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EM-Teilnehmer im Porträt
Kann Italien die Talfahrt stoppen?

Fotos: Das ist Gianluigi Buffon
Fotos: Das ist Gianluigi Buffon FOTO: AFP
Der italienische Fußball liegt am Boden. Auch bei der EM 2016 im Nachbarland Frankreich droht ein Trauerspiel.

Schwarzer Maßanzug, schwarze Krawatte, düstere Miene. Wenn Antonio Conte an der Seitenlinie der Squadra Azzurra steht, erinnert der scheidende Trainer eher an einen Trauernden als an den Coach des viermaligen Weltmeisters. Und das Bild hat Symbolkraft. Nicht erst seit dem deftigen 1:4 (2:0) am 29. März beim anderen viermaligen WM-Champion Deutschland liegt der italienische Fußball am Boden.

Die Serie A, einst als stärkste Liga der Welt gefeiert, befindet sich seit Jahren im Niedergang. Die ehemals so stolzen Topklubs sind in der europäischen Bedeutungslosigkeit verschwunden. Erstmals seit 15 Jahren war kein Team im Viertelfinale des Europacups vertreten. Und die Nationalmannschaft hat nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM-Endrunde 2014 - dem zweiten in Folge - auch keinen Kredit mehr bei den Tifosi.

Conte, der Cesare Prandelli nach der Schmach von Brasilien ablöste, hat nach nur zwei Jahren im Amt genug von dem Trauerspiel beim EM-Finalisten von 2012 (0:4 gegen Spanien). Der 46-Jährige gab Mitte März seinen Abschied im Anschluss an die EM-Endrunde in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) bekannt. Der Coach wird ab der kommenden Saison den FC Chelsea übernehmen.

Dass die fetten Jahre vorbei sind, wird Contes Nachfolger als einer der ersten zu spüren bekommen. Der neue Coach des Europameisters von 1968 soll nur noch die Hälfte des Conte-Gehalts erhalten. Der Verband FIGC will sparen. 3,5 Millionen Euro netto ist der Höchstbetrag, den der Neue beziehen soll.

Beim Trainerstab wird gekürzt

Zudem muss sich der Erbe Contes, dessen Team die Qualifikations-Gruppe H ungeschlagen (sieben Siege, drei Remis) absolvierte, mit einem kleineren Trainerstab begnügen. Laut Verbandsboss Carlo Tavecchio "erfordern die Zeiten" nun einmal diese Maßnahmen - obwohl sich die Italiener zum sechsten Mal in Folge und zum neunten Mal insgesamt für eine Europameisterschaft qualifiziert haben.

Angesichts dieses Sparkurses hat Starcoach Fabio Capello sofort abgewinkt. Auch die anderen Kandidaten (Roberto Donadoni, Francesco Guidolin, Claudio Ranieri, Walter Mazzarri und Marcello Lippi) werden es sich dreimal überlegen, ob sie sich den Job antun wollen.

Die Begründung Contes für seinen Rücktritt hat jedenfalls keine Bewerber angelockt. Der 20-malige Nationalspieler, der vor seinem Engagement beim Verband dreimal in Folge mit Juventus Turin die Meisterschaft gewonnen hatte, konnte sich nicht mit der Passivität des FIGC gegenüber den Klubs abfinden. So war im Februar war ein geplantes Trainingslager nicht zustande gekommen, weil die Vereine dagegen waren.

"Man hat mir versprochen, dass ich mit der Mannschaft ausreichend arbeiten kann. Aber ich konnte nicht das tun, was ich wollte", sagte Conte, der mit seinem Team in der EM-Vorrunde auf Belgien, Schweden und Irland trifft: "Für mich ist es schwierig, die Füße stillhalten zu müssen."

Still hielten die Medien nach der Pleite gegen Deutschland natürlich auch nicht. Die Zeitungen schrieben von einer "Schande" und einem "totalen Desaster". Ob es für das Team um Torwart Gianluigi Buffon angesichts des Ausfalls von Conte-Liebling und Spielmacher Marco Verratti (Leistenprobleme) bei der Endrunde besser läuft, ist fraglich.

Eine Schande wäre zweifelsfrei auch eine Verurteilung Contes gewesen. Dem Trainer wurde vorgeworfen, in seiner Zeit beim AC Siena von 2010 bis 2011 Manipulationen nicht gemeldet zu haben. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Cremona hatte eine sechsmonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Geldstrafe von 8000 Euro beantragt. Conte wurde aber freigesprochen.

(sid)
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