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Analyse zu Bayern - Benfica
Mit den Händen in der Hosentasche wird es kompliziert

Einzelkritik: Vidal bester Bayer – Costa zu verspielt
Einzelkritik: Vidal bester Bayer – Costa zu verspielt FOTO: ap
Düsseldorf. Pep Guardiola hatte vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League Gegner Benfica Lissabon über den grünen Klee gelobt. Nicht jeder teilte die Einschätzungen des Trainers, nach dem 1:0 ist nun aber klar, dass das Rückspiel zumindest kein Spaziergang wird. Von Denis Canalp

Nach 109 Sekunden führten die Bayern bereits 1:0. Arturo Vidal hatte unbedrängt eingeköpft, Juan Bernat vorher noch unbedrängter flanken dürfen. Spätestens jetzt war Benfica das, was schon bei der Auslosung viele Experten geahnt hatten. Ein Freilos, ein Spielball für die übermächtigen Bayern, auf jeden Fall kein Stolperstein auf dem Weg ins Halbfinale. Doch nach 90 Minuten manifestierte sich dieser Eindruck von den portugiesischen Gästen nicht. Im Gegenteil: Benfica ist eine taktisch disziplinierte Mannschaft, die in der Defensive relativ wenig gegnerische Chancen zulässt und im Angriff durchaus für einen Treffer gut ist. Die Bayern haben sich eine gute Ausgangslage für das Rückspiel erarbeitet, haben es aber verpasst, schon vor dem Rückspiel in Lissabon eine Entscheidung herbeizuführen.

Und das hat Gründe. Zwar steigerte sich Benfica nach dem frühen Gegentreffer und wurde im Laufe der Partie immer mutiger, aber die Bayern ließen auch häufig die für ein Viertelfinale in der "Königsklasse" nötige Konzentration und Konsequenz vermissen. Besonders die Kreativabteilung des Rekordmeisters um Spielmacher Thiago und Außenbahnsprinter Douglas Costa machte nicht den Eindruck, als handele es sich in ihren Augen um einen Gegner auf Augenhöhe. Der Spanier mit brasilianischen Wurzeln und der Brasilianer übertrafen sich in der Durchführung lässiger Aktionen. Sie ließen es viel zu locker angehen: Hier noch ein Übersteiger, da ein überflüssiges Pässchen mit dem Außenrist oder ein Hackentrick. Die Bayern übertrieben es schlichtweg mit der brotlosen Kunst.

FC Bayern hat Glück, kein Tor zu kassieren

Unnötige Ballverluste, Fehlpässe und einige gefährliche Konter der Portugiesen waren die Folge. Dass Benfica die sich dadurch bietenden Chancen nicht konsequent nutzte, waren dem Unterleib von Arturo Vidal, dem Brustkorb von Javi Martinez, einer Glanztat Manuel Neuers und einem Blackout der Gäste geschuldet. Im Rückspiel müssen die Bayern unbedingt konzentrierter und zielstrebiger zu Werke gehen, wollen sie ein Ausscheiden in der Runde der letzten Acht vermeiden.

In den vergangenen vier Jahren erreichten die Münchner jedes Mal das Halbfinale. Das sollte auch in einer Woche möglich sein, allerdings sollten die jüngsten Auswärts-Ergebnisse der Bayern unter Guardiola in der K.o.-Phase der Champions League den Rekordmeister für die Aufgabe in Lissabon sensibilisieren. Denn während sie ihre vergangenen elf Heimspiele allesamt gewonnen haben, kassierten sie im Achtelfinale auswärts in Turin zwei Tore, im Vorjahr gab es im Halbfinale in Barcelona drei Gegentreffer, im Viertelfinale in Porto ebenfalls drei und bei Schachtjor Donezk im Achtelfinale lediglich ein 0:0.

Vidal beschert Bayern Traumstart gegen Benfica FOTO: afp

Nehmen die Bayern den Gegner im Rückspiel ernst, sollten sie dennoch ins Halbfinale einziehen. Sie besitzen zweifelsfrei die nötige Klasse, sich gegen Benfica durchzusetzen. Mit den Händen in der Hosentasche werden sie dieses Ziel allerdings nicht erreichen.

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