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Idomeni/Samos/Calais
Mazedonien lässt wieder nur 200 Menschen ins Land

Idomeni/Samos/Calais. An der griechischen Nordgrenze bleibt die Lage der Flüchtlinge prekär. Und der Zustrom über die Ägäis-Inseln hält an.

Das schöne Wetter passt so gar nicht zu der verzweifelten Lage im nordgriechischen Lager Idomeni. Zwischen Hunderten bunten Kuppelzelten entlang der Bahngleise herrscht so etwas wie Campingatmosphäre. Doch auf einigen Zelten prangt in schwarzer Sprühfarbe: "Open the border" ("Öffnet die Grenze") und "Help us" ("Helft uns"). Hier im Norden Griechenlands staut sich der Flüchtlingszug der Balkanroute. Inzwischen warten rund 10.000 Menschen darauf, durch den stark befestigten mazedonischen Grenzzaun gelassen zu werden - einige seit Tagen. Die verzweifelten Menschen, viele aus Syrien und dem Irak, wollen weiter in Richtung Norden, Richtung Mitteleuropa.

Am Morgen öffnet sich das kleine Tor im Maschendrahtzaun kurz; etwa 200 Menschen dürfen über die Grenze. Als sich die Tür im Zaun wieder schließt, drängen die Zurückgebliebenen panisch nach vorn, um es doch noch zu schaffen. Tränen fließen, bittere Enttäuschung in den Gesichtern.

Und der Druck auf die griechisch-mazedonische Grenze scheint nicht nachzulassen. Knapp 600 Kilometer weiter südlich, in der Hafenstadt Piräus auf dem griechischen Festland, sind gestern wieder mehr als 1000 Migranten von den Ägäis-Inseln angekommen - etwa so viele wie in den vergangenen Tagen. Eine der Inseln in der Ost-Ägäis, die besonders stark von dem Zustrom aus der Türkei betroffen ist, ist Samos.

Hier gehört die Flüchtlingskrise schon längst zum Alltag. Im Hafen des Ortes Vathy fahren italienische und schwedische Rettungsboote, die griechische Küstenwache und neuerdings auch zwei Patrouillenboote der deutschen Bundespolizei ganz selbstverständlich ein und aus. Immer wieder retten sie vor allem nachts Flüchtlinge aus dem Meer und bringen sie zur Insel.

Dort werden die Menschen registriert und vorübergehend in einem Auffanglager am Stadtrand untergebracht. Rund 1000 Migranten befinden sich derzeit auf der Insel. Viele hoffen auf die Weiterfahrt zum griechischen Festland, um weiterzukommen auf der schweren Reise durch Europa. Doch auf dem griechischen Festland ist die Lage angespannt - und viele der Flüchtlinge, die jetzt Samos erreichen, sollen vorerst dort bleiben.

Auch diejenigen, die es durch Europa geschafft haben, blicken in eine ungewisse Zukunft. Seit Tagen wird der berüchtigte "Dschungel von Calais" von französischen Behörden geräumt. Hier harren seit Jahren Flüchtlinge mit der Hoffnung aus, von der Kanalküste aus nach Großbritannien zu kommen. Doch knapp die Hälfte des Camps soll nun verschwinden, weil die Lebensbedingungen dort aus Sicht der Behörden nicht haltbar sind.

Beschützt von bewaffneten Bereitschaftspolizisten, nehmen sich Bauarbeiter die Zelte und Hütten im südlichen Teil des Camps vor. Meter um Meter arbeiten sie sich mit Brechstangen und Baggern vor; es bleibt nur platte Erde. Die Regierung hat allen Betroffenen einen Platz in einer nahen Containersiedlung oder neuen Zentren in ganz Frankreich angeboten. Aber viele wollen die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch Großbritannien zu erreichen. Sie verschwinden einfach im Wirrwarr des Camps, suchen sich einen neuen Platz.

(dpa)
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