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Nordsyrien
Türken und Kurden einigen sich auf Waffenruhe

Nord-Syrien: Türken und Kurden einigen sich auf eine Waffenruhe
Ein türkischer Panzer in der Nähe der syrischen Grenze. FOTO: ap, BO
Damaskus. Türken und Kurden im Norden Syriens haben sich auf eine Waffenruhe geeinigt. Vorher hatte es heftige Kämpfe gegeben. Die USA wollen die Gefechte auf den IS konzentrieren.

Nach Luftangriffen und heftigen Gefechten in den vergangenen Tagen haben sich die Türkei und die Kurdenmilizen in Nordsyrien auf eine Waffenruhe geeinigt. Ein Sprecher der von den Kurden angeführten Rebellenfraktion SDF erklärte am Dienstag, der Militärrat der Gruppe in Dscharablus habe der vorläufigen Feuerpause zugestimmt. Zuvor hatten die USA, die sowohl Türkei als auch SDF als Verbündete ansehen, beide Lager aufgerufen, sich auf den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zu konzentrieren.

Die Türkei war am Mittwoch vergangener Woche im Nachbarland einmarschiert, um gemeinsam mit verbündeten Rebellen den IS aus der Grenzstadt Dscharablus zu vertreiben. Der Einsatz unter dem Titel "Schutzschild Euphrat" diente aber auch dazu, die kurdischen Milizen auf die Ostseite des Euphrats zurückzudrängen. Unter anderem hatte die Türkei auch Luftangriffe auf Stellungen der Kurden geflogen, bei denen nach deren Darstellung auch Zivilisten ums Leben gekommen waren.

Der Leiter des Zentralkommandos des US-Militärs, Joseph Votel, sagte am Dienstag, dass die Kurden mittlerweile die Gebiete westlich des Euphrats verlassen hätten. Das könnte ein Grund sein, warum die Türkei nun in eine Waffenruhe eingewilligt hat. Eine offizielle Bestätigung dafür lag allerdings aus Ankara zunächst nicht vor. Ein kurdischer Vertreter des von den USA angeführten Bündnisses gegen den IS sagte, dieses sowie der Militärrat von Dscharablus würden die Waffenruhe überwachen.

Die Türkei sieht die Kurdenmilizen als verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK an und will verhindern, dass sie sich im Grenzgebiet ihren eigenen Staat schaffen. Die USA hingegen unterstützen die YPG, die sich im Kampf gegen den IS als besonders effektiv erwiesen haben. Wie US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Montag rief auch General Votel am Dienstag die beiden Seiten auf, ihre Kräfte auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren.

Die Kurden werfen der Türkei vor, dem IS mit der Bodenoffensive eine Verschnaufpause verschafft zu haben. Am Dienstag kam es zu neuen Kämpfen zwischen SDF und IS nahe der Stadt Manbidsch. Diese hatten die Kurden erst kürzlich von den Extremisten erobert. Doch nun habe der IS wieder an Boden gewonnen, sagte ein SDF-Sprecher.

Auch der französische Präsident François Hollande warnte in einer Rede am Dienstag vor den Folgen des türkischen Einsatzes. Gegenläufige Militärinterventionen wie jene der Türkei und Russlands könnten die ohnehin schwierige Lage in Syrien noch weiter aufheizen, sagte Hollande. Er rief Russland auf, mit dem von den USA angeführten Bündnis gegen den IS zusammenzuarbeiten, dem auch Frankreich angehört. Absolut dringlich sei aber ein Ende der Kämpfe und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch, sagte Hollande weiter.

(hebu/ap/dpa)
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