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1:3-Niederlage gegen Real
Eine schmerzhafte Erfahrung für den BVB

Pressestimmen: "Real entlarvt die Schwächen im BVB-System"
Pressestimmen: "Real entlarvt die Schwächen im BVB-System" FOTO: dpa, fg
Cristiano Ronaldo hat Borussia Dortmund gezeigt, dass man ihn nicht zum Toreschießen einladen sollte. Der BVB wirkte auf der großen Bühne gegen Real Madrid bemüht, aber häufig überfordert. Von Robert Peters, Dortmund

Cristiano Ronaldo hat eine seltsame Erfahrung gemacht. Nach sechs Spielen in der spanischen Liga hat die Tormaschine von Real Madrid noch keinen Treffer erzielt. Das lag auch an einer Sperre, die er erhielt, weil er im Supercup den Schiedsrichter schubste. Dass er es nicht verlernt hat, führte der Superstar unter den vielen Superstars von Real Madrid dem Dortmunder Publikum und der Borussia in der Champions League vor.

Zwei Treffer von Ronaldo bildeten die Grundlage zum 3:1-Erfolg des Titelverteidigers im zweiten Gruppenspiel (auch im ersten Gruppenspiel hatte Ronaldo zwei Tore zum 3:0 gegen Nikosia beigesteuert). Gareth Bale hatte Real früh in Führung gebracht, den Dortmunder Ehrentreffer besorgte Pierre-Emerick Aubameyang.

Die Gastgeber hatten durchaus ein paar Gelegenheiten, der Partie unter Umständen eine andere Richtung zu geben. "Aber wir hatten kein Spielglück", stellte Mittelfeldspieler Nuri Sahin fest, "das brauchst du auf dem Niveau." Der BVB ärgerte sich darüber, dass ihm Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden einen Handelfmeter verwehrte. Ein Strafstoß hätte zum Dortmunder 1:0 führen können. Und unmittelbar nach der Pause verhinderte Raphael Varane mit einer Grätsche auf der Linie den Ausgleich für die Gastgeber. Das waren die Momente, die Sahin meinte.

Aber jenseits der Hätte-wäre-könnte-Erörterungen lagen die Tatsachen. Die schuf Real mit einer über weite Strecken starken Raumaufteilung, taktischer und fußballerischer Klasse – und eben mit Ronaldo, den man bei Torgelegenheiten immer noch nicht zweimal zur Verwertung bitten muss.

BVB-Trainer Bosz: "Das war nicht das Dortmund-Niveau"

Real Madrid wirkt reifer und gedanklich überlegen

Das Dortmunder Spiel wirkte im Vergleich mit der reifen Vorstellung der Gäste aus Spaniens Hauptstadt bemüht, bescheiden und meist überfordert. Lücken in der Abwehrarbeit und Phasen der Ratlosigkeit im Aufbauspiel gegen die in aller Regel auch gedanklich überlegenen Spanier bestimmten die Begegnung aus Sicht der Gastgeber. Sie mussten schmerzhaft erfahren, wie groß der Unterschied zwischen dem Niveau der Bundesliga und den Anforderungen der Champions League ist. In der heimischen Liga werden Abstimmungsprobleme nicht derart konsequent bestraft wie in den Höhen Europas, und Defensivreihen wie die von Real machen das Leben schwerer als solche wie die von, nur zum Beispiel, Borussia Mönchengladbach.

So richtig überrascht hat das Sahin offenbar nicht. "Wir befinden uns in einer Entwicklung", erklärte der Mittelfeldmann, "wir dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Wir müssen versuchen, unser System auch auf diesem Niveau durchzuziehen."

Gegen Real Madrid blieb das ein frommer Wunsch, weil der Titelverteidiger elf Ausnahmespieler auf den Rasen bringt und Dortmunds Hoffnung auf einen "Sahnetag" (Sahin) nicht in Erfüllung ging. Die Gastgeber hatten 20, 30 Minuten, in denen sie nach dem Anschlusstreffer Druck erzeugten, aber zum Wanken brachten sie den Favoriten nicht.

"Das war nicht das Borussia-Dortmund-Spiel", sagte Trainer Peter Bosz. Er beklagte das mangelhafte Verhalten aller Spieler im Defensivspiel. "Wir verteidigen mit elf Mann, wir versuchen, mit elf Mann anzugreifen", stellte er fest, "das Defensivspiel war schlecht. Wir sind fast immer zu spät gekommen gegen einen Gegner, der fast keine Fehler macht."

Das war der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Mannschaften. Er hat vorerst mal große Folgen. Für Real steht nach zwei Siegen schon jetzt die Tür zur K.o.-Runde ein Stück offen, für Dortmund wird es nach zwei Niederlagen schwer. Sehr schwer.

 
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