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Hart aber Fair: Frank Plasberg diskutiert Islamismus
Schwächlinge und Vollidioten

Hart aber Fair: Frank Plasberg redet über Islam und Iditoten
Gerieten bei Hart aber fair aneinander: Sheik Hassan Dabbagh und der Grüne Volker Beck. FOTO: Screenshot Hart aber fair
Der Terror des IS, Halbstarke als Scharia-Polizei, Terroristen aus unserer Mitte – bei "Hart aber Fair" ließ Frank Plasberg über den Zusammenhang von Islam und Gewalt diskutieren. Das erwies sich als äußerst schwierig: Bayerns Innenminister Herrmann wurde als Scharfmacher entlarvt, ein Salafist trieb den Grünen Volker Beck zur Weißglut. Von Philipp Stempel

"Auf Streife für Allah – müssen wir vor dem Islam Angst haben?", fragte Plasberg am Montagabend. Dazu eingeladen war eine traditionell breit gefächerte Runde: Für die Position der Hardliner der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, für die Islamischen Fundamentalisten Sheik Hassan Dabbagh, bekennender Salafist und Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee. Dazwischen reihten sich noch der Grüne Volker Beck ein, die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der Journalist und Nahost-Kenner Ulrich Kienzle.

Vor allem der umstrittene islamische Prediger machte schnell deutlich, welches Konfliktpotential der Abend bergen würde. Zu Beginn war er Plasbergs bevorzugter Adressat für Fragen. Ob er denn verstehen könne, dass Deutsche es beim Blick auf die Geschehnisse im Irak und Syrien mit der Angst zu tun bekommen? Dass muslimische Frauen es als übergriffig empfinden, wenn sie von selbst ernannten Sittenwächtern wegen ihrer Kleidung zurechtgewiesen werden?

Die Deutschen als Pawlowsche Hunde

Dabbagh verurteilte umständlich die Aktionen der Scharia-Polizei und den Terror in Syrien. Doch dem Islam tat er mit seinem Auftritt keinen Gefallen. Mehrfach blieb er klare Antworten schuldig und verstieg sich lieber in Vorwürfen: Medien berichten demnach einseitig, Politiker und Behörden reduzieren den Islam auf Gewalt. Die deutsche Öffentlichkeit verglich er mit Pawlowschen Hunden. Weil im Zusammenhang mit dem Islam so oft über Gewalt berichtet wird, habe sie reflexartig ein falsches Bild seiner Religion entwickelt.

Bemerkenswert, dass nicht etwa CSU-Politiker Joachim Herrmann, sondern der Grüne Volker Beck am Ende der Kragen platzte und den Imam als gefährlichen Hetzer beschimpfte. Der hatte zuvor Zweifel an seiner Geisteshaltung wachsen lassen, weil er den Westen wegen seiner Syrienpolitik weit schärfer verurteilte als die Dschihadisten. Den Vorwurf des Kinderschlachtens erhob er später auch gegen Deutsch-Israelis, die in der israelischen Armee dienten.

Die Gleichbehandlung israelischer Soldaten mit IS-Terroristen trieb Beck vollends zur Weißglut.

"Sie vergleichen Israels Armee tatsächlich mit ISIS?", fragte Beck aufgebracht.

"Ja!"

Becks Antwort: "Nun ist die Maske gefallen. Sie zeigen uns damit, was für ein übler Hetzer sie in Wirklichkeit sind."

Was verführt zum Dschihad?

Dass es im Laufe der Sendung immer wieder zu Gebrüll kam, hat Plasberg sich auch selbst zuzuschreiben. Ihm muss bekannt gewesen sein, dass der Imam, der Frauen "natürlich" nicht die Hand gibt, noch nicht ein einziges Mal in einer Talkshow einen dialogorientierten Beitrag abgeliefert hat und außerdem wegen staatsfeindlicher Predigten in der Kritik steht. Ihn einzuladen diente offenbar nur dem Krawall-Level.

Schade. Denn ansonsten gab es gute und wichtige Fragen zu diskutieren. Etwa die, was denn junge Leute aus der Mitte der deutschen Gesellschaft immer wieder zu altmittelalterlichen Gruppen wie den Salafisten und am Ende in den Dschihad zieht.

Beispiele für solche Fälle gingen zuletzt genug durch die Presse. Philipp B. oder Mustafa K. aus Dinslaken, beide bekannt aus Propagandavideos aus Syrien und mittlerweile wohl tot. Ahmet C. aus Ennepetal, der bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad 54 Menschen in den Tod gerissen haben soll.

Auf der Suche nach Sinn

Innenminister Herrmann hat auf solche Biographien nur eine Antwort: Er will sie die ganze Härte des Gesetzes spüren lassen. Dass er mit Forderungen, ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen, das Grundgesetz ändern müsste, weiß er, hält ihn aber nicht davon ab, weiterhin strenge Maßnahmen einzufordern.

Erkenntnisreicher klingen da schon die Auslassungen von Volker Beck, der sich mit den Motiven der jungen Dschihad-Krieger aus Deutschland auseinandersetzt: Er beschreibt sie als labile junge Männer, Schwächlinge auf der Suche nach Orientierung. "Vollidioten", nennt Journalist Ulrich Kienzle die noch jugendlichen Männer, die auf der Suche nach Sinn als Kanonenfutter in den Dschihad ziehen.

Eine Szene mit Kaddor gab zu denken

Insbesondere der Salafismus übt auf die orientierungslosen Jugendlichen allen Eindrücken nach eine große verführerische Kraft aus. In seinen Propagandavideos macht er sie zu Superhelden im Kampf für eine gute Sache mit klaren Freund-Feind-Kategorien. Dort finden sie Anerkennung und Halt. Die Islamwissenschaftlerin Kaddor weiß ein Lied davon zu singen. Sie kannte mehrere der Dinslakener Clique um Philipp B. von früher aus dem Unterricht. Nichts, aber auch gar nichts habe damals darauf hingewiesen, dass sie dem Extremismus in die Falle laufen würden. "Das waren ganz normale Jugendliche", erzählt sie. Westlich, deutsch, modern.

Eine Szene aus der Sendung machte deutlich, wie viel Arbeit die deutsche Gesellschaft für einen angemessenen Umgang mit dem Islam noch vor sich hat. Als Plasberg die Islamwissenschaftlerin Kaddor in einer Frage als Muslimin kategorisierte, empörte sie sich und unterbrach ihn: Zuerst einmal sei sie doch Deutsche, so wie alle anderen Deutschen auch. Doch immer wieder werde in Medien und im alltäglichen Miteinander suggeriert, Muslime könnten keine deutschen Staatsbürger sein. Der Islam, so viel wird deutlich, gehört in vielen Köpfen noch immer nicht zu Deutschland.

Die ganze Sendung in der ARD-Mediathek 

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