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Radevormwald
Flüchtlinge lernen Deutsch in Dahlerau

Radevormwald: Flüchtlinge lernen Deutsch in Dahlerau
Elisabeth Windgassen (r.) hat die Koordination des Sprachkursus im evangelischen Gemeindehaus am Siedlungsweg in einem Team von vier Helfern übernommen. Presbyterin Dorit Lauterbach (hinten stehend) weiß, dass viele weitere Gemeindeglieder gerne helfen würden. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. Die 63-jährige ehemalige Realschullehrerin Elisabeth Windgassen stellt ihr Wissen gerne zur Verfügung und betreut zurzeit elf Menschen aus Afghanistan, Syrien, Marokko und dem Irak. Ganz wichtig ist das Üben der Aussprache. Von Marion Gerdel

Flüchtlinge zu integrieren kann nur über die deutsche Sprache funktionieren. Umso wichtiger ist es, dass die Neuankömmlinge so schnell wie möglich Zugang zu diesen Kenntnissen finden. Das kann wegen der Vielzahl von Einwanderern aber nur mit viel Engagement von ehrenamtlichen Helfern funktionieren. Eine von ihnen ist Elisabeth Windgassen. Die 63-jährige, seit einem Jahr im Ruhestand lebende, ehemalige Realschullehrerin, stellt ihr Wissen gerne zur Verfügung und leitet seit vier Wochen einen Deutschkursus für Asylbewerber in Dahlerau.

"Es ist meine christliche Überzeugung, da wo Not ist, einzuspringen. Außerdem reizt mich die Aufgabe aufgrund meiner beruflichen Voraussetzungen", sagt die ehemalige Lehrerin für Deutsch und Französisch. In einem Team von vier Mitarbeitern hat sie die Koordination der Aufgaben übernommen.

Da die Vorkenntnisse der elf Kursteilnehmer unterschiedlich sind, wäre es unmöglich, sie gleichzeitig alleine zu unterrichten. "Wir haben in unserer Gruppe einen Arzt und einen Mathematiklehrer, die sehr schnell Deutsch lernen wollen, damit sie sich so schnell wie möglich in unseren Arbeitsmarkt einbringen können, aber wir haben auch ein afghanisches Ehepaar, das noch nie eine Schule besucht hat. Denen fällt es im Kursus schwerer, dem Unterricht zu folgen. Im Team können wir jeden Teilnehmer gezielt unterstützen", sagt Elisabeth Windgassen.

Die Helfer Walter Windgassen, Stefanie Ziegler und Andreas Hüttner haben sich auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Asylbewerbers eingestellt. Die einen sind noch deutlich traumatisiert, brauchen eher Abstand, andere suchen die Nähe der Helfer, fragen nach, wollen weitere Informationen. Im Kursus wird keiner bedrängt, aber jeder findet die Beachtung, die er braucht, um nicht nur die Sprache zu lernen, sondern sich auch so schnell wie möglich heimisch zu fühlen.

Für den Kursus haben sich die Betreuer auf die deutsche Grundschrift geeinigt. "Allein unsere Schrift bereitet vielen ja Probleme", sagt Elisabeth Windgassen. "Die, die studiert haben, kennen unsere Buchstaben, viele andere aber kennen nur die arabischen Schriftzeichen, das macht die Arbeit sehr schwer." Auch die Tatsache, dass im Moment sämtliche Lehrbücher "Deutsch für Ausländer" vergriffen sind, macht den Unterricht nicht einfacher. Walter Windgassen hat die Arbeitsblätter selbst gestaltet und versucht den Schülern auch mit Händen und Füßen, die ersten deutschen Wörter nahe zu bringen.

"Wir lehren in der Reihenfolge: Hören, sprechen, buchstabieren, lesen und schreiben", erläutert die Pädagogin. "Dabei sind Hören und Sprechen wichtige Punkte. Wichtig ist das Üben der Aussprache." Nur so können die Kursteilnehmer, die aus so unterschiedlichen Ländern wie Afghanistan, Syrien, Marokko und dem Irak stammen, gemeinsam unterrichtet werden.

Direkt fällt auf, dass alle Teilnehmer, egal woher sie stammen, mit großer Motivation dabei sind. Alle wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen, alle wollen sich so schnell wie möglich integrieren. "Aber wir merken", sagt Elisabeth Windgassen nicht ohne ein kleines Schmunzeln, "dass die jungen Frauen aufnahmefähiger sind, als junge Männer. Sie machen viel in Eigeninitiative, lernen zum Beispiel per App jeden Tag zehn neue Vokabeln."

Quelle: RP
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