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Vettels Traum droht zu platzen
Sechs Sekunden und die Folgen

Großer Preis von Singapur 2017: Pressestimmen
Großer Preis von Singapur 2017: Pressestimmen FOTO: ap
Sepang. Der Crash von Singapur bleibt in Erinnerung, im Saisonendspurt hat er Sebastian Vettel der größten Chancen beraubt. Und doch gibt es Dinge, die den Deutschen noch hoffen lassen.

Sechs Sekunden haben alles verändert für Sebastian Vettel. Nur ein paar Augenblicke war der Ferrari-Pilot in Singapur unaufmerksam, doch der dann folgende Startunfall hat Einfluss auf das ganze Jahr - er könnte Vettels Saison zerstört haben. Am Sonntag (9.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) beginnen mit dem Großen Preis von Malaysia die letzten sechs Rennen, und Vettel ist gegen Mercedes-Star Lewis Hamilton klarer Außenseiter.

"So einen Rückschlag muss man wegstecken", sagt Vettel zwar: "Ich kämpfe weiter." Doch gut möglich, dass sich nun eine Vision erfüllt, die Toto Wolff schon im Frühjahr hatte. "Ich denke, der Kampf um die WM wird durch einen Ausfall entschieden", sagte der Mercedes-Motorsportchef damals angesichts des engen Duells.

Und Vettels Unfall war nun die Premiere. Im 14. Saisonrennen kam erstmals einer der beiden Rivalen nicht ins Ziel - ausgerechnet auf der Strecke, die aufgrund ihrer Charakteristik fest eingeplant war für einen Ferrari-Sieg. Vettel hat jetzt 28 Punkte Rückstand auf Hamilton. Holt der Engländer am Sonntag seinen vierten Sieg in Serie und Vettel wird nicht Zweiter, darf sogar schon wieder gerechnet werden: Dann nämlich könnte Vettel nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden. Hamilton würden fünf zweite Plätze in den restlichen Rennen auf jeden Fall reichen.

Und deshalb war es ein so riskantes, unüberlegtes Manöver, das Vettel in Singapur wagte. Als Titelkandidat mit allen Trümpfen "gehe ich in der ersten Kurve nicht ein solches Risiko ein", sagt auch Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams. Und Hamilton frohlockte zuletzt in einer Talkshow, es sei "großartig", dass Vettel in diesem Jahr schon so manche Schwäche offenbart habe.

Hamilton liegt nach Problemen zu Saisonbeginn mittlerweile klar auf Kurs für seinen vierten Titel, auch seinen Stallrivalen Valtteri Bottas (51 Punkte zurück) hat er abgehängt. So groß ist der teaminterne Vorsprung, dass auch eine Stallregie bei Mercedes allmählich möglich scheint, das wäre ein weiteres Problem für Vettel.

Alles verloren also? Es gibt durchaus noch Ansätze, die dem viermaligen Champion Hoffnung machen dürfen. Zum einen hatte Mercedes trotz des Sieges in Singapur große Probleme mit der Balance des Autos, der Ferrari funktionierte erneut gut.

Zum anderen gebe es eben "noch genügend Rennen, um den Rückstand aufzuholen. Ich glaube fest daran", sagte Vettel der Sport Bild. Und in diesen dürfte das Kräfteverhältnis nicht ganz so eindeutig sein, wie es auf den ersten Blick wirken mag. Malaysia ist zwar Mercedes-Land, "die Charakteristik der Strecke mit ihren flüssigen Kurven und langen Geraden sollte unserem Auto gut liegen", sagt Wolff.

Allerdings sind über Sepang in der ganzen Woche Gewitter möglich, ein Qualifying oder Rennen im Regen würde vieles ändern. Für den anschließenden Grand Prix in Japan (8. Oktober) und den vorletzten WM-Lauf in Brasilien (12. November) darf Ferrari sich zudem gute Chancen ausrechnen, in Mexiko (29. Oktober) und beim Finale in Abu Dhabi (26. November) scheinen Überraschungen zumindest möglich. Als absolute Mercedes-Strecke bleibt dann nur noch der Kurs in Austin (22. Oktober).

So oder so wird Vettel zusätzlich wohl zumindest einen größeren Aussetzer von Hamilton benötigen. Aber für einen solchen reichen ja schon wenige Sekunden.

(sid)
 
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