1. Bundesliga 16/17
| 14.03 Uhr

Hauptstadt-Klub auf Platz drei
Warum Hertha BSC auf einmal Champions-League-Kandidat ist

Darmstadt - Hertha
Darmstadt - Hertha FOTO: dpa, ade kno
Darmstadt. Das Überraschungsteam von Hertha BSC spielt seine beste Hinrunde seit sieben Jahren. Nach dem 4:0 (2:0) bei Darmstadt 98 behielten die Überflieger um Doppeltorschütze Vedad Ibisevic trotzdem die Bodenhaftung.

Aus der Mannschaftskabine von Hertha BSC klang die Wohlfühl-Hymne "Over the rainbow", und die Überflieger sangen nach einem weiteren imposanten Beweis ihrer derzeitigen Stärke munter mit.

Ibisevic trifft doppelt

Ans Abheben dachte in Reihen der Berliner aber trotz des 4:0 (2:0) bei Darmstadt 98 und der besten Hinrunden-Ausbeute seit sieben Jahren niemand. "Es ist eine gefährliche Zeit. In dieser Phase muss man aufpassen und viel investieren - aber das haben wir heute gemacht", meinte Doppeltorschütze Vedad Ibisevic (12./50.) nach dem vierten Dreier in den vergangenen fünf Bundesliga-Partien.

Auch Manager Michael Preetz gab sich ungeachtet der allgegenwärtigen Lobeshymnen für die putzmuntere "Alte Dame" betont nüchtern. "Es ist ein Moment, den man gerne festhalten würde. Aber das geht nicht", sagte er mit Blick auf das Achtelfinale im DFB-Pokal am Mittwoch beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg.

16. Spieltag: Elf des Tages FOTO: dpa, ade tba

Erst nach dem abschließenden Vorrundenspiel gegen den FSV Mainz 05 (20. Dezember) will Hertha-Trainer Pal Dardai unter dem Weihnachtsbaum bei ungarischer Fischsuppe über eine neue Zielsetzung nachdenken. Die kann nach Jahren in der Tristesse aber eigentlich nur "Europa" lauten.

Die starke erste Saisonhälfte jedenfalls spielt dem erstaunlich effizient agierenden Überraschungsteam in die Karten. "Wenn man oben steht, hat man nicht den Druck. Es ist wie eine Befreiung, und man genießt es", sagte Dardai - und wich zumindest ein bisschen vom Berliner Zurückhaltungskurs ab: "Wir treten auf die Euphoriebremse, aber wir haben noch Träume. Ich bin hier noch nicht am Ziel."

Dardai hat "einen klaren Plan"

Der Ungar war 2008 selbst noch Spieler beim Hauptstadtklub, als die Hertha (derzeit 29 Punkte) letztmals eine ähnlich starke Hinrunde abschloss. In besagter Saison, in der die Elf von der Spree vor der Winterpause 33 Zähler sammelte, landete sie am Ende auf Tabellenplatz vier. Ibisevic jedenfalls ist überzeugt, dass Erfolgscoach Dardai für jedes Ziel "einen klaren Plan" hat. Wie immer es heißen mag.

Auch die Darmstädter trauen den Berlinern, für die neben Ibisevic noch Marvin Plattenhardt (26.) und Salomon Kalou (77.) trafen, im neuen Jahr eine Menge zu. "Die Hertha ist sehr stark. Die spielen bestimmt weiter eine gute Rolle", sagte Flügelflitzer Marcel Heller.

Die höchste Saisonpleite der Lilien kam derweil zur Unzeit: Am Dienstag spielt der bislang so freche Aufsteiger im Pokal bei Bayern München (20.30 Uhr/Live-Ticker). 98-Trainer Dirk Schuster sieht die Chance auf eine Sensation im Achtelfinale "im unteren einstelligen Prozentbereich". Unterkriegen lassen wollten sich die Darmstädter ungeachtet der Packung gegen Berlin allerdings nicht. "Das ist bitter, aber kein Weltuntergang. Es war ein lehrreiches Spiel", sagte der ehemalige Hertha-Profi Sandro Wagner - und Schuster fügte an: "Ich denke, wir werden die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel ziehen."

(sid)
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