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Borussia Mönchengladbach
Stranzl dürfte Schluss machen

Stranzl gibt Comeback und stimmt die "Humba" an
Stranzl gibt Comeback und stimmt die "Humba" an FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Martin Stranzl hat am Dienstag einen Termin, zusammen mit Borussias Sportdirektor Max Eberl. Eine Pressekonferenz gibt es im Borussia-Park, und es ist anzunehmen, dass es um die Zukunft des österreichischen Verteidigers, der aktuell aufgrund eines Muskelfaserrisses außer Dienst ist, gehen wird. Von Karsten Kellermann

Angesichts der jüngeren Verletzungshistorie Stranzls ist denkbar, dass er seine aktive Karriere beenden wird nach fast 20 Jahren. Die letzten fünf verbrachte er in Gladbach und gehörte dabei zu den Helden des großen Aufschwungs, der Borussia vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Teilnehmer werden ließ.

Stranzl hatte zuletzt beim Heimspiel gegen Bremen einen wundervollen Moment, als er ein Kurz-Comeback feierte nach der schweren Gesichtsverletzung, die er sich beim 0:3 gegen den Hamburger SV, seinem zuvor einzigen Spiel dieser Saison zugezogen hatte. Er spielte gegen Werder ein paar Minuten und wurde dann von den Fans gefeiert. Doch kurz danach kam der Musekelfaserriss. Irgendwann ist die Kraft weg, sich noch einmal ran zu kämpfen, auch wenn man ein Kämpfer wie Stranzl ist. Dienstag, so ist zu vermuten, wird Stranzl verkünden, dass der Zeitpunkt gekommen ist.

Das 5:1 gegen Werder war dann vielleicht Stranzl letztes Profispiel. Monströse 466 Einsätze (23 Tore, 16 Vorlagen, 80 Gelbe Karten, 4 Gelb-Rote Karten und 5 Rote Karten) hatte er als Berufsfußballer bis heute in verschiedensten Ligen und Wettbewerben, 256 davon der in der Bundesliga und 95 in der ersten russischen Liga während seines Abstechers zu Spartak Moskau. 

Von dort holten ihn im Winter 2011 Sportdirektor Max Eberl und der damalige Trainer Michael Frontzeck als Nothelfer im Abstiegskampf. Stranzl, der die meiste Zeit seiner Laufbahn Innenverteidiger war, wurde sogleich zum Boss im Team, er führte die vielen jungen Wilden weise, auch mit harter Hand an. Stranzls Wort hatte (und hat auch noch weiterhin, das ist sicher) Gewicht in der Gladbacher Kabine. Für Ex-Trainer Lucien Favre war er der verlängerte Arm auf dem Spielfeld. Als Favres Zeit zu Beginn der Saison zu Ende ging, fehlte ihm sein Boss auf dem Rasen. Bei André Schubert gab es nur die paar Stranzl-Minuten gegen Bremen, ansonsten war der Abwehrmann verletzt.

Es ist ein Typ, der in Stranzl die Bundesliga-Bühne verlässt, die er am 1. Mai 1999 bei einem 1:4 des TSV München 1860 bei Hansa Rostock als Einwechselspieler in der 90. Minute betrat. Granteln kann er richtig gut als Österreicher, und bissig kann er sein. Vor allem war er unangenehm für seine Gegenspieler. Wer mit ihm ins Duell Mann gegen Mann musste, der wusste: Das kann wehtun. Nicht unfair, aber kompromisslos gegen sich und andere ging Stranzl stets zu Werke – das machte seine Qualität aus.

Möglich, dass Stranzl künftig in anderer Tätigkeit Borussia erhalten bleiben wird. Er habe definitiv eine Zukunft bei Borussia, hatte Max Eberl zuletzt gesagt. Nun wohl eben nicht mehr als Spieler. Wenn der Körper nicht mehr mitmache, sei Schluss, das hat Stranzl schon öfter klargestellt.

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