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100 Tage bis zur Endrunde
Angst vor neuen Anschlägen überschattet Vorfreude auf EM

Die Spielstätten in Frankreich
Die Spielstätten in Frankreich FOTO: dpa, sn mr
Paris. Ein Gespenst geht um in Frankreich – das Gespenst des Terrorismus. Und die Angst vor neuen Anschlägen von IS-Terroristen beeinflusst auch massiv die EURO 2016. Am kommenden Mittwoch (2. März) sind es noch 100 Tage bis zum Eröffnungsspiel der Europameisterschaft, Frankreich trifft am 10. Juni im Stade de France auf Rumänien.

In jenem Stadion muss auch Weltmeister Deutschland am 16. Juni sein Gruppenspiel gegen Polen austragen. Und in jenem Stadion wird am 10. Juli das Endspiel ausgetragen, das die Truppe von Bundestrainer Joachim Löw unbedingt erreichen will.

In jenem Nationalstadion, das 1998 im Pariser Vorort St. Denis für die Weltmeisterschaft errichtet worden war, kam es am 13. November 2015 während des Länderspiels Frankreich-Deutschland im Umkreis der Arena zu drei Bombenanschlägen von islamistischen Terroristen. Es wurden zwei Selbstmordattentäter und ein Chauffeur getötet. Insgesamt kamen am 13. November 2015 bei mehreren Attentaten, die auch im Zentrum von Paris verübt wurden, 130 Menschen um, 352 wurden verletzt.

"Die Sicherheit hat absolute Priorität"

Das verleitet Jacques Lambert, den lokalen Organisationschef der EM 2016, zur gebetsmühlenartigen Wiederholung seiner These: "Die Stadien, die Mannschaftshotels, die Trainingsplätze, die Hotels der Delegationen sind sicher, obgleich kein Mensch 100-prozentige Sicherheit garantieren kann. Die Sicherheit für erstmals 24 Mannschaften hat seit dem ersten Tag unserer Kandidatur absolute Priorität. Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo wussten wir, dass etwas passieren würde – nur nicht wann und wo. Die Sicherheitskräfte haben einen fabelhaften Job gemacht."

Das stimmt: die Terroristen waren nicht ins Stade de France gelangt. Weil das Spiel nicht abgebrochen wurde, kam es zu keiner Panik und die Polizei konnte unbehelligt von Menschenmassen ermitteln, ob es weitere Mittäter im Umfeld gibt. Nach Abpfiff blieben aus diesem Grund die Stadiontore verriegelt und die Fans durften auf's Spielfeld.

Auch Kinder werden abgetastet

Natürlich will Lambert, ein früherer Regierungsbezirkspräsident, nicht verraten, welche konkreten Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Klar ist nur, dass es weiträumig um die Stadien einen ersten Kontrollring geben wird und dass alle Besucher – auch Kinder – professionell abgetastet werden. Allzu spät sollte man sich also nicht zu den Spielen aufmachen, denn auch die Autos, die zu den ausgewiesenen Parkplätzen kommen, werden kontrolliert.

Das meiste Kopfzerbrechen bereiten die Fanzonen, in denen von den zehn Ausrichterstädten (Lille, Lens, Paris, St. Denis, Lyon, St. Etienne, Marseille, Nizza, Toulouse, Bordeaux) täglich jeweils 20.000 bis 100.000 Besucher erwartet werden. Bordeaux hatte, wie in 2012 Polen, einen Polizisten pro 100 Besucher einkalkuliert und war schon auf Kosten von 700.000 Euro gekommen.

Für Alain Bauer, Sprecher des Verbandes der privaten Sicherheitsdienste, reicht das bei Weitem nicht aus: "Die Zonen bei den Public-Viewing-Veranstaltungen müssen ja Tag und Nacht gesichert werden. Selbst wenn jetzt noch Tausende von Sicherheitskräften vom Himmel fallen – wie sollen die denn ausgebildet werden?"

Auch die Fans trauen dem Braten in punkto Sicherheit in den Stadien nicht so ganz. Im Internet sind seit dem 13. November schon viele Karten zum Verkauf angeboten worden, die vorher unter großen Mühen erstanden wurden. Und das hat offensichtlich nichts damit zu tun, dass da Leute einen goldenen Schnitt machen wollen. Vielmehr haben die Anhänger einfach Angst um ihre Sicherheit.

Aber der mögliche private Weiterkauf der Tickets via Internet, der eigentlich strengstens untersagt ist, vergrößert die Sorgen der EM-Gastgeber zusätzlich. Denn potenzielle Terroristen können sich so auf dem schwarzen Markt mit EM-Karten eindecken. Eine schauerliche Vorstellung!

(sid)
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