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Risiko-Spiel in Paris
Polizei warnt vor Randale bei Deutschland gegen Polen

Pressestimmen zur Fangewalt in Marseille
Pressestimmen zur Fangewalt in Marseille FOTO: afp
Paris. Die Sicherheitsbehörden blicken mit Sorge auf das nächste Spiel der deutschen Nationalmannschaft am Donnerstagabend gegen Polen. "Nach den bisherigen Ausschreitungen müssen wir leider damit rechnen, dass es rund um die Begegnung wieder zu schweren Krawallen kommen wird", sagt Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Beide Gruppen gelten als extrem aggressiv, wobei besonders die Hooligans aus Polen echte Muskelpakete und Kampfmaschinen sind", betont Plickert. Von Gianni Costa und Christian Schwerdtfeger

Bei Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften war es immer wieder zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Bei der Europameisterschaft vor acht Jahren hatten sich polnische und deutsche Hooligans eine der größten Straßenschlachten in der EM-Geschichte geliefert. Damals hatte die NRW-Polizei sogar drei Hundertschaften zur Unterstützung der österreichischen Sicherheitskräfte nach Klagenfurt entsandt. Das ist diesmal nicht möglich. "Voraussetzung für einen solchen Einsatz ist es, dass alle deutschen Polizisten die jeweilige Landessprache können müssen. Und Französisch können die wenigsten", so Plickert.

Bei den bisherigen Krawallen gab es dutzende Verletzte, aber nur wenige Festnahmen. Immerhin stehen nun die ersten Kriminellen vor Gericht – und sind in Schnellverfahren zum Teil auch schon verurteilt worden. Ein Engländer, der nach seiner Festnahme seinen 20. Geburtstag im Gefängnis gefeiert hatte, muss zwei Monate hinter Gitter, ein zweiter Fan, ein Krankenpfleger, drei Monate. Die abschreckende Wirkung dürfte sich in engen Grenzen halten. Der englische Verband ist indes um maximale Schadensbegrenzung bemüht und fordert Anhänger auf, die nicht in Besitz von Tickets sind, nicht mehr in die nächsten Spielorte zu reisen.

Bei den Russen ist dagegen nicht viel von Krisenstimmung zu spüren. Igor Lebedew kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Herr Lebedew ist immerhin Vizepräsident des russischen Parlaments. "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht Jungs. Weiter so!", schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Hooligans hätten "die Ehre ihres Landes verteidigt und es den englischen Fans nicht gestattet, unser Land zu entweihen". Rund 150 Hooligans aus Russland haben recht organisiert in den vergangenen Tagen in Frankreich gewütet. Bislang ist es den französischen Behörden nicht gelungen, nur einen von ihnen zu verhaften.

Deutsche Hooligans an einer Ausreise nach Frankreich zu hindern, gestaltet sich für die deutschen Sicherheitsbehörden als sehr schwierig. Selbst bekannte Krawallmacher, die in Deutschland ein Stadionverbot haben, können im Nachbarstaat problemlos in die EM-Arenen kommen. "Wir können daran nichts machen. Das Gesetz schreibt halt vor, dass die Verbote nur in Deutschland gelten", sagte ein szenekundiger Polizist. So soll etwa beim Deutschlandspiel gegen die Ukraine der Dortmunder Michael Brück, ein führender Kopf der dortigen Neonazi-Szene und Mitglied der Partei "Die Rechte", auf der Tribüne gesessen haben. In Dortmund und einigen anderen Bundesligastädten darf er wegen seiner Gesinnung nicht mehr ins Stadion.

Wie viele deutsche Hooligans bereits nach Frankreich gefahren sind oder noch vorhaben, dorthin zu reisen, weiß die Polizei nicht. Im Vorfeld der Partie gegen die Ukraine sollen mehr als 200 gewaltbereite Fans in Lille gewesen sein. Etwa 50 von ihnen hatten sich Attacken gegen ukrainische Fans beteiligt. Doch die Identität der Täter ist offenbar nicht bekannt. Sie konnten nach der Attacke vor der Polizei flüchten. "Wir sind noch dabei die Videoaufnahmen und Fotos auszuwerten. Wir hoffen, darauf den ein oder anderen zu erkennen", so der szenekundige Beamte. Erst dann könne man Strafen aussprechen.

Heute tagt die Disziplinarkommission der Uefa in Paris. Sie hat wegen der Ausschreitungen im Stadion von Marseille ein Verfahren gegen den russischen Verband eingeleitet. Am Nachmittag soll das Urteil stehen. Gerechnet wird zumindest mit einer saftigen Geldstrafe und einem Punktabzug auf Bewährung.

Quelle: RP
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