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Borussia Mönchengladbach
Favre muss Gladbach neu einstellen

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Mönchengladbach. Momentan steht die Elf von Trainer Lucien Favre auf dem lezten Tabellenplatz. Gegen den Hamburger SV am Freitagabend will er die Wende hinbekommen. Von Karsten Kellermann

Als hätte Lucien Favre, der Trainer des Bundesliga-Schlusslichts Borussia Mönchengladbach, nicht schon genug zu tun. Plötzlich fand er sich auf einer Liste von Tatverdächtigen wieder. In einem Mordfall. Es war indes nur eine Fiktion, erdacht vom Autor des Schweizer Tatorts am Sonntag. Favre nahm's gelassen.

Schließlich hat der Fußballprofessor aus der Westschweiz gerade ganz andere Dinge zu bedenken. Er muss sein Team neu formatieren. Das kennt er als Gladbacher Trainer längst. Denn: "Die Besten werden immer gehen", sagt Favre. Sein Arbeitgeber spielt zwar in dieser Saison bei den Großen Europas mit, doch was die Finanzen angeht, sind andere, auch in der Bundesliga, viel größer. Die Bayern, Wolfsburg, Dortmund, Leverkusen. Denen hat Favres Team in der vergangenen Saison dennoch Paroli geboten.

Doch nun ist Favre auf der Suche nach der dabei gezeigten Perfektion des Spiels. Die ist verloren gegangen zwischen den Spielzeiten, wohl auch, weil Max Kruse und Christoph Kramer, zwei Strukturspieler des Vorjahres, zu denen entschwunden sind, die finanziell potenter sind: Wolfsburg und Leverkusen. Favre vergleicht seine Teams gern mit einem "Kuchen" - und wenn der gelingen soll, müssen die Zutaten optimal zusammenpassen. Wenn das nicht so ist, "können wir gegen jedes Team verlieren". Das war in den ersten drei Spielen der Saison der Fall. Nun steht die vierte Partie an - und Favre hofft, für das Treffen heute mit dem Hamburger SV (20.30 Uhr) eine ertragreiche Mischung zu finden.

Dabei wird es zuvorderst darum gehen, defensive Stabilität zu haben, auf deren Basis der Rest stattfindet. Was das angeht, ist die Rückkehr von Kapitän Martin Stranzl wichtig. "Er wird wahrscheinlich spielen", kündigt Favre an. Stranzl, der zuletzt am 22. März in München dabei war, ist der Vorarbeiter des Borussen-Teams, ein echter Anführer. So einer fehlte zuletzt. "Er ist als Spieler und Typ wichtig für uns", sagt Favre. Ob er den kämpferischen Aspekt weiter ausbaut, zum Beispiel mit dem unermüdlichen André Hahn im Sturmzentrum, oder ob er Josip Drmic stürmen lässt, wird sich erweisen. Und auch, wie er den gesperrten Granit Xhaka vor der Abwehr ersetzen wird.

Für Favre ist diese Saison vielleicht die größte Herausforderung seiner Zeit in Gladbach. Die Gemengelage aus der rauschhaften Vorsaison, der Champions-League-Teilnahme und dem Ist-Zustand in der Bundesliga ist kompliziert. Die Erwartungen sind gestiegen, Borussia wird als gestraucheltes Topteam wahrgenommen, schon werden die ersten Quervergleiche zu Dortmunds Absturz in der vergangenen Spielzeit herangezogen. "Wir wussten, dass es holprig wird. Aber dass wir mit null Punkten starten, damit haben wir nicht gerechnet. Jetzt sollte auch der Letzte verstanden haben, dass es in dieser Saison ganz harte Arbeit wird", erklärt Manager Max Eberl.

Es gab in der Favre-Ära schon häufiger Phasen, in denen er sich im Versuch-und-Irrtum-Verfahren herangetastet hat an die richtige Mixtur aus spielerischem Geschick, defensiver Stabilität, Wagemut und Kampfgeist. "Es war klar, dass es eine Weile dauern wird", befindet Favre. Aber gegen den HSV muss es passen, denn es müssen Punkte her, "egal wie", sagt Torwart Yann Sommer. Sonst würde sich die Situation verschärfen: sportlich sowieso, aber auch mental. Und das wäre auch nicht eben förderlich für den Start in die Champions League am Dienstag in Sevilla.

Selbst bei einer Niederlage gegen den HSV wird es bei der Borussia keine Diskussion über Favre geben. Der Schweizer sei "absolut unrauswerfbar", sagte Eberl der "Bild" und betonte angesprochen auf eine mögliche Entlassung Favres: "An so was verschwende ich keinen Gedanken."

Quelle: RP
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