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Rommerskirchen
Thaiboxer zahlen für World Games selbst

Rommerskirchen: Thaiboxer zahlen für World Games selbst
Top-Kämpfer Jakob Styben bereitet sich zurzeit in Rommerskirchen auf seine Teilnahme an den World Games vor. Die Kosten dafür muss er selbst tragen. FOTO: Lothar Berns
Rommerskirchen. Der Rommerskirchener Muay-Thai-Bundestrainer beklagt die fehlende finanzielle Unterstützung für seine Schützlinge. Dabei sind die erfolgreich, allen voran Jakob Styben, der im Juli in Polen gegen die Weltelite antritt. Von Bernd Rosenbaum

Dass die Gillbach-Gemeinde der Nabel der Welt des Thaiboxens in Deutschland ist, ist schon fast eine Binsenweisheit. Immerhin hat dort nicht nur der Bundestrainer Detlef Türnau seinen Trainingsclub Bujin Gym an der Venloer Straße. Türnau ist auch noch Präsident des Muaythai Bundes Deutschland mit Sitz in Grevenbroich und Vizepräsident der European Muaythai Federation, des europäischen Dachverbandes. Umso unverständlicher ist es für ihn, dass der Kickbox-Sport, der weltweit in verschiedenen Ländern hohes Ansehen genießt, in Deutschland immer noch ein Nischen-Dasein fristet und so gut wie keine finanzielle Unterstützung erhält.

Besonders ärgerlich findet Türnau, dass mit Jakob Styben zum ersten Mal ein deutscher Thaiboxer bei den im Juli im polnischen Wroclaw stattfindenden World Games dabei ist, sämtliche Reisekosten aber allein aus der Vereinskasse getragen werden müssen. "Wir reisen mit drei Personen im Juli zum Austragungsort nach Polen. Das kostet uns als Verein ungefähr 4000 Euro", sagt Türnau. Fördergelder gebe es für den Muaythai-Sport nicht. Und auch Sponsoren seinen rar. In anderen Ländern sehe die Unterstützung hingegen ganz anders aus. In Thailand, zugegeben dem Mutterland dieser Kampfsportart, trete laut Türnau der deutsche Autobauer Mercedes Benz als wichtiger Sponsor auf und übernehme bei Turnieren einen Großteil der Kosten. "Wenn wir an einem Turnier teilnehmen wollen, müssen wir die Mietkosten für einen Mercedes Sprinter aus der eigenen Tasche bezahlen", beschreibt Türnau die Situation für sich und seine Schützlinge. Und dass, obwohl Muay Thai erst im Dezember vergangenen Jahres vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bei seiner Sitzung in Lausanne als olympische Sportart anerkannt hat. Doch das ist zunächst einmal ein symbolischer Akt, wie Michael Schirp vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erklärt: "Mit der provisorischen Anerkennung als olympische Sportart kommt Muaythai noch nicht an die großen Fördertöpfe des IOC, aber die Chancen für eine erfolgreiche Lobbyarbeit steigen, weil der Zugang zu den verschiedenen IOC-Gremien erleichtert wird", so der Verbandssprecher.

Auch gehört Muaythai damit noch lange nicht zu den Disziplinen, die bei Olympischen Spielen ausgetragen werden. Die Anerkennung ist nur ein erster Schritt. "Seit 2014 hat das IOC die maximale Athletenzahl auf 10.500 begrenzt, aus Rücksicht auf die ausrichtenden Städte und die Dimensionen von Olympischem Dorf, Transport und Wettkampfstätten", so Schirp. "Wer also heute rein will, muss darauf spekulieren, dass ein anderer ausscheidet", bringt es der DOSB-Sprecher auf den Punkt und ergänzt: "Muaythai steht damit in direkter Konkurrenz um Startplätze bei Olympia zu allen 28 Sommersportarten, vor allem aber zu Kampfsportarten wie Judo, Taekwondo und Karate." Wünschen würde sich Türnau zumindest eine Aufnahme in den Landessportbund, um dadurch an Fördermittel zu kommen.

Quelle: NGZ
 
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