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Machtdemonstration im Ostmeer
Nordkorea schießt Rakete über Japan hinweg

Nordkorea schießt Rakete über Japan: Bewohner von Sirenen geweckt
Seoul. Nordkorea hat offenbar eine Rakete über die japanische Insel Hokkaido geschossen. Das erklärte der gemeinsame Generalstab des südkoreanischen und US-Militärs. Japans Regierung spricht von einer "ernsten Bedrohung".

Die Rakete wurde den Militärangaben zufolge am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) in der Nähe der Hauptstadt Pjöngjang abgefeuert, erreichte eine Höhe von 550 Metern und flog etwa 2700 Kilometer weit über Hokkaido hinweg. Hokkaido ist Japans flächengrößte Provinz im Norden, die hauptsächlich aus der gleichnamigen Insel besteht. Hokkaidos Hauptstadt  ist Sapporo. Die Nachrichtenagentur Yonhap meldete, das Geschoss sei im Japanischen Meer (Ostmeer) gelandet.

Nach Berichten des japanischen Senders NHK gingen Teile der Rakete im Pazifik etwa 1180 Kilometer östlich von Hokkaido nieder. Das Geschoss sei dort in drei Teile zerfallen. Japan habe jedoch keine Abwehrrakete gestartet, hieß es unter Berufung auf das Militär. Damit erreicht der Konflikt um Nordkorea eine neue Eskalationsstufe.

"Schwerwiegende Bedrohung Japans"

Das Raketenabschuss stelle eine "ernste und schwerwiegende Bedrohung Japans dar", erklärte der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga. Man werde eng mit der Schutzmacht USA sowie Südkorea kooperieren. Es war nicht das erste Mal, dass eine Rakete Nordkoreas über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt erfolgt sei, meldete NHK. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, es würde das Äußerste getan, um die Menschen zu schützen.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte die Raketen-Meldung. Tests würden derzeit noch ausgewertet, teilte Pentagon-Sprecher Robert Manning in Washington mit. Man sei aber bereits zu der Einschätzung gekommen, dass die Rakete keine Bedrohung für die USA dargestellt habe.

Ein Analyst des "Institute for Far Eastern Studies" (IFES) in Seoul sagte, erste Daten des Fluges legten nahe, dass es sich bei der abgeschossenen Rakete um den Typ Hwasong-12 handelte, eine neuere Mittelstreckenrakete. Nordkorea hatte gedroht, diesen Raketentyp in Richtung des US-Außengebiets Guam im Westpazifik zu schießen.

Südkorea demonstriert Stärke

Als Reaktion auf den nordkoreanischen Raketentest hat Südkorea militärische Stärke demonstriert. Vier F15K-Kampfjets hätten auf einen Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen lassen, teilte ein Sprecher von Präsident Moon Jae In mit. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Moon hatte zuvor die Streitkräfte angewiesen, ihre Kampfkraft zu demonstrieren.

Japan und die USA wollen den Druck auf Pjöngjang weiter erhöhen. Darauf verständigte sich der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit dem US-Präsidenten. Donald Trump habe ihm versichert, dass die USA zu "100 Prozent" hinter Japan stünden, sagte Abe.

Erst vor zwei Tagen hatte Nordkorea mehrere ballistische Raketen getestet. Zwei Raketen flogen am Samstag nach Angaben des US-Pazifikkommandos rund 250 Kilometer weit, hätten jedoch keine Gefahr für die US-Pazifikinsel Guam bedeutet. Eine dritte Rakete war am Wochenende offenbar schon kurz nach dem Start nahe Kittaeryong in der östlichen Provinz Kangwon explodiert.

Pjöngjang hatte im Juli mit zwei Tests von Interkontinentalraketen (ICBM) weltweit Empörung ausgelöst. Als Reaktion verhängte der Weltsicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen das diplomatisch isolierte Land. Die USA und Südkorea halten derzeit gemeinsame Militärmanöver vor der Koreanischen Halbinsel ab. Pjöngjang wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Manöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten. 

Nordkorea arbeitet an Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea Tests mit solchen Raketen. Ballistische Raketen sind in der Regel militärische Boden-Boden-Raketen, sie können je nach Bauart konventionelle, biologische, chemische oder auch atomare Sprengköpfe befördern.

(juju/dpa/ap/afp)
 
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