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Kolumne Mensch Gladbach
Wir nehmen Sie mit in die Hinterzimmer der Macht

Mönchengladbach. Wenn Posten für Wahlen zu vergeben sind, beginnt die Hoch-Zeit der Hinterzimmer-Gespräche. Im stillen Kämmerlein werden dann strategische Fragen behandelt und Kandidaten ausgeguckt. Wir entführen Sie in die Hinterzimmer von CDU und SPD und sagen, was derzeit im Vorfeld der Landtagswahl gut und was richtig daneben zu laufen scheint.

Wenn neue Parteien auf den Plan treten oder alte zeigen wollen, dass sie sich komplett gewandelt haben, hören Sie oft eine Aussage: "Bei uns gibt es keine Hinterzimmer-Politik!" Was damit gemeint ist: Politiker, neue und altgediente, sichern Transparenz zu, wollen sich so durchsichtig wie Glas machen. Das ist Unsinn. Natürlich gibt es weiter Hinterzimmer-Politik. Denn es wird organisiert, sondiert, taktiert und paktiert. Dagegen ist nichts einzuwenden. Kritisch wird es, wenn der Eindruck entsteht, dass es nur um Kungel-Politik geht.

Derzeit treffen sich zum Beispiel bei CDU und SPD Parteimitglieder in Hinterzimmern. Mal unter vier Augen, dann in Klübchen. Beherrschendes Thema: die Wahlen im nächsten Jahr für den NRW-Landtag im Mai und die Bundestagswahl im Herbst im Allgemeinen und die Kandidatensuche im Besonderen. Bei der Bundestagswahl sind beide Parteien gut aufgestellt. Günter Krings ist bei der CDU unangefochten, Gülistan Yüksel wird bei der SPD vermutlich einen aussichtsreichen Platz auf der Liste bekommen.

Aber für die Landtagswahl sind einige Posten zu besetzen: Die CDU sucht gleich zwei Kandidaten bzw. Bewerberinnen für zwei Wahlbezirke. Bei der SPD scheint nur Hans-Willi Körfges im Süden gesetzt zu sein. Und schon sitzen diverse Interessenten auf dem Karussell - mal platzieren sie sich selbst, mal werden sie platziert. Werfen wir einen Blick auf das, was die politische Szene momentan zu bieten hat.

Zum Beispiel Frank Boss im Süden. Er gilt bei der CDU als Favorit für eine Landtagskandidatur. Boss hat sich gewandelt, seit er vor einigen Jahren mit "Giesenkirchen 2015" grandios Schiffbruch erlitten hat, weil er so wollte, wie nur er und seine Mitstreiter wollten - nicht aber viele Bürger. Dafür gab es Denkzettel, vom Wähler und parteiintern. Boss hat daraus gelernt. Er prescht nicht mehr vor und weiß, wann er sich regen muss und wann es besser ist zu schweigen. Das bringt Pluspunkte. Vor allem: Nicht er sucht sich vorschnell einen Platz auf dem Kandidatenkarussell, allenfalls lässt er sich setzen. Das ist geschickt.

Anders ist die Situation bei der SPD im Norden der Stadt. Die Sozialdemokraten waren fest davon ausgegangen, einen neuen Bewerber zu suchen, weil sich Angela Tillmann nach der verlorenen Wahl 2012 in den politischen Ruhestand verabschiedet hatte. Sie hat ihre Verdienste, sie wird geschätzt - menschlich und für ihren Einsatz. In der SPD hat Tillmann einen hohen Stellenwert. Im Januar kam sie als Nachrückerin in den Landtag. Seitdem ist vieles anders. Sie würde ja doch gerne noch mal kandidieren, wenn die Partei sie bitten würde und vielleicht . . . Mit allen "würden" und "vielleicht" und "mit allen sprechen" treibt Tillmann ihre Partei in eine Auseinandersetzung, die überflüssig ist. Das zeugt nicht von Stärke. Sie sollte klar sagen, was sie will. Jetzt wurde mit Andrea Koczelnik eine Bewerberin positioniert, und nun soll wieder erst einmal viel gesprochen werden, wer's denn wird. Das ist Hinterzimmer-Klamauk.

Auch bei der CDU im Norden ist manches im Fluss. Zwei junge Bewerber, zwei ältere. Letztere würden ins Rennen einsteigen, wenn einer der Jüngeren zu markig seinen Anspruch anmeldet, heißt es. Ein Thema für Hinterzimmer-Gespräche.

Quelle: RP
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