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Borussia Mönchengladbach
Schuberts Borussia mit toller Tor-Tendenz

Borussia Mönchengladbach: Borussia mit toller Tor-Tendenz
Oscar Wendt traf dreimal in der Hinrunde. FOTO: AP
Mönchengladbach. Die Gladbacher erzielten in zwölf Spielen mit dem Trainer 32 Tore. Das sind 2,67 im Schnitt. Den schafften nicht mal Weisweilers Fohlen. Von Karsten Kellermann und Thomas Grulke

Hennes Weisweiler mochte Tore. "Mit ist ein 4:3 lieber als ein 1:0", sagte Borussias Meistertrainer dereinst. Weisweiler, der die schönen Seiten des Lebens ebenso mochte wie den schönen Fußball, ließ seine "Fohlenelf", vor allem die der ersten Jahre, meist wild nach vorn galoppieren, das Gladbacher Spiel war oft ein Spektakel. Keine Borussia schoss mehr Tore als die Weisweilers: 2,22 Gladbacher Bundesliga-Treffer gab es im Schnitt zu bestaunen in jenen Jahren. Das war ein Rekord. Bis jetzt. Denn die Borussia der Gegenwart ist noch torhungriger als die legendäre "Torfabrik" Weisweilers.

André Schubert, der Trainer der Gegenwart, wurde im Jahr der zweiten Gladbacher Meisterschaft geboren. In Kassel indes, also recht weit weg vom Niederrhein. Doch Borussias Trainer der Gegenwart denkt wie sein großer Vorgänger: "Wir wollen eher 3:2 als 1:0 gewinnen", sagte Schubert nach dem 3:2 gegen Darmstadt. Selbst in Unterzahl ließ er sein Team auf Sieg spielen, Oscar Wendt erzielte dann auch das erwünschte Tor, es war das 32. Liga-Tor im zwölften Ligaspiel. Das ist ein Schnitt von 2,67 Toren pro Spiel.

Das Hinrunden-Zeugnis der Borussia FOTO: afp, agz

Ende 2015 ist Schuberts Borussia also die produktivste aller Gladbacher Torfabriken. Allerdings darf man dies bestenfalls als eine interessante Tendenz werten, denn gerade mal ein Dutzend Spiele ist zu wenig, um eine Legende daraus zu machen. Die originale Fohlenelf schoss in 340 Spielen 756 Tore.

Gleichwohl: Der Schubert-Stil ist ganz auf das Tor gerichtet. Keine Mannschaft spielt mehr brauchbare Pässe im Strafraum (beim 3:1 gegen die Bayern kamen 20 von 28 an) und keine hat mehr Tormacher (sechs), die mindestens dreimal trafen, nicht mal die Bayern oder der BVB. Lars Stindl ist der Vorarbeiter in dieser Disziplin. Sein Sturmpartner Raffael, sonst so introvertiert, wird angesichts des ungehemmten Offensivdrangs zum Jubelbiest und die Defensivspieler (Wendt, Nordtveit, Korb) zu Tormaschinen.

Titel jedoch, die gab es für "Hennes" erst, als er auch hinten den Laden dichtmachte - mit den Haudegen Luggi Müller und Klaus-Dieter Sieloff, die 1969 kamen. Günter Netzer hatte den Trainer überzeugt, dass Wildheit allein zwar schön, aber letztendlich nicht wirklich erfolgreich ist.

Bundesliga : Die Chancenverwertung der Klubs FOTO: dpa, fg hak

André Schubert kennt natürlich die Geschichte, und auch er weiß, dass Spiele vorn, Meisterschaften aber hinten gewonnen werden. Er mag das Spektakel, ja, doch die ultimative Ausprägung wäre die: "Vorn ganz, ganz viele Tore schießen und hinten keines bekommen." Zu Null spielte Schuberts Borussia bislang in der Liga nur zweimal: beim 2:0 gegen Wolfsburg und beim 0:0 gegen Ingolstadt. Der Ansatz mit dem hohen Pressing und der ständigen Hatz nach dem Ball ist laufintensiv und setzt volle Akkus voraus - als die Batterien zuletzt leer waren, war es ein Spektakel in beide Richtungen. 50 Tore (im Schnitt 4,18) gab es in den zwölf Schubert-Spielen und 1,5 Gegentore im Schnitt. Zu Zeiten Weisweilers waren es 1,37.

Die Balance zwischen offensiver und defensiver Quote hat in den ersten Spielen unter Schubert "besser funktioniert", gesteht der Trainer. "Für die Art und Weise, wie wir es da gespielt haben, brauchen wir aber eine gewisse Fitness - geistig und körperlich. Die ist uns ein wenig abhandengekommen", sagte Schubert. Bis zum 5. Januar haben seine Anvertrauten nun Zeit, um die Batterien aufzuladen. Dass die Gegentore mehr wurden, als die Borussen begannen systemisch variabler zu werden, weiß auch Schubert. Er wird die Vorbereitung nutzen, um die Automatismen im neuen Ansatz zu schulen.

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap

Er kann dabei auf ein ausgezeichnetes Defensiv-Know-How im Team zurückgreifen: Denn sein Vorgänger Lucien Favre gönnte dem Gegner keine Tore. 1,07 Gegentreffer (bei 1,46 erzielten Toren) gab es im Schnitt - nie waren es weniger. "Besser 1:0 als 4:3" war Favres Motto, ihm war schöne Kontrolle lieber als ein schönes Spektakel. Seine Borussia lebte es: Das am meisten erzielte Sieg-Resultat der Favre-Ära war das 1:0. Das gab es unter Schubert noch nicht. Es passt auch nicht zur Quote. Vorn und hinten.

Quelle: RP
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