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Sportgeschichten (82)
Aus Elfgen in die Fußball-Bundesliga

Sportgeschichten (82): Aus Elfgen in die Fußball-Bundesliga
Neuss. Kaum eine Person wird so mit dem SV Rot-Weiß Elfgen in Verbindung gebracht wie Karl-Heinz Brücken. Elf Jahre war der ehemalige Bundesliga-Profi dort Vorsitzender, und beim Pfingstturnier hilft der 68-Jährige selbstverständlich immer noch mit. Von Christos Pasvantis

Grevenbroich Ein Mann, der gerne im Mittelpunkt steht, ist Karl-Heinz Brücken definitiv nicht. Das war er nicht zu seiner Zeit in der Fußball-Bundesliga, wo er von 1970 bis 1976 für Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf spielte. Und das ist er auch jetzt als "lebende Legende" des SV Rot-Weiß Elfgen nicht. "Das Gesamte muss immer im Mittelpunkt stehen. Da werde ich nicht gerne hervorgehoben", sagt der 68-jährige.

Das gelang natürlich in seinem Heimatverein, dem er bis heute die Treue hält, nicht immer. Dennoch schätzt Brücken die Kameradschaft des SV: "Ich bin in Alt-Elfgen groß geworden und habe immer zum Dorf und auch zum Verein gehört." So begann auch seine fußballerische Laufbahn im Seniorenbereich in der ersten Mannschaft des Vereins auf Kreisklasseniveau - in der heutigen Zeit undenkbar. Verborgen blieb das Talent des Offensivmanns aber nicht lange, schnell erfolgte der Wechsel nach Düsseldorf und 1967 von dort der Transfer zu Bayer 04 Leverkusen.

Dort sollte Brücken in der damals zweitklassigen Regionalliga West die schönste Zeit seiner Karriere erleben: "Damals kannte uns noch niemand, wir spielten gegen Wuppertal, Essen, Oberhausen, Düsseldorf und Bielefeld. Uns hatte überhaupt keiner auf dem Zettel." Das sollte die Werkself aber nicht daran hindern, sensationell die Meisterschaft zu feiern. "Wir Leverkusener waren damals höchstens Halbprofis. Das war genauso überraschend wie die Meisterschaft von Leicester City oder der Aufstieg von Darmstadt." Mit dem Sprung ins Oberhaus sollte es allerdings nichts werden, in der Aufstiegsrunde scheiterte Brückens Team knapp an den Kickers Offenbach. "Auch wenn es nicht ganz gereicht hat, war es das vielleicht tollste Erlebnis meiner Karriere", sagt er.

Zwei Jahre darauf gelang ihm mit dem Wechsel nach Bielefeld doch noch der Aufstieg. Für die Arminia verbuchte er in zwei Jahren 71 Bundesligaspiele und acht Tore, es folgten die Stationen beim BVB, der Fortuna und Westfalia Herne. "Insgesamt betrachtet eine sehr emotionale Zeit. Manchmal wäre man vor Scham am liebsten im Boden versunken, manchmal konnte man seine Euphorie gar nicht verbergen, vor einem vollbesetzten Stadion auf den Platz zu laufen." Unmittelbar vor seinem Karriereende in Herne wurde sein 25-Meter-Freistoßhammer in den Winkel gegen Fortuna Köln im Mai 1978 sogar zum Tor des Monats der Sportschau gewählt. Auch das sei nicht allein sein Verdienst: "Ich brauchte auch viel Glück. Erstmal musste überhaupt ein TV-Team vor Ort sein, die Kameraperspektive musste stimmen und dann durfte gleichzeitig kein berühmter Spieler ein schönes Tor gemacht haben. Für mich war es überraschend, dass ich es geworden bin. Das war ein schöner Abschluss, unmittelbar vor dem Karriereende."

Brücken legte allerdings immer großen Wert darauf, sich ein zweites Standbein aufzubauen, studierte während seiner aktiven Zeit zweimal und arbeitete später als Wirtschaftsingenieur für ein schwedisches Unternehmen. "Im Nachhinein war das Studium sicher keine schlechte Entscheidung", findet er. Die Zeit dazu hatte er früher: "Die ersten zwei, drei Jahre meiner Karriere haben wir vielleicht so viel trainiert wie heute der SC Kapellen. Professioneller wurde es erst in den Siebzigern." Heute genießt er das Rentnerleben und kümmert sich intensiv um seine vier Enkel: "Irgendwo werde ich immer gebraucht."

Nach der großen Karriere hängte Brücken noch zwei gute Jahre als Spielertrainer des damals in der Verbandsliga kickenden TuS Grevenbroich dran, bevor er sich wieder seinem Elfgener Heimatverein widmen konnten, der wie das gesamte Dorf der Braunkohle weichen musste und in die Grevenbroicher Stadtmitte verlegt wurde. Elf Jahre war Brücken Vorsitzender der Rot-Weißen und kickt noch bis heute bei den Alten Herren mit - "wenn sie mich denn manchmal noch mitmachen lassen".

Die aktuelle Entwicklung der ersten Mannschaft, die als abgeschlagenes Schlusslicht in die Kreisliga C absteigen wird, bedauert er: "Es betrübt mich, dass wir wirklich schlecht aussehen. Ich hoffe, dass wir mit dem Zuspruch aus der Jugend wieder nach oben kommen."

Intensiv beschäftigt er sich auch mit dem Pfingstturnier, dessen Organisation er mit fünf anderen Mannschaftskameraden in die Hand nimmt. Über die gut 200 Kinder, die er am Pfingstmontag auf der Anlage am Sodbach erwartet, freut er sich: "Gerade in der Jugend hat sich vieles zum Guten gewendet. Es geht nicht mehr so sehr um den Sieg, sondern einfach darum, Spaß zu haben."

Quelle: NGZ
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