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Anti-Doping-Gesetz
DFB-Schatzmeister rühmt "Integrität des Sports"

Paris/Berlin. Der Bundestag hat mit den Stimmen der großen Koalition das Antidopinggesetz verabschiedet. Erstmals drohen dopenden Sportlern strafrechtliche Sanktionen bis hin zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren. 

Hintermänner müssen in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem "sportpolitisch historischen Tag".

Im Gesetz enthalten ist eine "uneingeschränkte Besitzstrafbarkeit". Das heißt, schon der Fund einer Tablette oder Pille eines Dopingmittels hat strafrechtliche Konsequenzen. Über diesen Punkt war in den letzten Jahren vehement gestritten worden. Bislang war nur der Besitz "nicht geringer Mengen" strafbar. Es gibt allerdings auch Einschränkungen: Sollte ein Athlet nach Beschaffung von Dopingmitteln ein schlechtes Gewissen bekommen und die ungenutzten Präparate im Zuge einer "tätigen Reue" zurückgeben, bleibt dies ungesühnt. Auch muss nachgewiesen werden, dass der Besitz von verbotenen Mitteln tatsächlich zum Zweck des Dopings genutzt werden sollte.

Die Rede von Reinhard Grindel zum Thema stand unter besonderer Beobachtung. Man verband damit größtenteils nicht die Erwartung, gravierend neue Denkanstöße von dem 54-jährige Bundestagsabgeordneten zu bekommen. Interessanter war, ob und wie er als Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sich positionieren würde. Grindel sprach in seinem zehnminütigen Beitrag von "der Integrität des Sports", von seiner "Strahlkraft", von seiner Verantwortung. Der CDU-Politiker vermied dabei auffällig die Worte "Fußball" und "DFB".

Angesichts seiner bislang ehrenamtlichen Tätigkeit für den DFB ist er in die Kritik geraten. In der Tat ist es ein schwieriger Balanceakt, dass er innerhalb des Verbandes maßgeblich verantwortlich ist für die Aufklärung des Skandals um die WM. Als Mitglied des Sportausschusses des Bundestags wirkt er dann an der parlamentarischen Aufarbeitung mit - ohne sich mit seinem Wissen einzubringen. Interessenskonflikte hat er stets von sich gewiesen. Grindel gilt als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des DFB-Präsidenten.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird am kommenden Freitag zu einer Präsidiumssitzung zusammenkommen und sich dabei im Optimalfall auf einen Präsidentschaftskandidaten einigen. "Wir werden dabei die Marschroute festlegen, wie schnell es einen Präsidenten geben wird", sagte Rainer Koch, der den Verband nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach gemeinsam mit Reinhard Rauball interimsmäßig führt, der ARD.

Derweil bestätigte Rauball, dass "Franz Beckenbauer über sein Büro Kontakt mit uns aufgenommen und erklärt hat, er sei bereit, den Verantwortlichen Rede und Antwort zu stehen". Man sei aber der Meinung, dass "es zunächst einen zweiten Termin bei Freshfields (dem unabhängigen Aufklärer, d. Red.) geben muss."

Auch der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wusste nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung§ von dem dubiosen Vertragsentwurf zwischen WM-Organisationsboss Franz Beckenbauer und dem früheren Fifa-Vize Jack Warner. Demnach soll der am 2. Juli 2000 aufgesetzte Vertrag, der Zusagen von Beckenbauer an Warner und dessen Verband (Concacaf) für die Karibik, Nord- und Mittelamerika enthielt, Mayer-Vorfelder einen Monat später mit einer begleitenden Aktennotiz präsentiert worden sein. Mayer-Vorfelder war am 17. August 2015 verstorben.

(gic/sid)
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