| 10.32 Uhr

Familien aus Syrien
Kanadas Premier begrüßt Flüchtlinge am Flughafen

Kanada: Erstes Flugzeug mit syrischen Flüchtlingen gelandet
Der liberale Premier Trudeau begrüßte die syrischen Flüchtlinge. FOTO: ap
Toronto. Kanada ist gegenüber Flüchtlingen deutlich offener als der Nachbar USA. Die neue Regierung unter Premier Trudeau begrüßte nun vom Staat ausgeflogene Syrer am Flughafen.

Kanada hat mit einer ersten Regierungsmaschine 163 syrische Flüchtlinge in das Land gebracht. Premierminister Justin Trudeau begrüßte am Flughafen von Toronto am Donnerstagabend (Ortszeit) die ersten beiden Familien, die aus der Abfertigung kamen.

USA verschärft Einreise 

Eine zweite Maschine soll am Samstag etwa 140 Syrer nach Montreal ausfliegen. Die neue Regierung unter Trudeau will bis Ende Februar 25 000 Syrier ansiedeln und steht mit dieser Politik in scharfem Kontrast zu den USA.

Die Debatte über die Umsiedlung von Flüchtlingen hat sich in Nordamerika nach dem Terroranschlägen von Paris am 13. November und einer tödlichen Attacke im kalifornischen San Bernardino verschärft. Mehrere republikanische Gouverneure versuchen, die Ankunft syrischer Flüchtlinge in ihren Bundesstaaten zu stoppen. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump forderte in der benachbarten USA ein vorübergehendes Einreiseverbot für Muslime.

Persönliche Begrüßung durch Politiker

Der liberale Premier Trudeau hat indes die Unterstützung aller Regierungschefs der zehn kanadischen Provinzen. Am Flughafen warteten mit ihm mehrere Minister, die Regierungschefin der Provinz Ontario, Kathleen Wynne, sowie Torontos Bürgermeister John Tory und auch Oppositionspolitiker der konservativen Partei, um die Flüchtlinge zu begrüßen.

Trudeau selbst hieß die ersten beiden Familien persönlich willkommen, die nach der Ankunft in einer Sicherheitszone als erste durch die Abfertigung kamen. Beide Familien sagten, sie seien glücklich, in Kanada zu sein. Die eine Familie bestand aus einem Paar und einem 16 Monate altem Mädchen, das andere Paar brachte drei Töchter mit.

"Dies ist eine wundervolle Nacht, in der wir einem voll besetzten Flugzeug neuer Kanadier zeigen, was Kanada ausmacht", sagte Trudeau vor der Ankunft. "Wir zeigen der Welt, wie wir unsere Herzen öffnen und Menschen willkommen heißen, die vor außergewöhnlich schwierigen Situationen flüchten." Die Menschen würden als Flüchtlinge aus dem Flugzeug steigen, aus dem Terminal aber als permanente Einwohner Kanadas herausgehen.

Auch Bürger begrüßen die Flüchtlinge

"Kanada ist so gastfreundlich, die USA scheinen gar nicht so", sagte der 26-jährige Greg Keoushkerian, dessen bester Freund mit der Militärmaschine ankam. Er selbst ist seit zehn Monaten mit seiner Familie in Kanada. "Die Leute hier respektieren einander, es ist so multikulturell hier." Auch Kanadier warteten am Flughafen, eine mit Geschenken in der Hand, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Doch eine Begegnung war nicht möglich, weil diese in einer Sicherheitszone abgefertigt wurden.

Trudeaus Vorgänger Stephen Harper hatte keine weiteren syrischen Flüchtlinge aufnehmen wollen. Alle Regierungschefs der zehn kanadischen Provinzen wollen Flüchtlinge ins Land lassen.

Kanada ist lange Zeit stolz darauf gewesen, seine Türen für Asylsuchende geöffnet zu haben. Viele Flüchtlinge kamen an: mehr als 5000 in den späten 1990er Jahren aus dem Kosovo, mehr als 5000 aus Uganda 1972 und 60 000 Vietnamesen in den Jahren 1979 und 1980. Mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge kamen seit dem Zweiten Weltkrieg in Kanada an.

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

(lkö/ap)
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.