1. Bundesliga 17/18
| 13.55 Uhr

Polizeieinsätze in der Bundesliga
Wer zahlt die Rechnung?

Polizeieinsätze in der Bundesliga: Wer zahlt die Rechnung?
Polizisten vor dem Bremer Weser-Stadion. FOTO: dpa, htf sup nic
Bremen/Frankfurt. Das Bundesland Bremen will nicht auf den Kosten für Polizeieinsätze rund um Fußballspiele sitzenbleiben. Die Hanseaten fordern von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine finanzielle Beteiligung. Seitdem wird fleißig diskutiert, wie die Kosten gerecht verteilt werden können. Von Gianni Costa

Das Bundesland Bremen hat chronisch klamme Kassen. Und weil das so ist, hatte man an der Weser eine Idee. Man versucht einfach, ein paar offene Rechnungen einzutreiben. Also schrieb man eine Rechnung an die Deutsche Fußball Liga. Die DFL, so stand es in dem Bescheid, solle 425.000 Euro zahlen, weil vor zwei Jahren beim Nordderby zwischen dem SV Werder und dem Hamburger SV ein großes Polizeiaufkommen nötig war.

Als juristische Grundlage dafür wurde eigens das Gebührenrecht der Hansestadt geändert. Dies gilt für alle Veranstalter mit Publikum ab 3000 Zuschauern und wurde erkennbar auf den Fußball zugeschnitten. In erster Instanz hat das Verwaltungsgericht Bremen dem Ansinnen des Bundeslandes eine Absage erteilt. Das geschah allerdings vor allem aus formalen Gründen. Es wurde nicht gesagt, man dürfe diese Kosten nicht eintreiben, sondern man müsse dafür eine nachvollziehbare Rechnung stellen. Bremen hat Einspruch eingelegt und will weiter klagen.

Der Fußball ist ein leichtes Ziel für populistische Forderungen. Man bekommt selbst für die krudesten Meinungen maximales Gehör auf einer großen Plattform. Dementsprechend simpel ist es, einer Öffentlichkeit zu vermitteln, dass ein wirtschaftlich angeschlagenes Land doch bitteschön vom reichen Fußball in seinem Wirken unterstützt werden sollte. Schließlich sei es ja der Fußball, der Krawallmachern eine Spielwiese böte, die Schutt und Asche hinterlassen, und für die Zeche müsse dann der Steuerzahler aufkommen. "Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist aber nun mal Aufgabe des Staates", sagt Andreas Hüttl (51), Strafverteidiger und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte. "Ich sehe da die DFL nicht in der Pflicht. Es ist grundsätzlich möglich, Kosten für Sicherheit weiterzugeben. Fluggesellschaften müssen auch einen finanziellen Beitrag leisten. Dazu ist es aber vonnöten, dass die Rechnung auch nachvollziehbar ist."

Im Fußball geschieht genau das aber nicht. Der Fußball ist so lukrativ, weil er vielen hilft, ihre Interessen bestmöglich zu verkaufen. Der Polizei und den Gewerkschaften, die auf die vielen Einsätze und darauf verweisen, ohne neue Stellen würden andere Aufgaben vernachlässigt werden. Den Politikern, die eben auf diese Tatsache hinweisen, und besonders im Umfeld von Wahlen neue Stellen in Aussicht stellen. Fast nie wird hinterfragt, ob so ein großer personeller Einsatz bei Sportveranstaltungen, und im Speziellen beim Fußball, nötig ist. In einigen Bundesländern, darunter NRW, wurde zwischenzeitlich abgerüstet, doch vielfach ist man zurück auf einem hohen Niveau. "Es wird von den Sicherheitsbehörden viel Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache betrieben. Da werden drei Busse abgefangen und 120 Verfahren wegen Landfriedensbruch eröffnet. Mit dieser Zahl brüstet man sich dann", erzählt Hüttl. "Dass die überwiegende Mehrheit der Verfahren sang- und klanglos eingestellt werden, findet in der Statistik natürlich keine Berücksichtigung."

Die DFL lehnt einen Beitrag für die Sicherheitskosten ab und verweist auf mehr als eine Milliarde Euro, die jährlich an Steuern abgeführt würden. Dazu kommen Kosten für private Sicherheitsausgaben. "Die Bundesligisten geben im Durchschnitt 140.000 Euro pro Spieltag für das Thema Sicherheit aus", sagt Claus Binz (66), Geschäftsführer des Instituts für Sportstättenberatung. "Dazu kommen siebenstellige Kosten, um hochauflösende Überwachungskameras, eine Leitstelle für Polizei und Feuerwehr sowie Arrestzellen zu finanzieren. Das alles wird als Standard bei einem Stadionneubau gefordert." Zu den Auflagen der DFL an die Klubs gehört auch, nur qualifiziertes Personal für den Sicherheitsdienst einzusetzen. Die Wahrheit ist aber: Es mangelt massiv an Fachkräften, mitunter wissen die eilig angeheuerten Aushilfskräfte nicht mal, welches Bundesligaspiel im Inneren des Stadions läuft.

Es gibt noch einige offene Rechnungen.

Quelle: RP
 
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