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Tennis
Als an der Jahnstraße noch großes Tennis gespielt wurde

Tennis: Als an der Jahnstraße noch großes Tennis gespielt wurde
FOTO: Tinter Anja
Neuss. Ein Mal pro Bundesliga-Spielzeit schaut Günther Thoms an der Jahnstraße vorbei. Und jedes Mal werden dann Erinnerungen wach an jene Zeiten, als beim TC Blau-Weiss Neuss noch großes Tennis gespielt wurde.

Zehn Mal, von 1983 bis 1989 in ununterbrochener Reihenfolge, danach 1991, '92 und '94, wurden die Neusser Deutscher Mannschaftsmeister - eine Zahl, die bisher noch kein Bundesligist erreicht hat.

Mit respektvollem Abstand folgt der ewige Rivale früherer Zeiten, der heute in der Zweiten Liga spielende TC Amberg am Schanzl (6 Titel), von den aktuellen Bundesligisten waren Kurhaus Lambertz Aachen und TK Grün-Weiss Mannheim jeweils fünf Mal erfolgreich. An allen zehn Titeln war Günther Thoms als Teamchef beteiligt. "Es war eine schöne Zeit", sagt der heute 76-Jährige rückblickend, "und es wäre sehr schade, wenn das hier zu Ende gehen würde." Das, was er am Sonntag bei der 2:4-Niederlage der Blau-Weissen gegen den Rochusclub Düsseldorf sah und hörte, stimmt ihn in dieser Hinsicht wenig optimistisch: "Alle geben sich Mühe, aber ich bin mir nicht sicher, ob das reicht", sagt Thoms, der mit Ehefrau Ingrid zwischen seinen beiden Wohnsitzen in Kaarst und in Polle im Weserbergland hin- und her pendelt. Wie bescheiden die Neusser Tennis-Welt inzwischen geworden ist, zeigt allein schon ein Blick auf den Etat: "In unserem ersten Bundesliga-Jahr 1978 hatten wir einen Etat von 300.000 D-Mark", erinnert sich Thoms - in der noch bis zum 14. August dauernden Bundesliga-Saison versuchen die Neusser, mit 100.000 Euro über die Runden zu kommen. Auch wenn Günther Thoms hin und wieder ein Turnier oder ein Bundesliga-Spiel (neulich sogar eines der Damen) besucht und über Turnierergebnisse immer noch gut informiert ist - seine große Leidenschaft ist Tennis nicht mehr. Auch nicht mehr das Golfspielen, zumal, seit er sich erfolgreich an beiden Hüftgelenken operieren lassen musste.

Die große Leidenschaft sind seine beiden Enkelkinder, auch wenn er sie nur selten sieht, da sie seit drei Jahren in New York leben, wo Heiko Thoms als Stellvertretender Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen tätig ist. Enkelsohn Raphael (5) ist gerade auf dem Weg von New York, um die nächsten drei Wochen mit Oma und Opa zu verbringen. An der Jahnstraße vermisst Günther Thoms die früheren Weggefährten, "bei jedem Besuch werden es weniger". Um so mehr freut er sich, bekannte Gesichter wie Lutz Steinhöfel, den ehemaligen "Mister Bundesliga" und jetzigen 2. Vorsitzenden des TC Blau-Weiss, oder den langjährigen Sportwart Helmut Zuschlag zu treffen, der sich inzwischen in der Organisation der Bundesliga-Spiele wieder unentbehrlich macht. Und er freut sich, wenn er hin und wieder noch von Besuchern erkannt wird - bis zum nächsten Jahr, wenn es dann noch Bundesliga in Neuss gibt...

Volker Koch

Quelle: NGZ
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