umfeld kamen. Nach Freitagsgebeten kam es zu offenen gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Salafisten und Mitgliedern der Bürgerinitiative.

Quelle: RP
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