| 13.00 Uhr

TV-Kritik "Hart aber fair"
Über Geld spricht man doch

Hart aber fair - Kritik: Über Geld spricht man doch
Die Gäste von Frank Plasberg sprechen über Niedrigzinsen und hohe Kontogebühren. FOTO: Youtube Screenshot
Düsseldorf. Den Banken geht durch die EZB-Zinspolitik das Geld aus, nun bekommen ihre Kunden diese politische Entwicklung zu spüren: Höhere Gebühren und Bezahlen für's Sparen sind die Konsequenz.  Von Merlin Bartel

Darum ging's

Am Freitag ist Weltspartag: Ein Grund für Frank Plasberg die jüngsten Entwicklungen der Banken zu diskutieren. Anstelle von Zinsgewinnen erwarten den Anleger Minuszinsen und Extragebühren. "Retten sich die Banken auf Kosten der Kunden?" lautete die Frage der Sendung. Sind die Banken selbst schuld an der Misere, oder stellen die erhöhten Gebühren lediglich eine Art Notwehr angesichts der scharfen Auflagen dar?

Darum ging's wirklich

Alle fünf Gäste suchten einen Schuldigen für die derzeitige finanzielle Situation – jedoch mit unterschiedlichem Resultat. Mal traf es die "falschen politischen Entscheidungen", mal die "bösen Banken" oder auch den "schlecht informierten Kunden".

Die Gäste

  • Norbert Walter-Borjans (SPD), Finanzminister von Nordrhein-Westfalen
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke), Fraktionsvorsitzende 
  • Heinz Landwehr, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest
  • Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken 
  • Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank 

Frontverlauf

"Man entlässt die Leute, dann läuft es wieder gut. Das wäre schön, die Probleme liegen aber tiefer", sagte der Volkswirt Thomas Mayer zu Anfang der Sendung. Uwe Fröhlich beschrieb die Auswirkungen der Wirtschaftskrise von 2008: "Die Krise hat uns gebeutelt. Jeder Kunde weiß, was er an seiner Raiffeisenbank hat." Fröhlich argumentierte, die Banken böten eine komplexe Infrastruktur und ein breites Filialnetz – für diese Dienste dürften sie Geld verlangen.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans kritisierte diese Selbstdarstellung der Banken: "Die Banken müssen verstehen, dass sie nicht einfach nur Unternehmen sind. Banken sind ein Teil der Infrastruktur." Sahra Wagenknecht sah politisches Versagen als zentrale Ursache. "Das Problem ist, dass die Normalbürger durch steigende Gebühren zur Kasse gebeten werden für eine Misere, an der sie überhaupt keinen Anteil haben." Die Linken-Politikerin bemängelte die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft. Die Argumentation der Banken sei "Jammern auf hohem Niveau".

Das grundlegende Problem der Debatte zeigte ein Einspieler: Bei einer Straßenumfrage wurden Passanten nach der Höhe ihrer Konto-Führungsgebühren gefragt;  keiner wusste sie. Tatsächlich sind nur wenige kostenlos, einige kosten knapp 100 Euro im Jahr. Zum Teil berechneten Banken sogar jede einzelne Überweisung und Abbuchung mit einer Gebühr. Ein weiterer Film zeigt, wie aus einem Kredit über 5000 Euro durch Extra-Verträge schnell 9477 Euro werden können.

"Die Erfahrung zeigt, dass dann irgendwo ein Kreuzchen gesetzt wird", resümiert Wirtschaftsjournalist Landwehr, der in der Sendung für Verbraucherinteressen eintritt. Die größten Probleme seien fehlende Transparenz sowie mangelnden Verständnis von finanziellen Prozessen – die Kunden würden sich zu wenig informieren und nicht ausreichend nachfragen. "Es wäre hilfreich, gäbe es ein, zwei Modelle, in denen alles drin ist", sagt er.

Thomas Mayer betont den historisch niedrigen Zinsstand. Das Problem sei allerdings nicht die Bank: "Der Bürger kann Negativzinsen emotional nicht verkraften", sagt er. Auf Plasbergs ironischen Vorschlag, Achtjährigen Aktien anzubieten, sprang Mayer an und fordert eine Entwicklung in Deutschland hin zu neuen Sparformen. Den Umgang mit Finanzen sollten Kinder bereits in der Schule lernen.

Mayer und Fröhlich forderten ein Ende der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB beschloss die Senkung der Zinsen, um die Wirtschaft in Südeuropa anzukurbeln – dieser Plan ging jedoch nicht auf. Wagenknecht prangerte die Regierung an: "Man bittet die kleinen Leute zur Kasse." Stattdessen fordert sie eine Reichensteuer, um Wohlhabenden mehr von ihrem "Spielgeld" zu nehmen.

Spruch des Abends

"Als Kind ging man mit seinem Sparbuch zur Bank und ließ sich die Zinsen gutschreiben. Wer da heute mit dem Bus hinfährt, muss damit rechnen, dass das Ticket teurer ist als der Zinsgewinn eines ganzen Jahres." (Frank Plasberg)

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