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Bayer Leverkusen
Bayer-Profis bezahlen bitteres Lehrgeld

Einzelkritik: Brandt und Henrichs beste Leverkusener
Einzelkritik: Brandt und Henrichs beste Leverkusener FOTO: dpa, fg fpt
Leverkusen. Das Team von Roger Schmidt wurde in der Vorbereitung mit viel Lob überschüttet - bislang tut sich die Werkself schwer, in Tritt zu kommen. Von Stefanie B.-Sandmeier

Julian Brandt hatte einen feuerroten Kopf als er vor die Mikrofone trat. Bayers Offensivmann war die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. In seinen Aussagen schwang eine gehörige Portion Unzufriedenheit mit. "Wenn man den Spielverlauf sieht, hatten wir es auch nicht verdient zu gewinnen", sagte der 20-Jährige, der sich bis zum Schluss bemüht hatte, dieses 2:2-Unentschieden doch noch irgendwie abzuwenden.

Zu diesem Zeitpunkt in der Endphase der Partie hatte Bayer 04 - wie in der gesamten zweiten Halbzeit - aber keine spielerischen Mittel mehr, dieser Partie zumindest noch ein Happy End zu verpassen. Viel zu viel war schief gelaufen nach der verdienten, aber eben nur scheinbar sicheren 2:0-Führung. Admir Mehmedi (8.) und Hakan Calhanoglu (15.) hatten für zwei wunderschöne Tore gesorgt. Die Werkself war - wie man so gerne im Fußballjargon sagt - am Drücker. Sie kreierte eine Chance nach der nächsten und schien so sehr Gefallen daran zu finden, dass sie das Entscheidende dabei jedoch vergaß: das Tore schießen. Auf leichtfertige Art und Weise wurden weitere schöne Gelegenheiten einfach ausgelassen.

"Wenn man das Spiel gesehen hat, muss man schon von uns erwarten, dass wir mit so einer Situation reifer und souveräner umgehen. Wenn wir das vermissen lassen, werden wir knallhart bestraft", ärgerte sich Trainer Roger Schmidt.

Mancher im Stadion fühlte sich bereits an vergangene Europapokal-Abende erinnert, als Bayer 04 ebenso fahrlässig Führungen verspielte oder mit phasenweise ähnlich glanzvollen Auftritten Rückstände wieder aufholen musste. Was dieses 2:2 gegen Moskau aber zu einer gefühlten und umso bittereren Niederlage machte ist die Tatsache, im Gefühl des sicheren Sieges und als haushoch überlegene Mannschaft in den Modus der Überheblichkeit verfallen zu sein. "Wir haben aufgehört, gegen den Ball zu arbeiten, leichtfertig Bälle verloren und das Arbeiten eingestellt", kritisierte Schmidt.

Selbst die beiden Auswechslungen von Chicharito und Hakan Calhanoglu zur Pause, für die Joel Pohjanpalo und Charles Aránguiz kamen, verfehlten ihre Wirkung. Wenig später verließ auch noch Kapitän Lars Bender mit Muskelproblemen den Rasen, die sich im Nachgang als schwerer Krampf erwiesen. Torhüter Bernd Leno konstatierte, dass "uns im letzten Drittel die Mittel gefehlt haben. Ich hoffe, dass diese beiden verlorenen Punkte nicht entscheidend sind".

Was er damit meinte: Tatsächlich könnte das unnötige Remis gegen die Russen in der Endabrechnung der Gruppe das Zünglein an der Waage sein. Der AS Monaco hat mit seinem Sieg gegen Tottenham die Spitze übernommen. Um das eigene Unentschieden zu korrigieren, darf sich Bayer 04 in den beiden verbleibenden Heimspielen gegen Monaco und Tottenham keine Blöße geben. "Das war heute eine Riesenchance, mit drei Punkten in die Champions League zu starten. Das haben wir uns selbst verbaut", haderte Julian Brandt.

Die anfängliche Euphorie, die sich rund um die Werkself mit Blick auf diese Spielzeit entfacht hatte, ist damit bereits ein wenig verflogen. Bislang tun sich die Spieler noch schwer, in Tritt zu kommen oder - wie gegen Moskau gesehen - in Tritt zu bleiben. Einer der Schlüsse ist, dass selbst eine mit hochwertigen Einzelspielern bestückte Mannschaft eben auch ihre Zeit braucht, um richtig Fahrt aufzunehmen.

Schmidt wird auf den Lerneffekt setzen und hoffen, dass die Reaktion auf dieses erste Champions-League-Spiel nicht lange auf sich warten lässt. Am Samstag bereits kann seine Mannschaft den Eindruck von "Sorglosigkeit" und fehlender "Demut", wie der 49-Jährige selbst bemängelte, bei Eintracht Frankfurt wieder korrigieren.

Sport Seite

Quelle: RP
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