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Weggefährten und Fremde
Das sind die Redner bei Kohls Trauerakt in Straßburg

Helmut Kohl – Stationen seines Weges
Helmut Kohl – Stationen seines Weges FOTO: AP
Straßburg. Acht Politiker werden beim europäischen Trauerakt für Helmut Kohl sprechen. Einige waren enge Weggefährten, andere haben ihn nicht mehr als Politiker kennengelernt.

Antonio Tajani Der Italiener ist seit Anfang 2017 Präsident des EU-Parlaments. Der 63-Jährige ist damit Gastgeber des Traueraktes. Der Jurist ist schon lange Europapolitiker: Seit 1994 sitzt er als Mitglied der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europapaparlament. Zwischendurch war er zweimal EU-Kommissar. In seinem Heimatland gehört er der konservativen Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi an.

Jean-Claude Juncker Es war der EU-Kommissionspräsident, der den europäischen Trauerakt für Kohl in die Wege geleitet hat. Der deutsche Ex-Kanzler habe ihn auf allen europäischen Wegen "geleitet und begleitet", sagte der 62-jährige Juncker nach Kohls Tod. Die politische Karriere des Luxemburgers in Europa begann schon lange bevor er 2014 die Führung der EU-Kommission übernahm: Von 2004 bis 2013 war er der erste ständige Vorsitzende der Euro-Gruppe. Von 1995 bis 2013 war Juncker Premierminister seines Heimatlandes, das zu den Gründungsstaaten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zählt - einem Vorläufer der heutigen EU.

Donald Tusk Der Pole ist seit Anfang Dezember 2014 EU-Ratspräsident. Zuvor war er ab 2007 Ministerpräsident seines Heimatlandes. Politisch aktiv ist der heute 60-Jährige bereits seit seiner Studentenzeit in den 1970er Jahren. Damals arbeitete er mit den im Untergrund tätigen Freien Gewerkschaften zusammen, ging später selbst in den Untergrund und kam für kurze Zeit in Haft. Nach der Wende wurde Tusk Abgeordneter. 2001 gründete er mit anderen zusammen die liberalkonservative "Bürgerplattform", deren Vorsitzender er bis heute ist. Helmut Kohl bezeichnete er selbst als einen Freund.

Felipe González Der 75-Jährige war von 1982 bis 1996 Ministerpräsident Spaniens – und zog damit im gleichen Jahr in den Madrider Regierungspalast ein, in dem Kohl Bundeskanzler wurde. Bereits seit 1974 war González Generalsekretär der Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE. Während seiner Amtszeit trat Spanien 1986 der Europäischen Gemeinschaft bei, zudem setzte er sich für den Verbleib seines Landes in der NATO ein. 1993 erhielt er den Karlspreis der Stadt Aachen. González galt bis zuletzt nicht nur als Weggefährte, sondern auch als enger Freund Kohls.

Bill Clinton Der 70-Jährige war in der zweiten Hälfte der Kanzlerschaft von Helmut Kohl Präsident der USA. Er hat Kohl mehrfach als Freund beschrieben, er sei dankbar, dass er mit ihm habe arbeiten dürfen. Clinton hatte den Kanzler früh in höchsten Tönen gelobt: als einen Mann von unvergleichbarer Weitsicht, Mut und Stärke, als größten europäischen Staatsmann nach dem Zweiten Weltkrieg. Kohl war für Clinton in außenpolitisch turbulenten Jahren ein sehr wichtiger Ansprechpartner.

Dmitri Medwedew Kohl hat Dmitri Medwedew als Politiker nicht kennengelernt. Als Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin wurde der Russe 2005 Vizeregierungschef und nach der zweiten Amtszeit von Putin 2008 zum Präsidenten Russlands gewählt. Als Staatsoberhaupt steuerte der heute 51-Jährige das Riesenreich vier Jahre lang durch die Finanzkrise und eine mögliche Annäherung an die USA an. 2012 tauschte er mit Putin wieder den Posten. Zurzeit plagen den eher blass wirkenden Politiker innenpolitische Konflikte: Oppositionelle lösten mit Korruptionsvorwürfen landesweite Proteste aus. Der Regierungschef fiel dabei bislang durch beharrliches Schweigen auf.

Emmanuel Macron Frankreichs Präsident ist erst seit rund eineinhalb Monaten im Amt, aber bereits ein Profi auf der Weltbühne. So traf er seinen US-Kollegen Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin. Auf europäischer Ebene strebt der 39 Jahre alte Senkrechtstarter eine enge Kooperation mit Deutschland an. Er plädiert für eine Reform der EU, mit einem Finanzminister für die Eurozone. Im Inland ist Macrons wohl größte Herausforderung der Antiterrorkampf. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle heimgesucht, fast 240 Menschen starben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Das Verhältnis von Angela Merkel zu Kohl war nicht einfach. Unter ihm war die heutige Bundeskanzlerin am Beginn ihrer Karriere zuerst Frauen- und Jugendministerin (1991-94) und später Umweltministerin (1994-98). "Sein Mädchen" nannte Kohl Merkel in dieser Zeit gerne. Im Dezember 1999 sorgte Merkel dann als CDU-Generalsekretärin mit einer öffentlichen Distanzierung in Kohls Spendenaffäre wesentlich für seinen Sturz. Seit 2005 ist die 62-Jährige Bundeskanzlerin und tritt im Herbst erneut als Spitzenkandidatin der CDU an.

(dpa)
 
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