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Fortuna Düsseldorf
Duell der Trainerfüchse

Fortuna Düsseldorf: Duell der Trainerfüchse
Friedhelm Funkel (li.) und Ewald Lienen nach dem 1:1 im April 2016. FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Friedhelm Funkel und Ewald Lienen drehen sich seit Jahrzehnten mit dem Trainerkarussell. Beide sind 62 Jahre alt und häufiger mal abgeflogen. Lienen ist gerade auf wilder Fahrt mit dem miserabel gestarteten FC St. Pauli. Für Funkel läuft es bei Fortuna Düsseldorf besser. Von Jan Dobrick

Vor ziemlich genau sieben Monaten war die Situation eine andere. 31. Spieltag, Esprit-Arena, der FC. St. Pauli ist zu Gast. Fortuna kämpft gegen den Abstieg, kann sich mit einem 1:1 aber nicht ihrer Sorgen entledigen. "Ein Dreier wäre Gold wert gewesen", sagte Marcel Sobottka in den Stadion-Katakomben enttäuscht.

Funkel behielt den Kopf oben, erklärte auf der Pressekonferenz sachlich, wie das Unentschieden zustandekam. Und Lienen, der baute die Gastgeber mit warmen Worten auf, wie es sich gehört, wenn man auf der Zielgeraden der Saison bei einem Kellerkind einen Punkt klaut. St. Pauli beendete die Spielzeit ohne Chancen auf den Aufstieg auf Platz vier, Düsseldorf auf Rang 14. Beiden Klubs war nach Feiern zumute. Ende gut, alles gut.

Beim Kiezklub geht es drunter und drüber

In Düsseldorf ist seitdem Ruhe eingekehrt. Die Rheinländer sind so gut aus den Startlöchern gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Durch sein souveränes Auftreten und seine Art, oft das Gespräch mit den Spielern zu suchen, hat Funkel den Profis und dem gesamten Verein die Gelassenheit zurückgegeben. Tabellenplatz sieben mit 19 Punkten bedeutet eine Stabilität, die St. Pauli vergeblich sucht. Denn beim Kiezklub geht es drunter und drüber. Schlechter sind die Braun-Weißen noch nie in eine Zweitliga-Saison gestartet.

In zwölf Spielen haben die Nordlichter nur sechs Zähler gesammelt, acht Tore geschossen und 20 kassiert. In der vergangenen Saison gab es noch 16 Partien ohne Gegentor. Zettel-Ewald, der sich am Spielfeldrand jedes Detail notiert, könnte über die Fehler, die in Hamburg Woche für Woche gemacht werden, wohl ein ganzes Buch schreiben. Das Stück Papier, auf dem steht, wie man im Herbst 2016 Zweitliga-Spiele gewinnt, scheint in der Zettelwirtschaft untergegangen zu sein. Das Chaos kommt Fortuna ganz gelegen.

Im jungen Fußball gibt es immer noch eine Nische für die Alten

Der FC St. Pauli hat die Seuche. Sportchef Thomas Meggle ist ihr schon zum Opfer gefallen, er musste nach einem 1:1 am 11. Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg gehen. Geschäftsführer Andreas Rettig übernahm einfach einen zweiten Posten. Bei Spielen sitzt er allerdings nicht beim Team, sondern neben seiner Frau auf der Tribüne, um sie überhaupt mal zu sehen. Er hat viel zu tun. Alles für den Fußball, alles für den Klub. Für St. Pauli geht es in dieser Saison nur noch darum, drei Mannschaften hinter sich zu lassen. Lienen und Rettig müssen liefern, sonst gehen die Lichter aus.

Im jungen Fußball des 21. Jahrhunderts, mit einem 29 Jahre alten Julian Nagelsmann als Cheftrainer in Hoffenheim, gibt es immer noch eine Nische für die Alten. Typen mit Ecken und Kanten, mit einer gewissen Aura. Trainer wie Funkel (777 Spiele als Trainer) und Lienen (546) haben mit ihren 62 Jahren reichlich Erfahrung gesammelt. Funkel strahlt dabei inmitten der ganzen Aufregung eine Gemütsruhe aus, die Lienen momentan etwas abgeht. Nach dem 2:2 von 1860 München am Millerntor redete sich der Coach in Rage. Man habe nicht viel Glück mit den Schiedsrichtern, erklärte Lienen, der insbesondere einen umstrittenen Elfmeterpfiff kritisierte. Die Laune des Trainer hatte schon am sechsten Spieltag gehörig gelitten. Verständlicherweise.

Am Sonntag (13.30 Uhr/Live-Ticker) ist nun die Fortuna auf St. Pauli zu Gast. Und die Rheinländer konnten beim Kiezverein überhaupt erst zweimal gewinnen. Auch die Bilanz von Lienen gegen Funkel ist positiv: elf Spiele, sechs Siege, zwei Niederlagen, drei Unentschieden. Fortunas Coach müsste jetzt eine Serie starten, um den Spieß noch umzudrehen. Düsseldorf soll seine letzte Station als Trainer sein. Lienens Zukunft ist dagegen völlig offen. 

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