| 13.29 Uhr

Passivität in der Abwehr
Nur Köln und Freiburg sind großzügiger als Borussia

Borussia Mönchengladbach: Nur 1. FC Köln und SC Freiburg lassen mehr zu
Dieter Hecking beim Spiel gegen Mainz. FOTO: dpa, mb gfh
Mönchengladbach. Borussia lässt, wie beim 1:1 gegen Mainz zu beobachten war, viel zu viele Abschlüsse des Gegners zu. Immerhin konnte Jannik Vestergaard mit seiner beeindruckenden Kopfballstärke auf der anderen Seite diese Schwäche ausbügeln. Von Jannik Sorgatz

Yann Sommer sieht nur bei Distanzschüssen gut aus

Auch nach dem überzeugenden Auftritt der Mainzer in Gladbach listet das Portal "whoscored.com" lediglich eine Stärke der Mannschaft von Sandro Schwarz auf: das Kreieren von Chancen per Fernschuss. Schon in der Anfangsviertelstunde war Yann Sommer am Samstag mehr in der Luft unterwegs als ein Pilot der Swissair (der hoffentlich stets besser vom Boden wegkommt als der Torwart beim 0:1). Im Strafraum lag das Torschussverhältnis bei 8:8, außerhalb bei 1:12 aus Gladbacher Sicht. Wie die Mainzer es ungehindert aus allen Lagen versuchen durften, war erstaunlich. Nur der SC Freiburg und der 1. FC Köln lassen insgesamt mehr Abschlüsse zu als Borussia, von den 98 Vereinen in Europas Topligen sind es lediglich acht. Daran gilt es, in den kommenden Wochen dringend zu arbeiten. Dass kein Mainzer Weitschuss ins Ziel fand, war spätestens bei Alexandru Maxims Freistoß in der 89. Minute pures Glück.

Borussias zwei Gesichter

Dass eine Gastmannschaft im Borussia-Park 20 Torschüsse abgeben darf, ist erstaunlich. Aber es passt ins Bild eines zu Hause ganz besonders wankelmütigen Hecking-Teams. Nur zuletzt im September gegen den VfB Stuttgart und Hannover 96 sind ihm zwei Heimsiege in Folge gelungen. Den 21 Punkten in 14 Heimspielen des Jahres 2017 stehen 25 in 15 Auswärtsspielen gegenüber. Am Samstag gab es am Ende beider Halbzeiten ein Pfeifkonzert, das ähnlich enorm war wie die Räume für Mainz. Auswärtsfahrten machen den Fans derzeit weitaus mehr Spaß. In zwei Wochen werden wieder mindestens 8000 von ihnen nach Berlin reisen.

Der torgefährlichste Abwehrspieler der Liga

Lars Stindl ist noch unangefochten die Nummer eins, aber Jannik Vestergaard hat seit dem elften und letzten Treffer des Kapitäns in Bremen mächtig aufgeholt. Drei Tore aus den vergangenen vier Spielen stehen für den Dänen zu Buche, insgesamt sieben in diesem Kalenderjahr. Damit liegt Vestergaard vor Raffael (sechs) und Thorgan Hazard (fünf) auf Platz zwei. Der 25-Jährige löst sein Torgefahr-Versprechen, das alleine seine 1,99 Meter Körpergröße aussprechen, mehr und mehr ein, vor allem seit er häufiger die unteren Ecken anpeilt. Nur sollte Vestergaard am besten nicht Stindl einholen – denn das wäre wohl nur möglich, wenn der weiter so wenig Bindung zum Spiel findet wie in den vergangenen drei Wochen.

Auch User-Schiedsrichter sind sich nicht einig

Wenn der Videobeweis auch in der 17. Minute gegen Mainz zum Einsatz gekommen wäre, hätte Stindl mindestens das Spiel gegen Hertha BSC und wohl auch das gegen FC Bayern verpasst. Doch Schiedsrichter Sven Jablonski und Video-Assistent Wolfgang Stark ersparten ihm Rot wegen einer Notbremse, nachdem er Jean-Philippe Gbamin aus dem Tritt gebracht hatte. 58 Prozent waren bei unserer User-Standbild-Abstimmung der Meinung, ein Pfiff wäre gerechtfertigt gewesen. 53 Prozent hätten vor dem 0:1 auf ein Foul von Yoshinori Muto an Yann Sommer entschieden. Klarer fiel das Votum für ein Foul von Suat Serdar an Matthias Ginter vor dem vermeintlichen 0:2 aus (86 Prozent). Immerhin 74 Prozent hätten einen Handelfmeter gegeben, als sich Abdou Diallo in der zweiten Hälfte selbst gegen den Arm schoss.

U19 droht die Katastrophe

Borussias Unterbau bleibt ähnlich wankelmütig wie die Profis. Auf zuletzt herbe Heimklatschen ließ Arie van Lents U23 einen 2:0-Auswärtserfolg beim starken Überraschungsteam SV Rödinghausen folgen. Erst einmal ist wieder alles im Lot. Dagegen wird die Abstiegsgefahr für die U19 in der Bundesliga West immer größer. Beim FC Schalke gab es eine 1:6-Niederlage. Da Underdog Arminia Klosterhardt bei Arminia Bielefeld gewann, beträgt der Rückstand aufs rettende Ufer für die Mannschaft von Thomas Flath schon sechs Punkte, sie ist Vorletzter. Derzeit hat jeder Bundesligist bei den Großen auch eine erstklassige U19 – für Borussia wäre es katastrophal, wenn ausgerechnet sie das ändern würde.

 
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