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Theo Rous
"Entsetzen ist nicht überall gleich"

Xanten. Der ehemalige Dopingbekämpfer äußert sich zu den Enthüllungen in Russland.

Alpen Als ehemaliger Vorsitzender der Anti-Dopingkommission des nationalen Leichtathletik-Verbandes verfolgt der Alpener Theo Rous (80) die Nachrichten über die Enthüllungen des russischen Dopingsystems ganz genau.

Sind Sie darüber überrascht, dass es im russischen Leichtathletik-Verband ein flächendeckendes Dopingsystem geben soll?

Theo Rous Dass es in Russland ähnlich wie in der damaligen DDR ein vom Staat geduldetes Dopingsystem geben soll, überrascht mich nicht wirklich. Umgehauen hat mich, dass der Leiter der Anti-Doping-Abteilung des Weltverbandes IAAF, Dr. Gabriel Dollé, in den Skandal verwickelt ist. Er soll positive Doping-Proben manipuliert haben und sitzt im Gefängnis. Ich kenne Dr. Dollé gut und habe damals häufig mit ihm telefoniert. Wenn sich die Vorwürfe in dem Dopingsumpf bewahrheiten sollten, kann man das ganze System vergessen. Dass ist vom Ausmaß viel schlimmer als der FIFA-Skandal mit Sepp Blatter. Mich würde allerdings nicht erstaunen, wenn noch mehr Details ans Tageslicht kommen, beispielsweise aus Kenia.

Wie bewerten Sie die Entscheidung, den russischen Verband zu sperren?

Rous Ich bin skeptisch, da es sich um eine vorläufige Sperre handelt, meines Wissens für sechs Monate. Ohnehin finden in dieser Zeit keine großen Wettkämpfe statt. Ich denke nicht, dass sich die Sperre über die Olympischen Spiele hinaus aufrecht erhalten lässt. Man muss wissen, dass das moralische Entsetzen über den Dopingskandal in Russland nicht überall gleich ist auf der Welt.

Kann der Deutsche Leichtathletik-Verband seine Hände in Unschuld waschen?

Rous Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der DLV oder DOSB aktives Doping unterstützen oder in die Wege leiten. Für jeden Athleten würde ich allerdings nicht meine Hand in Feuer legen. Einzelfälle wird's wohl immer geben. Eine richtige Entscheidung ist, in Deutschland das Doping als Straftat einzuordnen. Weitere Maßnahmen müssen folgen.

RENE PUTJUS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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