1. Bundesliga 16/17
| 09.57 Uhr

FC Schalke 04
Schichtende

Fotos: Breitenreiter und Heldt verabschieden sich mit Sieg von Schalke
Fotos: Breitenreiter und Heldt verabschieden sich mit Sieg von Schalke FOTO: dpa, ua
Gelsenkirchen. Der FC Schalke 04 steht mal wieder vor einem Umbruch. Der neue Sportvorstand Christian Heidel will unbelastet anfangen und setzt auf einen neuen Trainer. Damit werden aber natürlich nicht alle Probleme beseitigt sein. Von Gianni Costa

Am Ende waren alle noch einmal ganz gefühlsduselig. André Breitenreiter und Horst Heldt stapften gemeinsam aufgelöst über den Platz. Der Trainer wischte sich eine Träne aus dem Gesicht, beim Sportvorstand waren gleich beide Hände nötig, um die Gefühlswelt ein wenig in den Griff zu bekommen. Bei Breitenreiter dürfte es wohl vor allem Erleichterung gewesen sein, dass das unwürdige Schauspiel zwischen ihm und seinem Arbeitgeber Schalke 04 endlich beendet ist. Breitenreiter hatte sich mit dem Einzug in die Gruppenphase der Europa League nach nur einer Saison wieder aus dem Revier verabschiedet - gewiss nicht freiwillig.

Als letzte Amtshandlung führte er den Revierklub am Samstag zum 4:1 bei 1899 Hoffenheim und damit auf Tabellenplatz fünf. Für den Anspruch der Königsblauen ist das zu wenig. Seinen längst absehbaren Abgang musste Breitenreiter auch noch selbst vor einer Fernsehkamera verkünden. Später klagte der 42-Jährige über eine "gezielte Hetzkampagne einzelner Medien gegen meine Person" und sagte in Richtung Vereinsführung: "Schade, dass man nicht mehr Geduld hatte."

Schalkes neuer Sportvorstand, der aus Mainz gewechselte Christian Heidel, verkündete als erste Amtshandlung das Aus von Breitenreiter offiziell: "Wir haben uns nach sorgfältigen Überlegungen für einen Neubeginn auf der Position des Cheftrainers entschieden." Dem Vernehmen nach waren die Diskussionen allerdings nicht besonders intensiv. Bereits seit Wochen soll beschlossene Sache gewesen sein, dass Breitenreiter nicht eine weitere Saison Zeit bekommt, um zu zeigen, dass er eben nicht in der Lage ist, eine Truppe dieser Gewichtsklasse voranzubringen. Als Nachfolger für Breitenreiter soll Marcus Weinzierl bereitstehen. Der FC Augsburg pokert noch nach Kräften um eine entsprechende Ablöse für den 41-jährigen gebürtigen Straubinger.

Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Klopp-Entdecker, Schalke-Manager FOTO: dpa, ve fdt

Horst Heldt hat sechs Jahre beim FC Schalke 04 verbracht. Damit kann er von sich behaupten, mit vergleichsweise großer Kontinuität an seinem Tagwerk gewesen zu sein. Er hat allerdings erst zu spät das "Gefühl" Schalke verstanden. Das umfasst eben nicht nur sportlichen Erfolg, sondern auch die Nähe zur Anhängerschaft.

Heldt überließ allzu oft dem mächtigen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies die große Bühne. "Ich muss jetzt lernen, mit meiner Freizeit umzugehen. Ich hatte 26 Jahre lang als Profi und Manager einen strukturierten Ablauf", sagte Heldt, der früher oder später in die Szene zurückkehren will. "Wenn es passt, dann auf jeden Fall. Dafür macht der Job zu viel Spaß - aber nicht zu jedem Preis und nicht bei jedem Verein."

Die Tops und Flops der Saison FOTO: dpa, geb

Bei Schalke hat die Zukunft längst begonnen. Heidel hat die Verpflichtung des brasilianischen Innenverteidigers Naldo (33) bekanntgegeben, den er ablösefrei vom Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg holte und zunächst bis 2018 gebunden hat. "Es war enorm wichtig, einen so erfahrenen Spieler für eine junge, talentierte und entwicklungsfähige Mannschaft zu gewinnen, wie wir sie haben", so Heidel. Man wird sich auf Schalke wünschen, dass es mit derart positiven Nachrichten munter weitergeht. Man ist mittlerweile schon mit wenig sehr zufrieden.

Quelle: RP
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