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Notlandung in Denver
Hagelkörner bringen Flugzeug-Frontscheibe zum Bersten

Delta Airlines: Hagel bringt Flugzeug-Frontscheibe zum Bersten
Das Flugzeug nach seiner Notlandung in Denver. FOTO: ap
Denver. Die Passagiere von Delta-Airlines-Flug 1889 sprechen von den schlimmsten Minuten ihres Lebens: Der Airbus A320, der sie von Boston nach Salt Lake City bringen sollte, geriet in ein schweres Gewitter. Als sie das Flugzeug nach einer Notlandung verließen, sahen die Fluggäste das erschreckende Ausmaß des Schadens. Von Christian Breuer und Judith Conrady

Hagelkörner hatten praktisch die gesamte Front des Flugzeugs zerstört: Die Nase des Flugzeugs war nach der Notlandung in Denver eingedrückt, die Frontscheibe geborsten. Beim Aussteigen konnten sich die 130 Passagiere aus der Nähe anschauen, in welchem Zustand der Airbus war. "Wir konnten die zerbrochene Windschutzscheibe sehen. Wir konnten sehen, dass die Nase des Flugzeugs fehlte. Es war wirklich heftig", zitiert der TV-Sender CNN einen Passagier.

"Spinnennetz aus Blitzen"

Die Maschine war über dem US-Bundesstaat Nebraska in ein heftiges Gewitter geraten. Blitze umzuckten die Maschine, Passagiere berichten von einem "Spinnennetz aus Blitzen" über den Flügeln. Einige Menschen an Bord hätten geweint und geschrien, sagte ein Passagier der "Denver Post".

Das Flugzeug sank innerhalb von zwei Minuten um 4000 Meter. "Ich fliege regelmäßig, aber das waren die schlimmsten zehn Minuten meines Lebens", sagt ein Fluggast.

Der Pilot steuerte den nächsten erreichbaren Flughafen an - Denver in Colorado. Die Notlandung verlief glimpflich. Nur eine Passagierin wurde leicht verletzt. Die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA will jetzt untersuchen, wie der Hagel derart schwere Schäden verursachen konnte.

"Delta sollte dem Pilot einen ordentlichen Bonus dafür geben, dass er unsere Hintern gerettet hat", schreibt ein erleichterter Fluggast bei Twitter.

Dank der Highend-Technik an Bord von modernen Flugzeugen ist eine Landung im Blindflug heute normalerweise gut zu meistern. Auf vielen Verkehrsflughäfen, so zum Beispiel in Düsseldorf, Weeze und Mönchengladbach, gibt es ein sogenanntes ILS (Instrument Landing System). Das ist ein bodengestütztes, aus mehreren Komponenten bestehendes System, das Piloten entsprechend ausgerüsteter Flugzeuge auch bei schlechten Sichtbedingungen einen sicheren Anflug ermöglicht.

Je nach Ausstattung sind damit auch komplett automatische Landungen möglich. Die Programmierung des Autopiloten, das Ausfahren des Fahrwerkes und die Bedienung der Landeklappen sind nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit aber immer noch Aufgabe der Crew. Weiterhin werden nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit 95 Prozent der Landungen von Hand geflogen. Spätestens nach dem Aufsetzen ist der Pilot ohnehin wieder auf die Sicht aus dem Cockpitfenster angewiesen, um die Maschine auf der Landebahn ausrollen zu lassen, mögliche Hindernisse zu erkennen und schließlich über die Taxiways zum Flughafengebäude zu rollen.

Vulkanasche verkratzte Windschutzscheibe

Einen ähnlichen Fall gab es 1982. Damals war es nicht Hagel, der die Windschutzscheibe einer Maschine verkratzte, sondern Vulkanasche. Eine Boeing 747 war auf dem Weg von London nach Auckland über der indonesischen Insel Java ohne Vorwarnung in eine Aschewolke geraten. Alle vier Triebwerke fielen aus. Es gelang den Piloten nach einiger Zeit im Gleitflug, drei von ihnen wieder zu starten.

Außerdem hatten die Aschpartikel hatten die Windschutzscheibe so verkratzt, dass der Pilot praktisch nichts mehr sehen konnte. Dass er die Maschine - damals mit noch weit weniger fortgeschrittener Technik - trotzdem sicher landete, grenzt an ein Wunder.

Tennisballgroße Hagelkörner

1984 hatte ein schwerer Hagelsturm Flugzeuge am Flughafen München-Riem ähnlich stark beschädigt wie die Delta-Airlines-Maschine - zum Glück standen diese Maschinen aber am Boden.

Einige Flugzeuge hatten nur noch Schrottwert, nachdem sie von tennisballgroßen Hagelkörnern getroffen wurden. Der Schaden belief sich auf 1,5 Milliarden D-Mark. Durch Schäden an am Flughafen München-Riem wartenden Boeings wurden fünf Prozent des Lufthansa-Streckennetzes lahmgelegt. Die Hagelkörner hatten die Steuerklappen und Ruder der Boeings mühelos durchschlagen.

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